Dein digitales Lagerfeuer
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Vom Glauben reden – peinlich oder berührend?

Vom Glauben reden – das klingt einfach. Und ist doch erstaunlich schwer. Warum entschuldigen wir uns oft schon beim ersten Satz? Warum erklären wir alles, kontextualisieren, differenzieren, und grenzen uns vorsorglich von evangelikalen Positionen ab, bis vom Eigenton kaum mehr etwas übrig bleibt?

Wir reden darüber, was es heisst, unter säkularen Bedingungen über Gott zu sprechen: Wenn Glaube nicht mehr selbstverständlich ist, wird er nicht automatisch spannender, nur weil man ihn noch besser erklärt. Vielleicht braucht es weniger Fussnoten – und mehr Mut zur eigenen Stimme. Wir fragen, wo Absicherung notwendig ist, wo sie zur Grundhaltung wird, und wie reformierte Glaubenssprache wieder schlicht, verständlich und verantwortlich klingen kann.

Und weil das Leben zuverlässig dazwischenfunkt: Manu merkt, dass er nicht mehr der Hauptverdiener der Familie ist. Stephan stolpert über eine digitale Selbstüberschätzung. Zwei kleine Reality-Checks, die erstaunlich gut zur grossen Frage passen: Wie spricht man ehrlich, ohne sich zu verstecken?

6 Gedanken zu „Vom Glauben reden – peinlich oder berührend?“

  1. Mir geht es nach meiner De- und Rekonstruktion auch so, dass ich mich reflexartig abgrenze. Dabei habe ich eine lebendige Beziehung zu Gott und Jesus Christus, die tiefer ist als je zuvor, als je in meinen 34 Jahren des traditionell charismatischen Glaubenslebens, das ich hinter mir liess.

    Unsere Metaphysik beeinflusst alles in unserem Leben und lässt sich sicher nicht auf Taufe oder Eucharistie verkürzen, denn sie ist Ausgangspunkt und Ziel unserer ganzen Weltanschauung.

    Vielleicht ist es die Tatsache, dass dieses Gespräch kaum möglich ist, meine Frustration darüber, dass sich Menschen kaum damit beschäftigen, durch welche Linse sie die Welt betrachten, sondern sich allzu oft darauf beschränken, im Glauben Trost oder Zugehörigkeit zu finden, die mich dazu treibt, das Gespräch über den Glauben immer zu einem Grundsatzgespräch auszuweiten.

    Was ändert eine Taufe, speziell eine Kindertaufe, daran, was ein Mensch über Krieg, Physik, Psychologie denkt? Im Gegenteil, ich habe leider allzu oft erlebt, dass ein Mensch, der über seinen Glauben spricht, sich zu anderen Dingen, ja nicht einmal mehr zu seinem eigenen Glauben, eigene Gedanken macht.

    Ich kann es nicht mehr hören: “Mein Pastor sagt …”, “Bulthaupt hat dazu gesagt …”, “in der Bibel/im Katechismus steht …”. Mein Schrei ist dann immer: “Und was glaubst Du?”

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    • Moin Ralph,

      steckt hinter deinen Worten auch ein genervt sein darüber, wenn etwa jemand sagt, “ich habe einen ganz neuen, einfachen Glauben zurückerhalten!” – was dann aber ziemlich gedankentràge daherkommt und schlaff, mit ein bisschen: basta, so isses einfach?!

      So ein bisschen fröhliche Resteverwaltung?

      Ich finde nicht so einfach, ohne Abgrenzung fromm zu sein. Sonst teilte man ja vielleicht einen Kern mit den Spinnern. (Und wird selbst zum halben Pfingstler, wenn man sie auf diesem Weg retten will ;-😇)

      (Übrigens, mal zum ganzen Thema spinner am Rande: Ich glaube, wenn vernagelte von ihrer Scham des Kreuzes reden, reden sie tatsächlich von ihrem Resthirn 😉 )

      Ich frage mich, wie viel von dem Spruch “wenn man es mit genügend bumms sagt, werden schon ein paar drauf hängenbleiben!” hinter dem Wunsch nach fröhlichem Bekenntnis steckt. Das ist es hier aber wohl nicht wesentlich, ich will es echt verstehen…

      Andererseits: Der Fundamentalismus mit seinen Kerntugenden Eindeutigkeit und an-die-eigene-nase-fassen kann sich schon auch selbst überwinden. Man glaubt was eifrig, merkt es klappt nicht und ist falsch – und benennt das dann so. Während mancher hermenutiker unwiderlegbare luftschlösser drumherum baut.

      (Aber Außenstehende holt das halt nicht ab. Hat man irgendwo schon mal von postevangelikalen Bekehrungen gehört? Siehe bumms…)

      Andererseits:
      Hermeneutik ist halt doch die wichtigste theologische Disziplin…

      Es ist halt doch schwierig.
      Und zweischneidig.

      Und die Faktenlage net so, dass man es einsehen müsste…

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  2. Ich habe es nicht gelernt über meinen Glauben zu sprechen.
    Das habe ich mir selber beigebracht, indem ich meinen religiösen Bretterzaun niederrissen habe.
    Heute wird ein Glaubensbekenntnis gesprochen, dass aus dem Mittelalter stammt.
    Das wäre toll, wenn man mal die Gemeinde fragen würde, ob sie wirklich so glaubt.

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  3. Als liberaler Theologe und Pfarrer rede ich sehr unverkrampft über meinen Glauben und meine Zweifel damit: Z.B. Bekehrung: ich bekenne mich immer wieder zu Jesus und falle immer wieder von meinem Glauben ab- mein Glaube ist ein Prozess; manchmal fühle ich mich Gott nahe und manchmal glaube ich nicht mal an ihn…
    Oder über Taufe, Leben nach dem Tod… what ever kann ich gut reden und sagen, was ich hier meine und glaube- that’s my Job!
    Und: sollte nicht jeder Theologe*in, die an einer regulären Uni studiert hat- was die Landeskiche voraussetzt- “liberal” sein? Dort wird doch unisolo die hist.-krit. Exegese gelehrt und die ist Grundvoraussetzung auch bei den Homiletik- Prüfungen im Vikariat…
    Ein Wunsch: Bitte mehr über liberale Theologie und deren Positionen und nicht immer über Evangelikalismus oder mit dem vernebelnden Deckbegriff über “Hochreligiöse”
    reden bitte! Nebenbei: ich bin auch “Hochreligiös”- nämlich reformierter Pfarrer mit kath. Wurzeln, einer kurzen, aber intensiven evangelikalen Phase und Affinität zu Buddhismus, Schamanismus, Naturreligionen und nordischen Göttern (Zwinker und Smiley!) Gruss Roland

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