In dieser Folge sprechen Stephan Jütte und Manuel Schmid über ein Thema, das oft verborgen bleibt, aber tiefe Spuren hinterlässt: spiritueller Missbrauch. Sie beleuchten, wie sich Missbrauchsgefahr in verschiedenen kirchlichen Kontexten zeigt – von charismatischen Bewegungen über evangelikal-dogmatische Prägungen bis hin zu katholisch-priesterlicher und evangelisch-liberaler Autorität.
Manuel erzählt von seinen wilden Zeiten in pfingstlich-charismatischen Gemeinden – von Prophetinnen und Propheten, die genau zu wissen glaubten, was Gottes Wille für den Einzelnen sei. Stephan berichtet von einem Besuch in einem Gottesdienst, in dem er sich dem Heiligen Geist (oder zumindest dem charismatischen Prediger) beharrlich widersetzte – und wie sich diese Spannung zwischen persönlicher Freiheit und geistlichem Druck anfühlen kann.
Gemeinsam fragen sie: Wo wird geistliche Autorität zur manipulativen Macht? Welche Strukturen und Haltungen begünstigen Missbrauch? Und wie können Kirchen Verantwortung übernehmen, schützen und heilen?
Passend dazu empfehlen wir die Tagung „Grenzen des Heiligen“ am 8. September 2025 in Zürich, die spirituellen Missbrauch aus theologischer, ethischer, seelsorgerlicher und religionswissenschaftlicher Perspektive beleuchtet und Raum für Austausch bietet. Mehr Infos und Anmeldung hier!
Zum Thema «toxische Theologie» und «toxische Kirche» gibt es im Podcast «Ausgeglaubt» schon zwei spannende Folgen, die wir hier nochmal ausdrücklich empfehlen wollen: sie ergänzen dieses Gespräch über «geistlichen Missbrauch» und bringen zusätzliche Gesichtspunkte ein.




20 Gedanken zu „Spiritueller Missbrauch: Gehorsam, Glaube & gesunde Grenzen“
Vielen Dank für diese Folge. Ich finde es so ein wichtiges Thema, aber es ist auch so unglaublich verworren. Ich war selber lange in freikirchlichen Kreisen unterwegs und habe viele dieser Mechanismen, über die ihr redet selbst erlebt (man rechnet mit Gottes reden, man hat prophetische Eindrücke für andere, man soll Gottes Plan für das Leben entdecken). Für meine Abschlussarbeit des CAS “Grundfragen christlicher Existenz” bin ich dann auf der Themensuche auch auf das Thema “geistlicher Missbrauch” gestossen und habe aber gemerkt, der Begriff scheint irgendwie zu stark zu sein, da ich das Glück hatte, dass ich nie mit Leitungspersonen in Kontakt kam, die mich ausdrücklich dann auch ausnutzen wollten und sich selbst bereichern wollten. Und doch war da in meinen Erfahrungen irgend etwas komisches, das sich ungesund anfühlt. Und ich bin dann der Spur nach: “Wie entwickelt sich Glauben eigentlich?”
Je älter ich wurde, desto stärker rieb ich mich daran, dass ich nicht als eigenständige erwachsene Person Entscheidungen treffen kann, sondern dass mir sehr klare Leitplanken aufgegeben wurden. Mit der Zeit, begann ich das Verhältnis von “Kirche” zu “Gläubige” sehr stark als “Eltern” “Kind” Verhältnis wahrzunehmen. Kirche bedeutete für mich in dem Zusammenhang die Gesamtheit von Leitungspersonen, Strukturen und Dogmen, die vertreten werden und in denen eine enge moralische Weltanschauung herrscht. Auch die Ansicht, dass es gottgesalbte Leitungspersonen gibt, die eine spezielle Autorität erhalten gehört dazu.
Ich kam dann auf das Entwicklungskonzept von James W. Fowler. Darin beschreibt er entwicklungspsychologische Entwicklungsstufen des Glaubens. Und eine grosse Erkenntnis daraus war, dass Glaube und Persönlichkeitsentwicklung nicht zu stark trennen sollte. Das Erwachsenwerden bedeutet eine Selbständigkeit, eine Mündigkeit die sich nach und nach entwickelt und diese Entwicklung muss auch im Glauben passieren. Fowler benennt dies die Entwicklung des “Exekutiven Ichs”. Ein Ich, das sich zwar von anderen Menschen etwas sagen lässt, die Hauptautorität aber schlussendlich in sich selbst findet und so als erwachsene Person Verantwortung übernimmt und auch die Konsequenzen der Entscheidungen trägt.
