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Kirche – wo bist du?

Aktuelle Beispiele zeigen, dass die Bedeutung der Kirchen immer weniger selbstverständlich ist. Aus ihrem eigenen Erleben tragen Andi und Thorsten zusammen, wie sehr ihr eigenes Bild von Kirche dem Wandel unterliegt.

Kirche gibt es in höchst unterschiedlicher Gestalt. Gemeinsam deklinieren die beiden Podcaster Ernst Troeltschs bekannte Unterscheidung der drei Haupttypen von Kirche (Kirche, Sekte, Mystik) durch:

a) Universal-, Volks- oder Staatskirche als das grosse Dach für alle, die lebendige Mitte einer Gesellschaft, wo der Glaube eng verbunden ist mit allen Entwicklungen der Wissenschaft, der Politik und der Kunst und des sozialen Zusammenhalts

b) Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, als Zusammenschluss der Entschiedenen und Überzeugten, als Gegenkultur zu allem, was als Mainstream gilt («Sekte», Freikirche etc.)

c) Kirche als das unsichtbare Reich der individuellen Spiritualität, in der die Einzelnen ihre Gottesbeziehungen leben, ohne sich durch die Dogmen und Regeln der organisierten Religion reinreden zu lassen.

Vieles spricht dafür, dass diese Haupttypen nur im Zusammenspiel darstellen, wie universal, persönlich und gemeinschaftlich der christliche Glaube angelegt ist. Zugleich sehen Andi und Thorsten auch: Troeltschs Traum, dass eine elastisch gemacht Volkskirche alle drei Aspekte miteinander verbinden könne, verblasst heute. Gerade die alle Menschen verbindende Idee der Volks- bzw. Grosskirche scheint immer weniger Menschen einzuleuchten.
Gerade für die Landeskirchen stellt sich neu die bekannte Kinderfrage: Was willst du denn mal werden, wenn du gross bist? Was wollen wir denn als Kirche werden, wenn wir klein sind? Denn klein ist nicht die Antwort.

Wenn die Kirchen nicht mehr die Mitte sind, sondern Minderheit wird, ändert sich vieles. Können wir lernen, diese Frage ohne Krisen- und Katastrophengefühle zu diskutieren? Als offene, ja spannende Herausforderung angesichts einer neuen Phase von Christentum, für die es keine historischen Vorbilder gibt.

Mehr zum Thema gibt’s im Kirche, wo bist du? Dossier von Fokus Theologie.

6 Kommentare zu „Kirche – wo bist du?“

  1. hallo ihr zwei

    Seid ihr da nicht sehr unscharf mit dem Begriff “ Kirche“? So wie ich das verstehe, meint ihr manchmal mit Kirche: alle Kirchen, manchmal kath/ ref. und ganz vielmals einfach nur die reformierte Kirche. Und so wichtig war und ist die reformierte Kirche jetzt schon nicht, dass man das gleichsetzen könnte. Oder sehe ich das voll falsch?

    Antworten
    • Naja du bist hier auf einer schweizer Seite und die beiden arbeiten für die reformierte Kirche also ist es sehr naheliegend dass sie erwähnt wird, warum auch nicht ? Ich war neulich zum ersten Mal in einer reformierten Gemeinde und im Vergleich zu den katholischen Kirchen in die ich sonst so gehe war es zwar etwas karg gestaltet aber die Menschen dort haben mich total abgeholt !!! Klug, beherzt, sehr reflektiert, engagiert und es war einfach schön dort 🙂

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    • Ja, wir haben erst mal bewusst darauf verzichtet zu definieren, was Kirche ist. Von daher ist unser Kirchenbegriff in dieser Folge diffus. Wir finden solche Idealtypischen Unterscheidungen hilfreich, wie wir sie von Ernst Troeltsch her kennen:
      Kirche als große, institutionalisierte Gemeinschaft mit Anspruch auf gesellschaftliche Breite. Sie integriert möglichst viele Menschen und geht eher Kompromisse mit Staat, Kultur und Gesellschaft ein.
      Kirche als kleinere, freiwillige Gemeinschaft von bewusst Entschiedenen. Sie verlangt häufig eine strengere Lebensführung und grenzt sich stärker von der „Welt“ bzw. der Mehrheitsgesellschaft ab. Troeltschs Begriff „Sekte“ ist heute da wohl kaum noch brauchbar. Es geht bei dieser Gestalt um kleinere Gruppen und Bewegungen, in denen sich hochreligiöse Menschen zusammenschliessen, aktiv sind und eine Mission haben. Uta Pohl-Patalong spricht hier von der Kirchenfamilie der Pfingstkirchen oder Heiligkeitskirchen. Ich denke, dass die meisten Freikirchen sich hier dazuzählen würden.
      Mystik: Hier liegt der Schwerpunkt nicht auf der Institution, sondern auf der unmittelbaren persönlichen Gotteserfahrung. Religiöse Autorität wird stärker im Inneren des Einzelnen gesucht.
      Ich denke, Thorsten und ich gehen in Richtung einer hybriden oder elastischen Kirche, die all diesen Sozialformen Raum bietet. Daher bringt Thorsten auch das Bild vom Korallenriff.
      Ich bin gespannt, was sich da alles und wie genau entwickeln wird in den nächsten Wochen. Wie können wir anders über Kirche reden? Kirche nach der Krise? Mit der Frage auf dem Herzen: Was willst Du mal werden, wenn Du klein bist?
      Danke für Deinen Diskussionsbeitrag

      Kurzform: **Kirche = Institution und gesellschaftliche Integration; Sekte = verbindliche Gemeinschaft und Abgrenzung; Mystik = individuelle innere Gotteserfahrung.**

      Wichtig: Troeltsch versteht diese als **Idealtypen** – konkrete religiöse Gruppen können Merkmale mehrerer Typen verbinden.

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    • Liebe Miriam, danke für Deine gespannte Vorfreude. Ich teile sie. Lese gerade wie wild, lerne mal wieder sehr viel und bin gespannt, wo wir landen werden. Wie können wir heute über Kirche reden jenseits von Untergang und triumphalistischem „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden“ (Mt 16,18)? Liegt nicht ein gewisser Reiz in der Frage: Was willst Du mal werden, wenn du klein bist? Und wird Kirche insgesamt elastisch, hybride, weil sie den Stärken einer Institution, der Lebendigkeit und Begeisterung von charismatischen Gruppen und Dynamiken aber auch dem, was wir Mystik nennen, eine Heimat geben kann?
      Klasse, Dich mit dabei zu haben bei der Frage nach Kirche.

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