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Das Corona darf nicht in die Arche Noah

Die Schlange darf rein, die Maus und sogar das Einhorn. Berliner Schulkinder, die in der Entstehungsphase des neuartigen Kindermuseums des Jüdischen Museums Berlin beratend beteiligt waren, haben ausser Lieblingstieren auch weniger beliebte oder ausgegrenzte Tiere wie Nacktmull oder Milbe für die Arche Noah zugelassen.

Ein besonders ungeliebtes Geschöpf aber, dass Corona, sorgte dafür, dass die sehnsüchtig erwartete Eröffnung des Kindermuseums um mehr als ein Jahr verschoben werden musste.

Diesen Sonntag ist es aber so weit: Deutschlands erstes religionsspezifisches Kindermuseum öffnet seine Türen – oder vielmehr Schiffsluken. Es hat die Gestalt der Arche Noah. Das Namenskürzel ANOHA nimmt Rücksicht auf kleine Kinder, die »Arche Noah« schwer aussprechen können.

Das Jüdische Museum Berlin wird jährlich von rund 20 000 Kindern besucht. Jede:r fünfte Besucher:in des Hauses ist unter zwanzig Jahre. Mit ANOHA gibt es jetzt auf 2700 Quadratmetern ein spezifisches Angebot für Kinder von drei bis zehn Jahren.

Ungewöhnlich ist nicht nur der Ort des Kindermuseums, eine ehemalige Blumenmarkthalle, sondern auch die architektonische Form: eine Holzkonstruktion in CO₂-neutraler Bauweise mit 28 Meter Durchmesser und sieben Meter Höhe. Der amerikanische Architekt Alan Maskin hat in Anlehnung an Keilschrifttafeln eine runde Form der Arche gewählt. Inspiration bot außerdem das Raumschiff aus Kubricks »2001: Odyssee im Weltraum«.

Der Themenschwerpunkt des Kindermuseums könnte nicht aktueller sein. Es geht um den Erhalt der Artenvielfalt.

Die Welt reparieren

Gerade Kinder haben ein großes Interesse an den vielfältigen Mitgeschöpfen und reagieren sensibel auf die Nachricht des dramatischen Artensterbens.

Mit dem »Tikkun Olam«, der »Weltverbesserung« oder dem »Reparieren der Welt«, gibt es eine direkte rabbinische Anknüpfung, aber das Museum will ausdrücklich nicht Ort des Religionsunterrichts sein.

Im Zentrum steht vielmehr die transkulturelle und interreligiöse Begegnung von Kindern aus Familien mit kulturell und religiös diversem Hintergrund.

Pädagogische Vorbilder sind amerikanische Kindermuseen, in denen Besucher in Erlebnisräumen in andere Welten oder Zeiträume eintauchen können und gleichzeitig Angebote zum Selbermachen bereitstehen. Stichworte lauten »Partizipation«, »Hands-On – Minds-On« und »Early-Excellence-Ansatz«.

Anfassen und rütteln

»Es geht um Bewegung, Spiel, anfassen und auch rütteln«, sagt Martin Michaelis, der Geschäftsführende Direktor des Jüdischen Museums Berlin.

Die rund 150 Tiere bestehen aus Recycling-Materialien. Das kleinste Upcycling-Geschöpf ist eine Kakerlake von sieben Zentimeter Länge aus einem alten Löffel, einem Holzstab und zwei Nadeln mit farbigen Köpfen. Das größte Tier ist ein drei Meter hohes Mammut, auf das man klettern kann. Es ist zusammengesetzt aus einem kleinen Boot und vier Rudern, einem Fischernetz, Seilen, Kotflügeln, Schüsseln, Trommeln und zwei Stossstangen eines VW-Käfers als Stosszähne.

Am 27. Juni eröffnet das Kindermuseum ANOHA des Jüdischen Museums Berlin. https://www.jmberlin.de/ANOHA

Copyright: kubix-berlin.de

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