Meine grosse Kritik an freikirchlichen Kreisen ist: Die Strukturen und Dogmen in diesen Kreisen behalten die Gläubigen in einer “Kinderrolle” und ermöglichen kaum Entwicklung zu eigenständigem und mündigem Glauben. Dieses komische Gefühl das mich in freikirchlichen Kreisen so stört würde ich nun als “entwicklungshindernde Strukturen und Denkmuster” festhalten und ich konnte für mich so auch einen Weg finden, meine Erfahrungen einzuordnen ohne, dass ich geistlichen Missbrauch erlebt habe. Gott sei Dank.
Das ist jetzt sehr verkürzt, aber dennoch einige Kerngedanken meiner Arbeit. Vielleicht ist das ja auch noch eine spannende Überlegung.
Liebe Judith,
Danke dir für die Rückmeldung und fürs Teilen deiner eigenen Gedanken und Erfahrungen – das ist sehr spannend und berührend zu lesen. Ich finde es einen wichtigen Punkt, dass du deine Erfahrungen nicht vorschnell unter den Begriff “geistlicher Missbrauch” einordnest, sondern genau hinschaust, was eigentlich nicht gut getan hat – und dass du dafür eigene Worte gefunden hast. Die Spur über das Entwicklungskonzept von Fowler finde ich in diesem Zusammenhang besonders hilfreich. Es ermöglicht, Glaubensbiografie und Persönlichkeitsentwicklung zusammenzudenken, ohne gleich pathologisieren zu müssen.
Gerade im Kontext geistlicher Gemeinschaften finde ich die von dir beschriebene Spannung zentral: Wenn Strukturen und Rollenbilder die Gläubigen auf einer Art „Kinderstufe“ festhalten – sei es durch überbetonte Autoritätsfiguren, durch enge moralische Vorgaben oder durch eine Vorstellung von “Gehorsam”, die wenig Raum für Widerspruch lässt –, dann hemmt das reifere Formen des Glaubens und der Selbstverantwortung. Und auch wenn das vielleicht nicht unter Missbrauch im engeren Sinn fällt, schafft es doch eine Atmosphäre, die Entwicklung verhindert – und damit letztlich sehr verletzend sein kann.
Ich teile deine Überzeugung: Ziel geistlicher Reifung muss Mündigkeit sein – also die Fähigkeit, Verantwortung für den eigenen Glauben und das eigene Leben zu übernehmen. Gemeinschaften, die das nicht fördern, laufen Gefahr, Menschen in ungesunde Abhängigkeiten zu führen – und öffnen damit auch Türen für Missbrauch.
Danke nochmals für deine Gedanken und die Impulse, die du damit gibst!
Liebe Grüsse
Manuel
“Gemeinschaften, die das nicht fördern, laufen Gefahr, Menschen in ungesunde Abhängigkeiten zu führen”
Im “gesunden” Konkurrenzdenken, des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs um die Deutungshoheit der wettbewerbsbedingt-konfusen Symptomatik in stets 1:5 (Wohlstand : Tittytainment) der Weltbevölkerung, was die Globalisierung der “Dienstleistungsgesellschaft” sozusagen verewigt konfusionieren soll, ist die Unwahrheit in Zynismus die Grundlage aller erpresserischen wie ausbeuterischen Gemeinschaften!?
“Was tun, wenn geistliche Leitung kippt und zu Kontrolle wird?”
– Würdet ihr etwa behaupten keine kontrolliert-geistliche Leitung zu sein, weshalb Machtmißbrauch euch in keinster Art betrifft???
In jeder Beziehung, in der ein Gefälle von Autorität, Macht, Erfahrung, Einkommen, Einfluss usw. bestehen, steckt auch Missbrauchspotenzial. Das lässt sich nicht umgehen. Kontrolle meine ich schon in einem starken Sinne, das würde ich abgrenzen wollen von Coaching, Beeinflussung usw. Kontrolle hält Menschen fest und bringt sie zu Dingen, die gar nicht ihrem eigentlichen Willen entsprechen.
