Less noise – more conversation.

Wolfgang Kraushaar: Wie man über den Israel-Palästina-Konflikt diskutieren sollte

Das Leben und Leiden der Menschen in Israel wie in Gaza und dem Westjordanland geht uns in Europa an. Leider stehen Sachkenntnis und Meinungsfreude selten in einem angemessenen Verhältnis. Vor allem kommt es zu vielen sprachlichen Entgleisungen und diskursiven Verhetzungen.

Neue Publikation

Der renommierte Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar hat nun ein Buch veröffentlicht, das für dringend benötigte Orientierung sorgt („Israel: Hamas – Gaza – Palästina. Über einen scheinbar unlösbaren Konflikt“, Europäische Verlagsanstalt). In nur drei Wochen hat er es geschrieben, aber es ist alles andere als ein publizistischer Schnellschuss.

Was Kraushaars Buch so wertvoll macht – neben einer klaren geschichtlichen Orientierung – ist, dass er einen der aktuellen Kampfbegriffe nach dem anderen untersucht. „Genozid“ – „Apartheid“ – „Kolonialismus“ – „Terroristen“ – „Islamismus“. Mit größtmöglicher Sachlichkeit, und dabei sehr um Fairness bemüht, legt Kraushaar offen, was an diesen Schlagworten dran ist – oder eben auch nicht. Oft genug dienen nämlich die geschichtlichen Gleichsetzungen (nicht Vergleiche) nicht dem Verstehen und der Verständigung, sondern der rhetorischen Erledigung des jeweiligen Feindes.

Die Frage nach der Religion

Der Politologe stellt auch die Frage nach der Religion. Denn der Nahostkonflikt ist wie kaum ein anderer religiös aufgeladen – was zu seiner bisherigen Unlösbarkeit beiträgt. Würde weniger Religion und mehr Säkularisierung helfen?

Kraushaar legt die dringend benötigte Grundlage für eine differenzierte Diskussion. Denn diskutieren müssen wir in Deutschland, der Schweiz, in Europa, weil dieser Krieg auch ein Teil unseres Lebens ist – wie Kraushaar an seiner eigenen Biographie klarmacht.

2 Kommentare zu „Wolfgang Kraushaar: Wie man über den Israel-Palästina-Konflikt diskutieren sollte“

  1. Der Klappentext lässt Schlimmstes ahnen. Während es im Nahostkonflikt um Interessen geht, balgt sich der Autor mit Begriffen. Wer sicher gehen will beim Erkenntnisgewinn, sollte sich Bücher nehmen, die nicht in drei Wochen entstanden sind ; zB. „Apartheit und ethnische Säuberung in Palästina“. Der Goldschatz in diesem Buch ist das riesige Quellenverzeichnis, das sicher nicht innerhalb von drei Wochen entstanden ist……

  2. Johann Hinrich Claussen

    Vielen Dank für die kritische Rückmeldung und den Literaturhinweis! Allerdings ist mein Einleitungstext missverständlich. Wie aus dem Gespräch deutlich wird, hat sich mein Gast fast sein ganzes Leben mit diesem Thema befasst und deshalb eine große Expertise. Allerdings gibt es Situationen, in denen man seine Gedanken in einem Rutsch aufschreiben muss. Diesem Buch ist das sehr zugute gekommen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

RefLab regelmässig in deiner Mailbox

RefLab-Newsletter
Podcasts, Blogs und Videos, alle 2 Wochen
Blog-Updates
nur Blogartikel, alle 2 bis 3 Tage