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Lesedauer: 2 Minuten

Spott und Hohn

Er kann nicht zu dem stehen, was ihm wichtig ist

Warum wird das Evangelium zurückgewiesen? Aus Scham. Scham ist nicht nur deshalb ein Thema, weil man sich als „Frommer“ heute lächerlich macht. Der Zusammenhang mit Glauben ist viel tiefer. Wer sich schämt, möchte sich am liebsten im Erdboden verkriechen, er kann nicht auftreten. Er kann nicht zu dem stehen, was ihm wichtig ist. Er verrät sogar sein Heiligstes, weil er sich selbst verloren hat. Bevor er nach aussen auftreten kann, muss er lernen, was ihm wichtig ist. Er muss es achten und wertschätzen lernen. Er muss erst einen Altar in seinem Inneren aufbauen, bevor er seinen Glauben aussen vertreten kann.

Spott und Hohn scheinen nichts mit Glauben zu tun zu haben, ja sie scheinen das Gegenteil zu sein. Sie tauchen an den zentralen Stellen der Bibel auf, wo es um Glauben und seine Gegner geht.

Spott und Hohn sind Erscheinungsweisen des Glaubens in anderer Form. Es sind Verfallsformen, die auf ein Leiden hinweisen.

So hindern sie den Glauben nicht einfach. Sie rufen nach ihm und brauchen ihn. Die Glaubenstradition hat es als Leiden begriffen, das nach Heilung ruft. Es sind Leidensstationen des Glaubens selbst.

Glaube als Weg

So gehören Spott und Hohn auch zur biblischen Überlieferung. Sie begleiten das Auftreten der Propheten im ersten Testament, sie sind eine eigene Leidensstation in der Passion Christi.

Ohne Antwort auf Spott und Hohn gibt es kein Reden von Gott, nicht einmal ein stummes Eingedenken, weil der Spott bis ins Innerste greift und die Selbstachtung zerstört.

Das Evangelium muss wesentlich davon erzählen, wie Spott und Hohn geheilt werden. Gott heiligt den Spott, er würdigt den Hohn, indem er es trägt. So gibt es auch für uns einen Weg hindurch. Der Glaube kann auch durch Scham und Beschämung hindurchführen! So ist der Weg zum Glauben ein Weg aus Scham und Schande. Und umgekehrt: Der Weg aus Scham und Schande ist ein Heilungsweg für Glauben und Vertrauen. Und es ist ein Heilungsweg, wenn ein Mensch lernt, das Credo nachzusprechen.

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3 Kommentare zu „Spott und Hohn“

  1. Für mich ein sehr, sehr berührendes Wort.
    Es trifft mich. Ich fühle mich erkannt.

    Und will andere erkennen.

  2. Für mich eine Antwort, die mir Klarheit aufzeigt, da wo ich mit meinen Fragen nachdem “Wieso suche ich nach den richtigen Worten, wenn ich über meinen Glauben spreche/n will?” nicht weiterkam.

  3. Meiner Erfahrung entspricht es nicht, dass wer über seinen Glauben reden will, ständig nur Spott und Hohn erntet. Wenn geistliche «Würdenträger» allerdings meinen, mit ihren Ritualen z.B. Corona-Resilienz hervorrufen zu können; oder Politiker mit der Bibel in der Hand und im Namen des «Evangeliums» Menschenrechtsverletzungen androhen, liegt es wohl weniger am Thema Glauben denn an der Art und Weise, wie sich Menschen unter dem Vorwand von Frömmigkeit als besonders legitimiert oder geistbegabt präsentieren, wenn auf solche Aktionen Reaktionen von Spott und Verhöhnung folgen.
    Wird eine kritische Bemerkung über «Evangelikale», «evangelikale Strömungen» oder sonst sich für besonders fromm haltende Gruppierungen geäussert, heisst es sofort – mitunter natürlich ganz zu recht – das sei undifferenzierend.
    Oftmals wird unter «evangelikal» etwas verkürzend die Tendenz verstanden, sich (allzu) unkritisch auf biblische Texte oder (vermeintliche) Eingebungen zu verlassen, und mithin mangelnde Eigenverantwortung für das eigene Tun und Für-wahr-Halten an den Tag zu legen.
    Wenn jemand hingegen – wie das gerade im RefLab sonst ab und zu erlebbar wird – mutig und selbstkritisch über den eigenen Glauben spricht, erntet das m.E. durchaus Lob, viel Verständnis und Anerkennung – und durchaus auch manchmal wohltuenden Widerspruch in Bezug auf konkrete Thesen oder Aussagen.
    Besonders wohltuend m.E. auch deshalb, weil manchmal auch so getan wird als wäre Kritik a priori fehl am Platz, wenn es um religiöse Angelegenheiten geht. Natürlich sollte hier – wie überall – darauf geachtet werden, dass Menschen nicht zu sehr verletzt werden. Wenn aber offene, kritische Auseinandersetzungen fehlen, führt dies oftmals geradeaus zum Gegenteil von dem, was Evangelium eigentlich meint.
    Mit Christian Smith (THE BIBLE MADE IMPOSSIBLE, s. 94):
    Unfortunately, we tend to domesticate the amazing message with which scripture challenges us, and we work hard to protect ourselves from the good news doing its life-altering work on us. Indeed, I suspect that all too often evangelical biblicism in particular –- under the well-meaning guise of defending a «high view» of scripture — does just that. […]

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