“In jeder Beziehung, in der ein Gefälle von Autorität, Macht, Erfahrung, Einkommen, Einfluss usw. bestehen, steckt auch Missbrauchspotenzial.”
In der Beziehung des Geistes der unser Ursprung und unsere Eigenverantwortung nach dem ersten und bisher einzigen GEISTIGEN Evolutionssprung* bedingt**, darf es KEIN Gefälle geben, das kann ich Dir/euch aus der Ausserkörpererfahrung mitteilen!!!
*”Vertreibung aus dem Paradies”, in
**den geistigen Stillstand / die “göttliche Sicherung” vor dem Freien Willen, was es als ganzheitlich-ebenbildliches Wesen Mensch zu überwinden gilt!
“In jeder Beziehung, in der ein Gefälle von Autorität, Macht, Erfahrung, Einkommen, Einfluss usw. bestehen, steckt auch Missbrauchspotenzial. Das lässt sich nicht umgehen.”
OMG, das ist ja wohl die absoluteste Kapitulation vor der gleichermaßen unverarbeitet-instinktiven Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und egozentriert-gebildetem “Individualbewusstsein” im Tanz um den heißen Brei!? 👋🥴
Äh… nein. Das ist einfach ein gesundes Problembewusstsein unter Voraussetzung einer realistischen Anthropologie. Ich rede ja vom MissbrauchsPOTENZIAL. Das spricht von der MÖGLICHKEIT, nicht von der NOTWENDIGKEIT. Das ist wichtig.
“Das lässt sich nicht umgehen.”
Das soll es ja auch nicht, es soll direkt, konsequent und KOMPROMISSLOS GANZHEITLICH angegangen werden, darum geht es im Sinn des Lebens, besonders wenn man die Philosophie der Bibel richtig in Sachen Vernunft und Verantwortungsbewusstsein deutet!!!
Der Begriff ´spiritueller Missbrauch´ zeigt schon ein Problem auf: dem unkritischen Umgang mit Begriffen.
Wenn Leute sich anderen Menschen vertrauensvoll anvertrauen und dieses Vertrauen und die damit verbundene Macht missbraucht wird um diese Leute zu manipulieren – dann ist dies ein übles charakterloses Fehlverhalten. Und dies sollte man auch so direkt benennen.
Der Begriff ´spiritueller Missbrauch´ darf in nicht verwendet werden – da damit unterschwellig eingeräumt wird, dass dabei irgendein Zusammenhang mit Spiritualität bestehen könne.
Ich habe hier bei reflab schon einige Beiträge gelesen und bin entsetzt, wie sinnlos hier von Spiritualität gesprochen wird. ´Spiritualität´ scheint hier ein unkritisch inflationär gebrauchter Begriff zu sein, der keine sinnvolle Bedeutung mehr hat.
Ein Beispiel: Im Beitrag ´Kirche & Rausch, echt jetzt?´ wurde auf die ´Elysium´-Veranstaltung hingewiesen – wo man überlegte ob psychedlische Drogen zu Bewusstseinserweiterung oder spirituellen Erfahrungen führen können.
Statt diese Ideen kritiklos zu kolportieren, wäre es sinnvoll gewesen, sich zuerst mit den biologischen Grundlagen von psychedelischen Effekten zu beschäftigen – dann hätte man erkannt, dass psychedelische Drogen nur die neuronale Reizverarbeitung im Gehirn verändern und dadurch die Wahrnehmung beeinflussen.
Noch ein Beispiel: Ich habe schon seit 2006 eine komplette Erklärung für das Phänomen ´Nahtod-Erfahrung´ erstellt und veröffentlicht – diese sind als Ergebnis eines einfachen Erinnerungsvorgangs erklärbar und haben nichts mit Lebensbedrohung, Sterben, Tod, Jenseits zu tun (Auch wenn dieser absolut falsche Zusammenhang subjektiv so empfunden werden kann).
Aber in vielen Kirchengemeinden werden Nahtod-Erfahrungen noch immer als unerklärbar oder im Zusammenhang mit Lebensbedrohung, Sterben, Tod, Jenseits dargestellt. D.h. offenbar hat man seit 2006 keine gründliche Recherche u diesem Thema gemacht oder man verbreitet mit Absicht falsche Informationen.
