Less noise – more conversation.
Less noise – more conversation.
Lesedauer: < 1 Minute

5 positive Dinge aus meiner Freikirchenzeit

Es gibt viel Kritik an Freikirchen. Evelyne hat aus ihrer Kindheit und Jugend auch viel Gutes mitgenommen – auch das soll mal gesagt sein.

What do you think of this post?
  • OMG! (7)
  • Karma-Boost (13)
  • Deep (3)
  • Boring (3)
  • Fake-News (2)

9 Kommentare zu „5 positive Dinge aus meiner Freikirchenzeit“

  1. Roland Portmann

    Liebe Evelyne
    Vielen Dank für deine anregenden Gedanken: meine “Freikirchenzeit” und auch meine Erfahrung mit Freikirchen in meiner Arbeit sehen leider nicht ganz so “rosig” aus… but anyway…
    Eine Frage würde mich aber interessieren: Warum bist Du da nicht mehr dabei bzw. warum jetzt dein Engagement und später vielleicht “Amt” in der Landeskirche? Woher der “Sinneswandel”?

    Liebe Grüsse und weiter so

    Roland

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Roland, danke für den Kommentar! Tut mir leid, dass du offenbar v. a. negatives mit Freikirchen erlebst. Es war bei mir damals auch nicht alles rosig, aber die anderen Dinge habe ich schon öfters erwähnt, da durfte auch das mal gesagt sein.
      Ich bin da weg, weil ich nicht mehr glauben konnte. Ich habe “alles richtig gemacht”, und doch keine Gotteserfahrungen gemacht. Nach einigen Jahren hab ich gemerkt, dass ich immer noch an Gott glaube, aber spirituell nicht mehr auf dieser Schiene unterwegs sein kann, mit diesem “Leistungsglauben”. Gott hat dann in meinem Herz was Neues wachsen lassen, irgendwie. Und das möchte ich weitergeben.

  2. Vielen Dank für diesen prägnanten und erfrischenden Beitrag! Ich selber habe eine katholisch-apostolische Kindheit und eine Chrischona Jugend und bin mit 20 aufgrund verschiedenartiger Auslegung von biblischen Texten ausgetreten. Ich habe einige erlebt, die mit ihrer kritischen Einstellung kein Umfeld mehr gefunden haben, wo die Auseinandersetzung zu Glaubensfragen so geführt werden konnte, dass es nicht einfach Antworten gab, sondern ein stetiges Unterwegssein. Da funktionierte dann rasch der «Das-steht-so-in-der-Bibel»-Reflex und damit eine ideologische Fixposition, die dann die Welt in «Gläubige» und «Ungläubig» einteilte. Für mich war es von daher vor allem eine Frage meiner intellektuellen Entwicklung in Sachen Weltanschauung, die zur Trennung führte. Was ich jedoch ganz klar bestätigen kann, ist, die grosse Gemeinschaft und damit verbunden gute Erlebnisse, das geschätzte Engagement, das möglich war und für mich zentral, die Musik, die einfach zeitgemäss und emotional daher kommt. Da ist mir die Landeskirche viel zu bildungsbürgerlich, elitär und oft auch fundamentalistisch in ihrem sogenannten Liberalismus, der dann plötzlich auch ausschliesslich wird, wenn Gott oder Jesus emotional (wie in Popsongs üblich) besungen werden. Hier hätte die Kirche mindestens seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernen können von den Freikirchen. Und die Freikirchen könnten in Sachen Diskurs und Glaubensentwicklung von der Landeskirche lernen. Man muss ja nicht gleich werden – Verschiedenheit ist nervig und anregend zugleich. So soll es sein.

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Heinz, danke fürs Erzählen! Ich wünsche dir alles Gute, und dass du trotzdem immer wieder Menschen über den Weg läufst, die dich inspirieren, mit denen du dich austauschen und ein Stück weit unterwegs sein kannst.

  3. Wenn Freikirchen nichts Positives hätten, ginge bestimmt niemand hin. Gemeinschaft, Freundschaften und auch gegenseitige Hilfe habe ich in der Freikirche erlebt. Coole Kinder- und Jugendlager sind positive Erinnerungen. Auch im Erwachsenenalter und später mit meiner eigenen Familie – es war immer etwas los. Gemeinschaft wird gross geschrieben und wird gelebt.
    Ich hasse vermutlich nichts mehr als Unehrlichkeit, wozu ich auch Manipulation zähle. Das war schon als Kind so. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich entdeckt, dass in der Freikirche, in welcher ich aufwuchs, viel von Ehrlichkeit gesprochen wurde, aber viel Heimlichkeiten, Doppelleben und manipulative Kommunikation war. In der Hoffnung, dass es woanders besser wäre, wechselte ich als Erwachsene zu einer anderen Freikirche. Ich gehörte schnell dazu, fand viele neue Freunde und erhielt schon bald Aufgaben bis hin zum Leitungsamt, auch übergemeindlich. Meine Ehrlichkeit, und damit verbundene Weigerung zur Unterordnung unter die vorgegebene Lehre samt Problemlösungs-Diktat, katapultierte mich aber aus allem raus. Ich war nicht konform und verlor innerhalb von wenigen Wochen, wenn nicht Tagen, alle meine Freunde. Das galt auch für meine Teenies.
    Diese Erfahrung hat aber weder mein Gottesbild noch meine Beziehung zu Gott erschüttert. Im Gegenteil.
    Ich habe nichts gegen Freikirchen, solange sie die Menschen frei machen – was aber für jede Kirche gilt – und betrifft Lauch die Ehrlichkeit.

