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Persönliche Pastorin

Im Tagesanzeiger vom letzten Montag kam eine Aargauer Pfarrerin ausführlich zu Wort. Sie bietet auf privater Basis Trauerfeiern etc. in der ganzen Deutschschweiz an und ihr Geschäft läuft gut.
Ist das oke? Kann die Kirche daraus lernen?
Und weshalb reproduzieren Kirchenvertreter*innen ständig das Bild einer langweiligen Kirche?
Heute geht es im Stammtisch hoch zu und her… spätestens ab Minute 24 🙂
Viel Spass & wie immer freuen wir uns auf eure Reaktionen an contact@reflab.ch

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8 Kommentare zu „Persönliche Pastorin“

  1. Interessante Runde. Ich muss zunächst sagen, dass ich den Artikel nicht gelesen habe und ihn deshalb nur vom Hörensagen kenne. Aber das passt ja zum Stammtisch.
    Ich hab mich während dem Hören etwas selbstkritisch gefragt, wie ich denn mit anderen, gerade auch eher kirchendistanzierten Personen, über die Kirche rede. Oft rücke ich sie kritisch ins Bild. Oder noch schlimmer, im Sinne der “ecclesia semper reformanda” erwecke ich den Eindruck, ich mache alles neu. Man versucht sich etwas von der Institution abzugrenzen, vielleicht aus einem Bedürfnis nach Selbstschutz, vielleicht auch Feigheit. Wo sind wir noch stolz auf unsere Kirche und kommunizieren dies auch öffentlich?
    Manchmal denke ich aber auch, dass in meiner bisherigen kirchlichen Ausbildung (ich stehe vor dem Vikariat) das eigene Pfarrbild und Selbstreflexion rauf und runter diskutiert wird, während das eigene Verhältnis zur reformierten Kirche unterbelichtet bleibt. Ich wurde oft gefragt, warum ich Pfarrer werden will und was für einer. Eher selten jedoch, warum ich in die reformierte Kirche will. Ja warum will eine Pfarrperson überhaupt in die reformierte Kirche? Weil diese eine attraktive individuelle Entfaltungsmöglichkeit bietet? Weil der Lohn respektabel ist? Weil es halt einfach die Kirche ist, wo man nach dem Theologiestudium an einer schweizer Fakultät hingeht? Man mag dies ja alles schätzen, doch für sich genommen ist doch zu wenig. Die Kirche lebt davon, dass man sich mit ihr identifiziert. Man muss ja nicht gleich katholisch werden, aber manchmal denke ich, ein bisschen mehr Bindung und Liebe zur Kirche würde den Reformierten, und damit auch den Pfarrpersonen, gut tun.

    1. Stephan Juette

      Danke, lieber Timo, für deine selbstkritische Einschätzung. Ich glaube, genau da müssen wir anfangen! Ritschl hat einmal an der Leuenberger-Tagung von einer “kritischen Loyalität” gesprochen, die er von Kirchenmitgliedern gegenüber der Kirche erwartet. Daran denke ich sehr häufig. Diese bringt beides zum Ausdruck, was du schilderst: Verbundenheit und das Anliegen, Kirche zu reformieren und zu verbessern.
      Lieber Gruss!

  2. Zuerst muss ich Euch zustimmen, illoyales Verhalten gefällt mir überhaupt nicht. Ich war schon an einem Vortrag von einer Person die ein innovatives Projekt in der ref. Kirche Zürich durchführen durfte, die pausenlos über die “Obrigkeit” herzog. Dabei fand ich den Inhalt eigentlich noch spannend.

    Nun aber zu meinem Punkt, wo mich eure Meinung interessieren würde: Wenn all diejenigen, die ein innovatives Projekt gestartet haben oder neue Wege gingen, erlebten, dass sie von irgendwelchen Akteuren/Kräfte in Zürich gebremst wurden, sind sie dann nicht selber schuld wenn sie nachher in die Pfanne gehauen werden?

    1. Stephan Juette

      Danke für die Frage! Wenn das so wäre, dann wäre es verständlich. Sicher gibt es immer wieder Menschen, die frustriert sind über Entscheidungen und denen Prozesse zu umständlich sind etc. Ich selbst habe die Reformierte Landeskirche als grosszügig, unterstützend und schnell erlebt und ich arbeite mit anderen zusammen, die solche Erfahrungen auch gemacht haben. Deshalb denke ich, dass die Frage hypothetisch ist 😉

      1. Dann musst Du mich korrigieren: Hatten nicht die innovativsten Projekte der ref. Kirche gegen starken Gegenwind von Zürich (Synode oder Kirchenrat) zu kämpfen? z.B. Streetchurch, Zeitlos, hinterer Hecht, reflab?

        Also meine Frage ist ernst gemeint, denn wirklich wissen tu ich es nicht. Nur viel davon gehört. z.T. auch von den Projektverantwortlichen.

  3. Karin Baumgartner

    Ich fand eure Diskussion spannend und interessant.
    Ein Gedanke hat mir gefehlt: Menschen leben an einem Ort, sind mit diesem teils mehr andere weniger verbunden. Angehörige sind teilweise weit weg, kommen von aussen in das System. Angehörige entscheiden, wie, in welchem Rahmen Abschied genommen wird und wer überhaupt Abschied nehmen darf. Dabei werden bewusst und unbewusst Menschen ausgeschlossen. Ich denke dabei an Bewohnerinnen und Bewohner eines Altersheims, an Vereins-Gspänli, an Nachbarn, die nicht kommen, wenn es nur im engsten Familienkreis ist oder nur um 11 Uhr auf dem Friedhof. Diese Menschen möchten auch Abschiednehmen.
    Angehörige haben manchmal auch das Gefühl, da kommen ja eh nicht viele, wir machen das nur «schnell» auf dem Friedhof, brauchen die grosse Kirche nicht und sind dann sehr überrascht, wie viele Menschen kommen.

    Eine weitere Beobachtung ist, dass es sehr entscheidend ist, wie der Erstkontakt auf dem Bestattungsamt verläuft. Ist es ein Mehraufwand, wenn man den Termin mit dem Pfarrer absprechen muss, wird positiv über die Zusammenarbeit gesprochen. Wie läuft die Kommunikation, wenn jemand nicht Mitglied war, die Angehörigen aber sind und aus allen Wolken fallen?

    Dies einfach ein paar Gedanken aus der Praxis.

  4. Vielen Dank für die kritische Auseinandersetzung mit dem Fall. Ich habe die beiden Gefühle von Stephan absolut geteilt.
    Nur als kleines Feedback: ich finde die Idee der kantonalen oder regionalen Kasualdienstleistung sehr gut! Und ich könnte mir vorstellen, dass das durchaus funktioniert! Danke für diesen Impuls.

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