Spiritualität ist ein enorm schillernder Begriff mit zahllosen Bedeutungsnuancen und auch widersprüchlichen Verwendungen. Das Kompositum «spiritueller Missbrauch» halte ich sehr wohl für sinnvoll, auch wenn das Adjektiv natürlich nicht sagen will, dass der Missbrauch an sich “spirituell” ist – sondern genau das, was du bestreitest: Dass der Missbrauch in einem spirituellen Zusammenhang erfolgt, bzw. dass es spirituelle Gründe gibt, die den Missbrauch von Macht und Einfluss begünstigen.
Ich finde die Überlegungen von Judith sehr bedenkenswert. Weiter gedacht frage ich mich dann, was eigentlich passiert, wenn geistlich unreife Menschen dann nach einer 4-teiligen Kurzeinführung in einem Hau-ruck-Verfahren vom Erstbesucher frisch bekehrt zum Gruppenleiter werden, so, wie ich es in evangelikal-charismatischen Gemeinden kennengelernt habe? Das eine Problem sind Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen manipulieren und dominieren verbunden mit Strukturen, die einen an Verkaufstrategien von Tupperware u.a. erinnern, das andere sind Menschen, die einfach viel zu früh in Leitungsfunktion kommen und guten Gewissens tun was sie tun weil sie glauben, Gott und die festen Strukturen werden die fehlenden Kompetenzen schon ausfüllen und das “Abenteuer Nachfolge” schon sichern.
Hallo ihr Lieben
Ich habe mit Interesse euren Podcast gehört. Danke für eure Gedanken. Bei vielem bin ich mit euch und kann das aus eigenem Erleben bestätigen.
Ich empfand den Podcast aber noch ein bisschen “unausgegoren”. Ist natürlich ein grossen, weites und nicht ganz einfache Thema.
Was mich gestört hat, ist die Aussage, die immer wieder kam, dass Missbrauch von Menschen ausgeführt wird, die Mach ausüben möchten. Das ist sicher oft der Fall, aber bei weitem nicht immer. Es git viele Menschen, die andere falsch anleiten, weil sie selber so gelehrt worden sind. Sie machen das im besten Wissen und Gewissen. Geistlicher Missbrauch hat nicht immer mit Machtausübung zu tun. Ich habe selber damals meinen Teenagerleitern gesagt, dass sie nicht mehr leiten können, wenn sie unverheiratet beieinander übernachten, zusammen in die Ferien gehen usw.
Das habe ich nicht gemacht, zum Macht ausüben, sondern, weil ich wirklich dachte, das sei so richtig und das Beste für die jungen Leute.
Auch ich habe Menschen erlebt, die mich nach meiner heutigen Meinung falsch angeleitet haben. Aber ich könnte ihnen deshalb keinen Machtmissbrauch zuschreiben.
Könnt ihr mir da folgen? Wisst ihr, was ich meine?
Auf jeden Fall bereue ich heute ganz viel und ich suche auch immer wieder das Gespräch mit diesen mir damals anvertrauten Menschen, um dinge richtig zu stellen. Ich hoffe, ich habe nicht Ballzuviel “kaputt” gemacht damals.
Liebe Grüsse
Susann
Danke liebe Susann für deine Rückmeldung und die persönlichen Ausführungen. Ja, ich kann nachvollziehen, was du meinst – denke aber, dass wir den Begriff Machtmissbrauch unterschiedlich füllen. In den von dir genannten Beispielen handelten die leitenden Personen aus fester Überzeugung und nicht in böser Absicht: das glaube ich sofort, ich glaube, dass dies in den meisten Fällen so ist. Trotzdem würde ich von Machtmissbrauch sprechen, weil dieser Begriff für mich keine böswillige Absicht impliziert, sondern nur die Tatsache, dass Menschen andere Menschen in einem religiös/spirituell aufgeladenen Setting dazu bringen, gegen ihren eigenen Willen zu handeln, ihre eigenen Gefühle nicht ernst zu nehmen oder sich aus Angst bestimmten Regeln zu unterwerfen… Ein Machtgefälle ist hier m.E. eigentlich immer vorhanden, entweder ein formales, explizites (Pfarrer, Jugendleiter, Religionslehrer…) oder ein informales, charismatisches (Vorbildsperson, bewunderte begabte Personen…), und es macht den missbräuchlichen Einfluss erst möglich.
