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Lesedauer: 2 Minuten

My Body, My Choice

Schwangerschaftsabbruch ist ein heftig diskutiertes Thema. In der Schweiz werden gerade Unterschriften für zwei Initiativen gesammelt, die den Zugang dazu erschweren sollen. Und auch in Deutschland und anderen Ländern gibt es aktuell politische Debatten darum.

Ich verstehe das Anliegen der Gegner:innen durchaus – Schwangerschaftsabbrüche sind nichts Schönes, sondern Eingriffe, die körperlich wie psychisch belastend sein können. Es wäre schön, wenn es das nicht gäbe. Dennoch sind Verbote und Einschränkungen nicht die Lösung.

Es gäbe andere Ansätze: In Frankreich zum Beispiel können Frauen unter 25 neuerdings kostenlos die „Pille“ erhalten. Internationale Studien zeigen, dass dadurch die Anzahl Schwangerschaftsabbrüche markant sinkt. Zudem stellt die Mutterschaft v. a. Frauen* vor grosse Risiken: Die Bedeutung der Care-Arbeit für die Wirtschaft wird weder geschätzt noch finanziell honoriert. Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen erhalten oft zu wenig Unterstützung. Und externe Kinderbetreuung ist so teuer, dass viele Frauen ihren Beruf aufgeben oder zurückstecken, was für ihr Lohnniveau und ihre Vorsorge unaufholbare Konsequenzen hat.

Solange die Gesellschaft Eltern und v. a. Mütter nicht besser unterstützt, ist die Diskussion um die Senkung der Schwangerschaftsabbrüche reine Symptombekämpfung. In Wirklichkeit geht um eine Ideologie, die Frauen bevormundet und stigmatisiert.

Es gibt verschiedene Gründe, keine Kinder (oder keine zusätzlichen Kinder) zu wollen. Und verschiedene Gründe, weshalb man zwar diese Entscheidung treffen kann, aber trotzdem ungewollt schwanger wird. Wie es dann weiter geht, sollte jede Frau für sich entscheiden dürfen. Frauen, die von einem Abbruch erzählen, zeigen, dass sich dies niemand leicht macht.

Ethische Argumente rund um den Schwangerschaftsabbruch thematisiere ich hier bewusst nicht. Es gibt gute Positionen auf beiden Seiten. Doch auch wenn man es für moralisch falsch hält, ist es 1. undemokratisch, anderen, die das anders sehen, etwas vorzuschreiben. Und 2. ist es in diesem Fall noch wichtiger, dass man sich in viel grösserem Mass für diejenigen Menschen einsetzt, die bereits Teil der Gesellschaft sind.

Was denkt ihr darüber?

*Mit „Frauen“ sind in diesem Video und Text Menschen mit Uterus gemeint.

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10 Kommentare zu „My Body, My Choice“

