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Wie einig oder uneinig sind sich Mystik und Charismatik?

Er war ehemaliger ICF-Pastor, sie hat noch nie auch nur einen Fuss in eine solche Gemeinschaft gesetzt; er findet Yoga und Atemübungen weird, sie bekommt Juckreiz, wenn Jesus zu oft genannt wird. Die perfekte Ausgangslage, sich aus dem Weg zu gehen. Eigentlich.

Doch plötzlich tun sich da Gemeinsamkeiten auf: der Körper spielt eine wichtige Rolle, Gott wird nicht intellektuell erfasst, sondern tatsächlich erlebt. Sind wir am Ende ein und dasselbe? Nä-ä, das dann doch nicht. Doch für einen kurzen Moment irgendwo in der Mitte, da treffen sich die beiden so unterschiedlichen Ansätze.

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6 Kommentare zu „Wie einig oder uneinig sind sich Mystik und Charismatik?“

  1. Sehr interessante ÜBerlegungen. Leider sehr kurz hier. Gäbe sicher viel Gesprächsstoff, da es einige wichtige ÜBerschneidungen gibt, aber nach meiner Beobachtung auch scharfe Trennlinien….

  2. Love it so much! V. a.,weil ich mich selber (im Spannungsfeld) zwischen Meditationskissen und ICF Church bewege.

    Eine Frage v. a. an Manu: Ist die Gespaltenheit bezüglich des Körpers nicht auch auf theologischer Ebene begründet?
    Auf der einen Seite heißt es : (1) 1.Kor,15, 50 : Etwas Vergängliches wie der Körper kann nicht unvergänglich werden. (2) Matt 22, 30: Nach der Auferstehung ist man wie Engel (alte Verbi dung wie Heirat ist nicht mehr von Relevanz).
    Auf der anderen Seite spricht man oft von der (1)leiblichen/körperlichen Auferstehung und (2) dass man nach der Auferstehung mit Christus zusammen isst.
    Ironischerweise finde ich die erste Ansicht sehr viel einleuchtender und lässt auch sehr viel mehr Raum sich auf den Körper einzulassen. Nach dem Prinzip: „Mit etwas das ich nicht bin kann ich viel besser umgehen als mit etwas, das ich bin (eigentlich ein Widerspruch), weil ich ja auf das was ich bin keinen Einfluss ausüben kann“.
    War jetzt eh schon zuviel für eine Kommentarspalte.

    V.a. an Debi: Yoga hat mich bis jetzt noch nicht so angesprochen dafür umso mehr Feldenkrais und 5-Rhytmen. Das Non-linear Movement kenne ich z.B. aus einer Podcast-Folge von dir!!!

    Eine Frage taucht in euren Gesprächen auch auf. Ist das Göttliche/Heilige jetzt persönlich oder unpersönlich? Für mich ist Gott Beziehung. Er ist Ich-Du. Er spricht sein Du (Wort) und macht uns zu seinem Ich (Geist). Nur an dieser Stelle der göttlichen Dynamik ist Gott wirklich persönlich. Sein Du wird wiederum Ich-Du und wir sprechen das Du.

    Hoffe das war jetzt nicht zu viel GEGENstand damit auch ein bisschen GEGENwart, GEGENüber und BeGEGENung bleibt.

