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Lesedauer: 3 Minuten

Der Wüstenplanet

Der Wüstenwind reibt am Zelt und an meiner Seele. Ich ruhe mich aus, hinter mir fühle ich mit den Fingerkuppen die Kälte des Steines. Ich weiss nicht, ob ich diese kleine Höhle gefunden habe, oder ob vielmehr sie mich ausgesucht hat. Über mir sollten die ersten Sterne funkeln, die aber nun im Sandsturm untergehen. Zeit des Innehaltens, Zeit des Gebets. Das Knistern des Zeltes, meine Gedanken und ich.

Ich darf mich nicht fürchten.

Wir dachten, wir seien die wichtigsten Geschöpfe des Planeten. Dann traf uns aber die grosse Wende mit aller Wucht, und nach nur ein paar Jahrzehnten mussten wir wie Käfer leben, uns in Höhlensysteme verkriechen und dann nach draussen gehen, wenn es die Temperatur gestattete: morgens, abends und in der Nacht. Die Sonne hat uns fest im Griff und zeigt uns täglich, wie vulnerabel wir sind. Die Wüste braucht uns nicht, aber wir brauchen sie.

Die Furcht tötet das Bewusstsein.

Die Fussspuren auf dem Sand beweisen meine Anwesenheit nur für ein paar Augenblicke. Oft bin ich nur mit mir unterwegs. Dann muss ich die Einsamkeit umarmen, sie zu meiner Freundin machen, damit ich durch die Nacht komme. Und natürlich muss ich meinen Wasserhaushalt penibel unter Kontrolle halten. Nach der Wende wurde das wertvoll, was wir vorher zur Genüge hatten und gedankenlos verschwendeten: Wasser. Alles dreht sich nun um dieses Element. Zumindest bei uns. Das Überleben steht im Vordergrund, wir haben keine Zeit fürs Überflüssige.

Unsere Feinde sind von weit weg gekommen und aus einem anderen Grund hier: Ihre Maschinen suchen nach dem wertvollen Gewürz, das uns die Kraft schenkt und ihnen das Reisen ermöglicht. Es liegt unter dem Sand, es lag schon immer darunter. Sie sind egoistisch und nehmen mehr, als sie in Wirklichkeit brauchen. Dafür schenken sie uns Krieg und Leid. Als wäre das Leben nicht schon schwer genug.

Die Furcht führt zu völliger Zerstörung.

Ich bin seit Tagen unterwegs, da ich nur ein paar Kilometer pro Tag schaffe, von Höhle zu Höhle, und möglichst gut getarnt, um ihre Radarsysteme zu umgehen. Heute werde ich auch vom Sturm aufgehalten und bin nun aufgeregt. Denn ich muss eine wichtige Nachricht zur grossen Priesterin überbringen.

Ich werde ihr ins Gesicht sehen.

Die vielen Sterne, die Tiere und die Träume der Kinder haben gesprochen: Die Zeit des Propheten ist gekommen. Ich bin erleichtert. Denn ich halte dies alles nicht mehr aus. Wir wollen unsere Freiheit zurück.

Sie soll mich völlig durchdringen.

Der Wind flüstert ein Gebet, und ich lausche:

Ich darf mich nicht fürchten. Die Furcht tötet das Bewusstsein. Die Furcht führt zu völliger Zerstörung. Ich werde ihr ins Gesicht sehen. Sie soll mich völlig durchdringen. Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben. Nichts ausser mir.*

 

*Dies ist eine kleine Hommage an Frank Herbert, Schriftsteller von Sci Fi- und Fantasy-Romanen. Bekannt wurde er insbesondere durch die Wüstenplanet-Saga, die sich millionenfach verkauft hat. Das allerletzte Zitat des Blogartikels stammt aus dem 1. Buch der Reihe. Der sehenswerte Film «Dune» läuft aktuell in den Kinos (Regie D. Villeneuve).

 

Photo by Sergey Pesterev on Unsplash

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