  1. Reinhard Tresch

    Sehr geehrte Frau Evelyne Baumberger

    Zu Ihren aktuellen Beitrag «My Body, my Choice», dazu will ich Ihnen gerne, wie von Ihnen gewünscht, meinen Kommentar zukommen lassen. Aber vorab würde mich natürlich sehr interessieren, welchen Standpunkt Sie nun eigentlich als Theologin, in dieser eitlen Angelegenheit, mehr vertreten, nämlich den von Gott als Gebot gege-benen oder jener von dieser gefallenen Welt, bloss einen geforderten egoistischen Wunsch? Auch wäre es sehr interessant von Ihnen zu erfahren, ob Sie nun ihren Standpunkt, mit dem Sie sich nun geoutet haben, so auch vor unserem Herrn Jesus Christus vertreten würden! Sie wissen ja, Frau Baumberger, Jesus Christus denkt darüber gemäss der Heiligen Schrift ganz anders; und er, der Schöpfer, bewertet die Sache entgegen Ihnen auch total diametral. Mich wundert also ganz ehrlich sowohl Ihr Statement in dieser eitlen Sache als auch Ihre Geisteshaltung dazu, insbesonde-re zugunsten dieser gefallenen Welt. Ob es nun also darum geht, ob wir, damit mei-ne ich die Verfechter der Heiligen Schrift, und z.B. gerade in dieser eitlen Angele-genheit, über den Tellerrand hinausblicken sollten oder nicht eher Gott selber, sofern er das, davon bin ich überzeugt, bereits längst getan hat, das überlasse ich gerne dem Schöpfer selber.
    Nun, mir scheint einfach, Sie haben Ihre Aufgabe, sofern es auch wirklich die Ihrige sein sollte, gemäss Gott und Heiliger Schrift, nicht wirklich begriffen. Das ist aber nicht etwa meine willkürliche Meinung über Sie, weil Sie mir etwa als Frau a priori nicht sympathisch erscheinen würden, im Gegenteil. Was nun die „Theologie“ betrifft, so bin ich auch kein blutiger Anfänger mehr, der einfach nur etwas meint aber über-haupt nicht versteht. Sondern diese Geistes-„Wissenschaft“ ist seit gut acht Jahren zu meiner Passion geworden. Darum kritisiere ich auch alle Beiträge, welche mir zu Ohren und/oder zu Augen kommen, ohne Ausnahme, durch den Filter der Heiligen Schrift. Und ich denke, genau so, sollten Sie, Frau Baumberger, es mir auch unbe-dingt gleich tun. Denn es kommt ja nicht darauf an, was wir gefallenen Menschen, über all die Dinge meinen, obwohl wir sie kaum verstehen, Gott sie aber längst schon beurteilt hat. Sondern wir sollten das, was Gott als richtig erachtet hat, einfach lernen zu akzeptieren und uns in Gehorsamkeit gegenüber Gott üben. Also nicht diesem Weltenlauf anpassen!! Nachfolger Gottes haben sich nicht an der gefallenen Welt und ihren Wünschen zu orientieren, sondern ausschliesslich an Gottes Geboten.

    Kommen wir abschliessend zum angesprochenen politischen Thema Abtreibung. Natürlich ist es immer die Entscheidung der Frau, was sie gedenkt zu tun, wenn sie schwanger ist. Aber es ist nicht ihr Recht, aus irgendeinem Grund ein Kind zu ermor-den bzw. es von einem Arzt ermorden zu lassen. Es ist auch nicht gerechtfertigt, eine Abtreibung als einen medizinischen Eingriff zu definieren. Ebenso wenig darf sie als einen solchen erachtet oder sie gar gesetzlich als eine solche verankert werden.
    Eine solche primitive Niedertracht und perverse Haltung gegenüber einem schutzlo-sen Opfer einzunehmen, das ist einfach nur Bigotterie und nichts als eine infame Gotteslästerung. Frau Baumberger, unterstützen Sie bitte keine solche verächtlichen Morde mehr, indem Sie nun schwangere Frauen auch noch im Namen Gottes für solche Niederträchtigkeiten ermutigen. Betroffenen Frauen nun dadurch ihr Gewis-sen zu entlasten bzw. es viel mehr zu unterdrücken versuchen, das ist Sünde im höchsten Grade. Gerade als Seelsorgerin muss man doch das eine vom anderen gut unterscheiden sowie auch vom Allgemeinen zum Wesentlichen abstrahieren können. Ich habe gelesen, dass bisher im Kampf gegen „Covid-19“ weltweit ca. 4,27 Millionen Menschen an oder mit dem Virus verstorben sind, was viele in Besorgnis versetzte. Ganz anders aber, und sehr viel lockerer, gehen die Menschen mit der Abtreibung um. Allein im Jahr 2020 soll diese geduldete „Epidemie“ weltweit knapp 43 Millionen Opfer gefordert haben. Das entspricht einer Todesrate von einem Menschenleben pro Sekunde. In einem Jahr sterben somit also mehr Menschen an diesen hässlichen Gräueltaten als im ganzen Ersten Weltkrieg, in zwei Jahren mehr als im Zweiten Weltkrieg. Allein in den USA sollen seit 1973 gemäss der dortigen Gerichtsentschei-dungen über 64 Millionen unschuldige, noch nicht geborene Kinder in einen grausa-men, erbarmungslosen Tod getrieben worden sein. Das ist mehr als die ganze Be-völkerung vieler Staaten!! Frau Baumberger, wer nun eine solche destruktive Propa-ganda der Politik gutheisst, der muss…, nein ich sage es Ihnen lieber nicht! Aber im Namen aller getöteten Kinder empfehle ich Ihnen: Schweigen Sie lieber, als dass Sie sich in dieser Sache weiterhin als ein Narr und als ein Handlanger des Satans ent-puppen! Lernen Sie die Menschen besser, die Verantwortung zu übernehmen und zu tragen, gehorsam zu sein und Verzicht zu üben. Denn Freiheit hört gewiss da auf, wo sie jene der anderen tangiert. Die Frau ist gemäss Bibel nicht die Besitzerin ihres Körpers, auch der Mann nicht. Und: Eine Schwangere trifft nicht nur eine Entschei-dung darüber, was ihren Körper betrifft, sondern auch, was das Leben eines anderen Menschen betrifft, was nicht in ihrer Befugnis steht. Hören wir auf damit, dass wir unser Ego hochloben auf lauter Begierde machen. Sie Frau Baumberger, Sie mögen sich verpflichtet fühlen, über die Liebe Gottes zu berichten. Und diese Liebe meint ausschliesslich die Agape, nicht die Philia und schon gar nicht den Eros, den wir als einen Ersatz-Gott preisen und anbeten.