Ja das stimmt auf jeden Fall. Für mich ist einfach der Begriff Missbrauch in den Faäälen ,die ich geschildert habe etwas verwirrend. Ich habe die anderen ja nicht falsch (miss) gebracht für meine eigenen Ziele. Wenn das so wäre, dann wäre es ganz klar Machtmissbrauch. (das findet ja bei sexuellem Missbrauch statt.) Vielleicht sollten wir ein bisschen vorsichtiger oder differenzierter umgehen mit so starken Wörter, wie Missbrauch.
Der Glaube war mein Weg in die Gefangenschaft
Ich wurde in der Jugend psychisch missbraucht und konnte kein Selbstwertgefühl aufbauen. Darum habe ich mich “bekehrt”, weil ich da angenommen werde, wie ich bin. Gleich danach kam der Hammer. Auf Veranstaltungen, in Gottesdiensten, Seelsorgegesprächen und vor allem von Gemeindemitgliedern wurde mir ganz klar aufgezeigt, dass ich ein Sünder bin und den Tod verdient habe.
Ich stand unter Dauerbeschuss, wie ich mich verändern MUSS, was ich alles tun MUSS, was ich nicht mehr darf und vor allem, dass ich alles daran setzen MUSS um nicht mehr zu sündigen. Ganz schön viel, damit mich Gott endlich annimmt, wie ich bin. Damit ich (die Gläubigen) nicht gleich wieder abspringen, gab es pro 10 Predigten, eine in der mir gesagt wurde, dass ich um Vergebung bitten MUSS, damit mich Gott oder besser die Gemeinde annimmt, so wie ich bin.
Das war praktisch eine 1:1 Weiterführung des psychischen Missbrauch, den ich erlebte. Als ich anfing Fragen zu stellen, Aussagen von Gemeindeleitern zu hinterfragen, wurde mir ganz klar aufgezeigt, dass ich mich so (bildhaft) auf direktem Weg in die Hölle befinde. Ganz nach dem Motto: Komm zu uns, wir nehmen dich an wie du bist UND machen dich so, wie wir dich haben wollen.
Viele Fragen wurden mit “in der Bibel steht”, “Gott hat mir gesagt”, Ich habe den Eindruck dass” – Ende der Diskussion, beantwortet. Der evangelikale Glaube hört dort auf, wo die Fragen eigentlich anfangen. Ich habe es zig Mal versucht, aber eine ergebnisoffene Diskussion auf Augenhöhe war schlicht und einfach nicht möglich. Jesus ist (und muss) die Antwort und die Lösung auf all deine Fragen sein.
Das ist die allgemein christliche Erwartungshaltung, denen viele in der einten oder anderen Form ausgesetzt sind. Ich unterstelle niemandem böse Absichten aber die Grenzen zwischen einem gut gemeinten Rat, Seelsorge und geistigen Missbrauch sind fliessend.
Ich erlebe, dass der christliche Glaube, der eigentlich freisetzen und befähigen sollte, Menschen in die Unselbständigkeit und Abhängigkeit führt.
Wenn jemand auf meinen Post antworten will, dann will ich auf keinen Fall eine Entschuldigung, für das was ich erlebt habe! Ich bin KEIN Einzelfall. Das was ich hier schildere, kann man immer wieder lesen. Aber der Glaube darf NICHT versagen, darum setzen sich viele überzeugte Christen nicht (ergebnisoffen) mit den Zweifeln und den Menschen dahinter auseinander.
Hallo!
Naja, in die Hölle kommen wir alle. (Prediger 6, 6) Wir kommen auch alle wieder raus in der Auferstehung aller und müssen dann zum Weltgericht antreten. (Offb 20, 12-13) Blöd ist es, wenn man danach in der Gehenna (Mt) = dem Feuersee landet.
https://bkv.unifr.ch/de/works/cpg-1306/versions/gegen-die-haresien-bkv/divisions/926?query=Gehenna
Irenäus: “in den Feuerpfuhl geworfen, den zweiten Tod“5 . Das ist aber die Gehenna, die der Herr auch das ewige Feuer nennt” (Mt 25, 41)
Die Hölle wird im Feuersee vernichtet werden. Ihr Chef, der Tod (Psalm 49, 15), wird auch im Feuersee vernichtet werden. (Offb 20, 14)
https://en.wikipedia.org/wiki/Gehenna#New_Testament
Manche bringen da alles durcheinander. Aber die beiden ältesten Bibelübersetzungen, die Vulgata und die Gothica, übersetzen Scheol, Hades und Tartaros mit dem jeweiligen Wort für Hölle, aber nicht Gehenna. “Gehenna” wird vielmehr als Lehnwort in die Zielsprache übernommen, ist also etwas ganz anderes.
