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Lesedauer: 4 Minuten

«Star Wars» und die Philosophie

Das Weltraumepos «Star Wars» ist mit seiner (vorläufig) letzten und 9. Filmepisode zu Ende gegangen. Ich fand den Abschluss nicht rundum gelungen, einzelne Sequenzen waren mir zu kitschig, die Geschichte hatte wenig überraschende Momente. Ich bekenne mich aber als Fan der Filme und bin schon ein bisschen traurig, dass es jetzt mit dem Weltraummärchen vorbei ist. Glücklicherweise kann ich mich noch literarisch mit dem Thema befassen. Beispielsweise mit dem Buch «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», herausgegeben von der Philosophin Catherine Newmark, mit Beiträgen von Clotilde Leguil, Slavoj Žižek, Tomáš Sedláček, Wolfram Eilenberger, Yves Bossart und weitere Autorinnen und Autoren. Darin werden philosophische und theologische Betrachtungen angestellt und einige Erfolgsrezepte für die grosse Beliebtheit der Weltraum-Saga wiedergeben:

Das uralte Motiv des Helden/der Heldin [1], der/die eine abenteuerliche Reise auf sich nimmt, Hindernisse überwinden, sich zwischen «Gut und Böse» entscheiden und über sich hinauswachsen muss (für das Star Wars-Universum basierend auf dem «Monomythos» vom Heldenschicksal des US-amerikanischen College-Professors Joseph Campbell [2]).

«Die Force mit euch ist?», fragt Yoda und meint implizit eine spirituelle und geheimnisvolle Kraft, ein Energiefeld, das im Universum alles verbindet und durchdringt. Der Philosoph Baruch de Spinoza wäre wahrscheinlich mit Yoda einig gewesen, denn er war ebenfalls der Ansicht, dass wir alle aus derselben göttlichen Substanz bestehen. Star Wars postuliert somit eine “postmoderne Religion”, die ohne personalen Gott auskommt, Aspekte fernöstlicher Spiritualität (Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus) [3] und Christentum enthält (Luke Skywalker als moderner Messias), Natur und Wissenschaft ganzheitlich betrachtet und die Realität metaphysisch zu erklären versucht. [4]

Eine gemeinsame Sprache, die mit «galaktischem Basic» umschrieben wird und auf wunderliche Weise amüsante Dialoge zwischen Menschen, Maschinen (z.B. R2-D2, C-3PO) und bizarre Lebewesen (wie der haarige Wookie mit dem Namen «Chewbacca») ermöglicht. [5]

Ein Universum, innerhalb dessen sich Wunder abspielen und die deterministischen Gesetze der Physik überwunden werden können, vorausgesetzt man beherrscht die verborgenen Geheimnisse der Kraft. [6]

Ein galaktischer Klassenkampf, denn am Anfang des interstellaren Kriegs steht ein Wirtschafskonflikt: Die galaktische Republik wird erschüttert, weil Handelsrouten besteuert werden sollen. [7]

Und jetzt folgt meine persönliche Auflistung der Gründe für den «Star Wars»-Erfolg:

  • Was wäre der «Krieg der Sterne» ohne Yoda, halb Guru, halb Orakel, der kleinwüchsige Weise, ein Stoiker par excellence, der Macht mit Demut paart, die Kampftechnik perfekt beherrscht und mit seiner verdrehten Satzstellung sprachlich verwirrt? „Euch lebend zu sehen mein Herz aufs Wärmste erfreut.“ Knackige Weltraum-Zitate, die es problemlos mit Paulo Coelho und Antoine de Saint-Exupéry aufnehmen können.
  • Die Laserschwerte! Die passende Synthese zwischen Mythos und Moderne, ein Excalibur 2.0, die ultimative Waffe des digitalen Samurais. Und überhaupt: Raumschiffe fliegen locker mit Lichtgeschwindigkeit, spucken aber gleichzeitig Öl und Rauch raus und müssen deshalb wie unzuverlässige amerikanische Autos aus den 60er-Jahren repariert werden. So werden Nostalgiker und Visionäre gleichermassen zufriedengestellt.
  • Der unverwechselbare Lauftext ganz am Anfang der Episoden (wahrscheinlich inspiriert durch die Flash Gordon-Serien): «Es herrscht Bürgerkrieg. Die Rebellen, deren Raumschiffe von einem geheimen Stützpunkt aus angreifen, haben ihren ersten Sieg gegen das böse galaktische Imperium errungen…»
  • Musik und akustische Elemente, angefangen mit dem Soundtrack, das Gebrüll von Chewbacca und die furchteinflössenden Atemgeräusche von Darth Vader.
  • Die Merchandising-Artikel, die die «Star Wars»-Marke weltweit bekannter gemacht haben…

Diese Zeilen hoffentlich gefallen euch haben. Popkulturell der Beitrag war. Möge die Force immer mit euch sein.

 

[1] Linus Hauser, S. 26 in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).
[2] Linus Hauser, S. 37 in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).
[3] Alexis Lavis, S. 68 in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).
[4] Catherinie Newmark, S. 9 in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).
[5] Yves Bossart, S. 124. in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).
[6] Tristan Garcia, S. 45 ff. in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).
[7] Nils Markwardt, S. 158 ff. in «Viel zu lernen du noch hast. Star Wars und die Philosophie», C. Newmark (Hg.).

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