    Ich hoffe nun, dass ich Ihnen hiermit, mit meinem Beitrag, auch einen konstruktiven Denkanstoss geben konnte.

    Ich grüsse Sie freundlich; und ich verbleibe auch mit den göttlichen Grüssen von unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

    Ihr Reinhard Tresch

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Herr Tresch, danke für Ihren Kommentar. Wir vertreten hier ganz offensichtlich unterschiedliche Standpunkte (und zwar nicht nur zum Thema Schwangerschaftsabbruch). Ich kann Ihre Argumentation in Teilen nachvollziehen, komme aber aufgrund der Informationen, anhand derer ich mich mit dem Thema befasst habe, zu einem anderen oder zumindest offeneren Schluss. Danke, dass Sie mich in Zukunft nicht mehr als Närrin oder als Handlangerin des Satans bezeichnen – das ist anmassend und verletzend.

  2. Mega komplexes Thema…
    Deine Analyse im Hinblick auf die oberflächliche Symptombekämpfung teile ich. Aus meiner Sicht sind es tatsächlich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die überwiegend dazu führen, dass Frauen abtreiben. Und da gäbe es so, so viel zu tun. Du hast ja schon einiges aufgezählt. Weshalb wird die Kindererziehungszeit, die Eltern selbst leisten, nicht vergütet? Als würde man da keinen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten…
    Ich kann mir vorstellen, dass ein etwas schräges Verständnis sowohl von gesellschaftsrelevanter Leistung als auch von Gleichwertigkeit der Geschlechter dazu geführt hat, dass die Zeit zu Hause mit Kleinkindern oder die Schwangerschaftszeit einer Frau zum finanziellen Nachteil werden. Nämlich die Auffassung, eine Frau wäre nur dann gleichwertig und würde sich nur dann selbst verwirklichen, wenn sie nicht Hausfrau und Mutter ist. Eine Frau sollte sich wirklich frei dazu entscheiden können, was sie möchte und das ist momentan mit der miserablen Kinderbetreuungsmöglichkeiten und der nicht vorhandenen Wertschätzung und finanziellen Vergütung von Hausfrauen- und Mutterarbeit nicht gegeben.