    1. Evelyne Baumberger

      Liebe Ch., danke fürs Erzählen! Ehrlichkeit ist so wichtig. Auf Instagram hat mir jemand einen ganz ähnlichen Kommentar geschrieben, dass es nicht leicht ist, mit einem guten “Bullshit-Detektor” und einer Allergie auf Manipulation und Unehrlichkeit durch christliche Gemeinschaften zu gehen… Schade, dass das so einsam macht und dass Gemeinden dies nicht als Chance sehen, echter und ehrlicher zu werden.
      Umso schöner, dass deine Beziehung mit Gott dadurch nicht kaputt ging. Wie bist du denn heute unterwegs? Hast du eine Gemeinde gefunden, in der du dich selber sein kannst, oder bist du als “Nomaden-Christin” unterwegs? Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute.

      1. Liebe Evelyne
        Gerne beantworte ich Deine Frage und hole dazu etwas aus.
        Nach beschriebener Erfahrung blieb ich jeglicher Art religiöser Gruppierungen fern, reflektierte viel, kam durch Abwerfen von Ballast mir selber und Gott noch näher, bis ich mich 6 Jahre später für das berufsbegleitende Studium Sozial-Diakonie entschied. Der Slogan “Selber denken. Die Reformierten.” hallte nach und ich wurde Mitglied der ref. LK, arbeitete jedoch ein paar Jahre auf einer Beratungsstelle (ich begleitete Menschen mit religiöser, geistlicher Missbrauchserfahrung und Bevormundung), nie in einer Kirchgemeinde. In diesen 15 Jahren seither gab es unterschiedliche Jahre: solche der kirchlichen Abstinenz und solche der Mitwirkung in Projekten, Mitleiten der Morgenmeditation usw. Vor wenigen Jahren entschied ich mich am Ende des Bewerbungsverfahrens gegen eine Anstellung als SD und mehrmals auch gegen eine Mitwirkung im Kirchgemeinderat. Beides nicht aus einem Gefühl heraus, sondern aufgrund der Reflexion gemachter Erfahrungen und Beobachtungen:
        – dass es weniger darauf ankommt, was wahr ist, als wie die Wahrheit dargestellt wird
        – dass tendenziell ängstliche Bewahrer Takt und Richtung vorgeben, und Visionäre mit Herzblut das Nachsehen haben
        – weil “die Kirche” – aus meiner Sicht – zu sehr auf Imagepflege bedacht ist als um Inhalte und Visionen, was sie leider zu oft nur auf Hochglanzpapier glänzen lässt

        Ich habe grosse Leidenschaft für Gott und Menschen, für das Leben überhaupt, und auch für den Auftrag der Kirche – was für mich nicht gleichbedeutend ist mit kirchlichen Institutionen. Wenn ich den Gottesdienst besuche, dann mehr wegen der anschliessenden Gespräche bei Kaffe oder einem Glas Wein, als wegen der Orgelmusik. Eine herausfordernde, lebensbezogene Predigt liebe ich, aber auf eine nur schöngeistige oder moralisierende verzichte ich gerne. Kirche findet für mich nicht hinter Mauern statt, sondern dort, wo sich Menschen begegnen.
        Mein Fazit der letzten 24 Jahre: Mehr als die Hälfte waren Kirche ferne, aber Gott nahe Jahre. Ich lebe gut ohne institutionalisiertes Christentum, aber nicht ohne Freunde, denen ich vertrauen kann. Ehrliche Gespräche über uns selber und über Gott, ungeschönte Gebete, zusammen lachen, weinen, feiern sind die Dinge, auf welche ich nicht freiwillig verzichten würde – auch nicht auf ihre Kritik. Manchmal feiere ich ganz allein Abendmahl. Ich plane meine Tage und Wochen und gebe Gott das Vetorecht. So habe ich z.Bsp. schon erlebt, dass mich eine ältere, fremde Frau mit Kopftuch in der Migros zwischen Äpfeln und Broccoli angesprochen und von ihren Nöten erzählt hat, schlussendlich in meinen Armen weinte und mich bat, dass ich für sie bete. (noch vor Corona) Ich missioniere nicht, ich suche keine solchen Situationen, sie geschehen einfach, immer plötzlich und unerwartet. Und ich muss nicht, ich darf auch nein sagen und weiss, dass das für Gott auch okay ist.

        Seit ein paar Monaten lese und höre ich gerne bei reflab, was mich inspiriert, anregt und manchmal aufregt. Gut so. In Deinen Blog habe ich das erste Mal reingehört und und freue mich auf weitere. Ich wünsche Dir weiterhin Freude, Inspiration und den Mut zu dieser Klarheit.
        Herzlich, Christine

        1. Evelyne Baumberger

          Liebe Christine,
          vielen herzlichen Dank für dein ehrliches, ausführliches Erzählen. Ich fand es sehr spannend und berührend zu lesen, was du schilderst. Ich kann dir sehr gut nachfühlen! Die drei Beobachtungen würde ich am liebsten auf Flyer drucken und in der Kirche streuen… Schade, dass es so häufig so ist. Deine Gedanken zeugen von einer reifen, reflektierten Persönlichkeit, die mit sich, mit Gott und mit den Menschen im Frieden ist. Umso schöner, dass du beim RefLab manchmal Inspiration findest – das freut mich sehr zu lesen und gebe ich gerne an die anderen vom Team weiter. Alles Liebe und viel Segen für dich!
          Herzlich, Evelyne

  4. Ich möchte gerne noch etwas nachtragen:
    Heute bereichern Freunde mit unterschiedlich religiösem Hintergrund mein Leben, auch wieder solche aus Freikirchen. Was uns verbindet ist Ehrlichkeit.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.