    Liebe Grüße, Ben

    1. Danke Benjamin für die offene und spannende Rückmeldung! Interessant, wie du das mit der Leiblichkeit der Auferstehung verstehst oder deutest… Für mich war es ein grosser Trost und eine Ermutigung, als mir klar wurde, dass eine »Auferstehung«, ein »Leben nach dem Tod«, eine »Existenz in der Ewigkeit« biblisch gar nicht ohne Körper denkbar ist. Eben weil wir nicht nur einen Leib HABEN, sondern auch ein Körper SIND. Die theologische Ambivalenz des Körperlichen hat für mich vor allem mit der Zerbrochenheit dieser »alten« Schöpfung zu tun – und sie betrifft natürlich nicht nur den Körper, sondern gerade auch die Seele, das Herz, die Motive des Menschen. Ich versuche das als körperlich-seelisch-geistliche Einheit zu denken. Die Kirchengeschichte bezeugt sicher eine lange Tradition der Leibfeindlichkeit oder sogar der Verteufelung des Körpers. Ich würde sie nicht durch eine Vergöttlichung des Körpers ersetzen wollen, aber durch die Einsicht, dass wir nicht anders als körperlich existieren können – und dass das kein Handycap, sondern ein Geschenk ist…

    2. Hoi Ben, so schön spricht dich unsere Folge an! (Und nur als kleine Klammerbemerkung: no one calls me Debi…;)) Ich erlebe das Heilige sowohl persönlich als auch unpersönlich, materiell und immateriell. Das Formlose, das sich in Form giesst und wieder formlos wird. Ein ewiges Werden und Vergehen. Der Körper ist mir dabei (eigentlich ganz proper paulinisch;)) ein Tempel made of God. Somit habe ich weder einen Körper, noch bin ich ihn. Sondern der Körper wird in jedem Moment quasi neu gemacht aus Gott. Ich als Aufmerksamkeit bin derweil ungetrennt vom Heiligen und darf dieses ständige Spiel wahrnehmen, manchmal staunend, manchmal fluchend….
      Diese uralte Ambivalenz dem Körper gegenüber verdient eigentlich eine eigene Folge, also mach dich bereit Manu:)!

  3. Hey, das ist mega spannend für mich, denn ich bin eine, die beides kennt und viel davon schätzt und auch die ganzen Vorbehalte auf beiden Seiten abgekriegt hat.

    Deshalb hab ich mal für mich überlegt, was das Gemeinsame ist (oder für mich war, mich auf den Weg zu begeben). Da konnte ich einen „heiligen“ Grund erkennen und auch einen ganz „unheiligen“ (wobei ich mit der Trennerei inzwischen auch nicht mehr so viel anfangen kann).

    Weil es lustiger ist, fange ich also mal mit dem „unheiligen“ an: Beides war verboten :D.
    Je stärker die Warnungen, desto stärker das Interesse, mir das mal selber anzuschauen und den Weg zu betreten. Wobei, im Nachhinen denke ich, so unheilig war das jetzt gar nicht, vielleicht ist die Warnerei eher das negative. Denn wer hat das Recht zu behaupten, daß Gott nicht an Orten zu finden ist, die nicht der gängigen Praxis entsprechen?
    Das geht jetzt nahtlos über in die „heilige“ Motivation. Ich hab wirklich Sehnsucht nach Gott – und auch danach, ihm (oder ihr) als ICH zu begegnen: mit Emotionen (bei den Charis kein Problem), mit dem Körper, incl. der Verletzlichkeit (bei den Mystikern bzw. im Yoga kein Problem).
    Weil, wenn nicht ICH dabei bin, sondern ein frommes Über-Ich, dann gibts keine Begegnung. Einer, der von sich behauptet, er kommt als Freund (Jesus Christus) und ermutigt, Gott als Freund zu sehen, der hat kein Problem mit mir in echt – weder Körper, noch komische Emotionen, kaputte Stellen, einen unreifen Charakter. und schräge Vorstellungen.. So schön dieser Gedanke. Das ist für mich der Ausgangspunkt jeder Spiritualität oder Suche – die Vorstellung: „es könnte ja sein, dass es diese Liebe gibt, die mich mag und bei der ich sein aber auch lernen darf.“

    Ich finde eine ganz große Herausforderung ist es, wenn man auf der Suche ist, erstmal die ganzen Warner auf ihren Platz zu verweisen. („Danke für deine Meinung, aber ich schau selber“). Kann sein, dass man dann halt selber den Platzverweis riskiert, aber das ist es wert.