Alles Gute!
Hallo!
Ihr behauptet, in der Bibel gäbe es Kritik an der biblischen Idee der generationsübergreifenden Sünde. Das erzählt der Siggi in irgendeinem Worthaus-Vortrag, aber wahrscheinlich stimmt das gar nicht.
2. Mose 20: “Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,”
https://www.blueletterbible.org/lexicon/h6485/wlc/wlc/0-1/
“heimsuchen” ist hebr. paqad, steht im Qal und heißt u.a. “beobachten, suchen, vergeblich suchen, überprüfen”. Es könnte also darum gehen, daß Gott abcheckt, ob sich etwas gebessert hat oder ob schlechtes Verhalten durch die Generationen weitergegeben wird wie bei Mißbrauchstaten durch Leute, die als Kinder Mißbrauchsopfer waren.
Jeremia 31: “29 Zu derselben Zeit wird man nicht mehr sagen: »Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern werden die Zähne stumpf«”
Hesekiel 18: “2 Was habt ihr unter euch im Lande Israels für ein Sprichwort: »Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden«? 3 So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Dies Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel.”
Das ist gar keine bibelinterne Bibelkritik. Beide Propheten sagen klar, daß hier ein Sprichwort, das im Volk umging, Objekt der Kritik ist. Das Sprichwort steht gar nicht in der Bibel. Es ist auch gar kein indirekter Bezug zu 2. Mose 20, 5, denn im Sprichwort geht es um Anrechnung der Sünde, nicht um Supervision der Gesellschaft.
Die krasseste Lehre einer generationsübergreifenden Folge der Sünde steht in Römer 5: “12 Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.”
Alles Gute!
2. Mose 20: “Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,”
Mensch befindet sich im durch geistigen Stillstand “göttlich-gesicherten” Kreislauf der Wiedergeburten/Reinkarnationen, für das “Projekt ganzheitlich-ebenbildliches Wesen” – Für jeden neuen Durchlauf nach Mensch erstem und bisher einzigen GEISTIGEN Evolutionssprung (die “Vertreibung aus dem Paradies”), wird uns der “Arbeitsspeicher” gelöscht, sodass der Zugriff auf die “Festplatten”, und somit die Entwicklung/Fusion von gottgefälligem Bewusstsein / geistig-heilendes Selbst- und Massenbewusstsein, nur durch das Unterbewusstsein, bzw. durch den Glauben daran, möglich ist!?
Erst am “Jüngsten Tag”, wird entschieden ob es ein “Jüngstes Gericht”, also die Löschung aller “Festplatten und Arbeitsspeicher” (der absolute Tod / die “Gnade Gottes”), oder ob es im Freien Willen mit neuem/weiteren Geist und Seele weiter geht.
Ich kenne zwei Variante , die ich in der reformierten, gerade sogenannt bezeichneten „liberalen“ Landeskirche beobachte. Erstens, die Vernachlässigung von spirituellen und religiösen Bedürfnissen einer ratsuchenden Person oder Person, die Orientierung oder Seelsorge sucht! Da heisst es oft von der autoritären reformierten Person im Machtgefälle: „Aber das ist nicht REFORMIERT !“ oder „Sie wissen schon, dass wir REFORMIERT oder in der LANDESKIRCHE sind“ oder die Person die Rat sucht zur Spiritualität und reformierten oder christlichen Religiosität wird einfach geghostet oder ignoriert und somit findet keine Seelsorge statt! Die Autorität bestimmt ist nicht nötig, wenn man richtig REFORMIERT glauben würde und selber denken, wie es „richtige“ Reformierte machen!
Zweitens: Ein spirituelle Frage, Beschäftigung oder Bedürfnis wird zu schnell oder sofort pathologisiert oder psychologisiert von der Autorität, was auch zu spirituellen Missbrauch in der Form der Vernachlässigung führt und Personen alleine lässt! Denn ein richtig gläubiger Reformierter oder Reformierte Gläubige, denkt selber und hat nicht religiöse und spirituelle Gefühle! Reformierte sind doch aufgeklärt und sind eine Kirche der Reformation!