    Und dann Gott zu vertrauen, dass er sich finden lässt, bzw. eine größere Nähe, eine Begegnung, eine tiefere Wahrnehmung, eine Verbindung bereit steht. Immer wieder neu. Ganz egal, ob ich laut anfange, oder leise, allein oder in einer Gruppe, ich darf und werde Fehler machen, ohne verurteilt zu werden. Weil Gott kein Problem mit unserem Menschsein hat.

    Was bei den Evangeikalen leider ein Problem ist, ist die Fehlerhaftigkeit von Menschen anzuerkennen, und theologische Spannungen als positiv zu bewerten, da muss erst mal alles definiert werden, bevor man was zusammen macht, oder eine „Praxis“ gut heißt.

    Deshalb kamen die meisten mit mir nicht klar, als ich den mystischen Weg eingeschlagen habe.

    Vielleicht kann ich so als Resumee ziehen, die Charismatik ist etwas für ein „Wir“, ein gemeinsames, bestärkendes Erlebnis, bei dem eine ganze Gruppe zusammengeschweißt wird, eine gemeinsam geteilte Nähe-Erfahrung, und auch tiefe innere Heilung zu finden, ein kindliches Angenommensein zu erleben. Bestenfalls in einem geschützten Rahmen und mit einer Leitung, die dabei weise und liebevoll handelt. So habe ich es im Guten erlebt, in einzelnen Gottesdiensten, und besonders in Vineyard Konferenzen.

    Was dabei rauskam war, ein viel besseres Selbstvertrauen, und auch eine Ermächtigung sich in einem anderen Bewusstsein auch den Nöten der Welt zu stellen.

    Eigentlich hätte es die charismatische Christenheit nicht nötig gehabt, danach dann vehement alle anderen Zugänge zu verteufeln, und dadurch das Schwarz-Weiß Denken noch zu verschärfen. (vor allem, da sie ja selbst durch eine Tür durchgegangen ist, und von anderen verteufelt wurde).

    Haben sie aber gemacht – warum auch immer.

    Es hätte auch anders laufen können. Finde ich.

    Wenn man z.B. Richard Rohr liest, oder auch Richard Foster, dann findet man andere Stimmen, die eine größere Weite haben – für mich war es eine komplett logische Weiterentwicklung, mich dann auch allein ohne Gruppendynamik der leisen Seite der Spiritualität anzunähern. Der Körper kommt dabei noch stärker zum Einsatz, während er bei den Charis etwas audrücken oder reagieren darf, wird er eigentlich im Yoga mehr zum Ort der Begegnung. Er darf auch mehr „Sein“. Für viele Christen ein Schritt, den sie gern überspringen würden – und ich denke, das ist echt ein Verlust.

    Auf einmal war ich dann für viele der Feind und es war klar, ich muss mich entscheiden. Zwischen Charismatik und meinen Yogastunden, die für mich ein guter Weg zu einer ruhigen Spiritualität und Selbstliebe waren.

    Allerdings nur bei den Menschen… bei Gott muss ich mich nämlich nicht entscheiden, für eine Variante. Ich finde beide hilfreich und wert, dass sie gelebt werden, gerade weil man doch als Mensch auch sehr unterschiedliche Lebensphasen hat.

    Sehr cool, dass ihr noch eine Folge rausbringt.

    Meint ihr, es gibt eine gemeinsame Zukunft, und eine Gemeinde/ Bewegung kann beiden Elementen Heimat geben? Also nicht nur im RefLab, sondern in einer echten Gruppe, vielleicht sogar in einem gemeinsamen Gottesdienst? Ich fände das unglaublich schön.

    (Für mich persönlich wäre es dann nicht so schlimm, wenn der Zugang: Stillsitzen und der Orgel zuhören etwas reduziert werden würde. Aber auch diese Menschen haben ein Recht auf ihren Zugang).

    Ganz liebe Grüsse von Eli

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