    Ich kenne leider fast nur Fälle von Schwangerschaftsabbrüchen, die nicht aus einer der von dir geschilderten Notsituationen heraus durchgeführt wurden, sondern als Ersatz für Verhütung, weil die Frau wirklich unvernünftig ihr Sexualleben gestaltet hat oder weil man trotz sehr guter finanzieller Rahmenbedingungen meinte, ein zweites Kind würde einfach zu viel Arbeit machen und wäre zu teuer.
    Ich glaube, vielen ist nicht bewusst, dass der Bauch nicht nur der Frau gehört, wenn ein anderer Mensch darin lebt. Der selbst nicht entschieden hat, darin zu existieren.
    Da wir nun in einer Gesellschaft leben, in der das Thunberg’sche „How dare you?“ von den meisten als völlig berechtigte Kritik angesehen wird und Menschen als unsolidarisch bezeichnet werden, weil sie sich mit dem Argument „mein Oberarm gehört mir“ nicht impfen lassen, sollten wir uns dringend auch wieder mehr dem ethischen Problem des „Mein Bauch gehört mir“ zuwenden.

  3. Danke für dieses, trotz der großen Polarisationsfähigkeit dieses Themas, sehr gut und sachlich argumentierte Video.
    Es eröffnet einen mir neuen Blickwinkel auf das Thema und trifft mit der ruhigen und (trotz klar ausgedrückten Meinung) objektiven Art genau den richtigen Ton, ohne andere Meinungen zu verurteilen.
    Auch die restlichen Videos enthalten interessante und vor allem neue Gedanken und sind sehr fundiert.
    Respekt dafür, wie Sie es schaffen, sich so rücksichtsvoll und doch sicher in Ihrem Standpunkt auszudrücken.

  4. Menschen mit Uterus, im Ernst?!? Möchte irgend jemand so bezeichnet werden?! Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild. Als Mann und Frau schuf er sie, von Umwandlungen und Anpassungen hat er nichts gesagt. Sehr wohl etwas gesagt hat er zum Thema Töten. Aber darüber möchten Sie ja nicht sprechen.

    1. Evelyne Baumberger

      Ersteres ist nicht Thema des Videos, sondern eine Randbemerkung zugunsten derjenigen Menschen, die dies betrifft. Ja, die gibt es, und weil wir im RefLab Menschen in ihrer Selbstwahrnehmung ernst nehmen möchten, treffen Sie bei uns Bemerkungen wie diese an.

      Der Aspekt des Tötens ist dann gegeben, wenn man eine befruchtete Eizelle vom ersten Moment an als Person sieht. Darin liegt tatsächlich der Schlüssel des Themas – und darüber gehen die Meinungen, sowohl ethisch, theologisch als auch medizinisch, auseinander.

      1. Der Tod und somit das Töten bezieht sich meines Erachtens nicht auf den Begriff „Person“, sondern auf den Begriff „Leben“. Im Moment der Befruchtung geschieht etwas Einzigartiges: Zwei DNS-Anteile werden zu einem neuen, individuellen DNS-Pool verschmolzen. Biologisch gesehen ist die DNS der Bauplan unseres Körpers (und die Epigenetik hat wesentlichen Einfluss auf unsere Charakterbildung). In diesem Sinne scheint es mir mit Abstand am Sinnvollsten, den individuellen Lebensbeginn eines Menschen bei der Befruchtung zu sehen. Welche Argumente sprechen denn dagegen? Und was spricht für die arbiträren 12 Wochen? Ich verstehe gut, dass es für viele Frauen ernsthafte Konsequenzen haben kann, wenn Abtreibung verboten ist. Aber wenn wir davon ausgehen, dass das menschliche Leben bei der Befruchtung beginnt, liegt auf der anderen Seite der Waagschale ein Leben. Rechtfertigen gesellschaftliche Missstände die Auslöschung eines Lebens? Und selbst wenn man sich nicht sicher sein sollte, wann das Leben beginnt: Lohnt es sich, das Risiko einzugehen, ein „möglicherweise existierendes Leben“ auszulöschen? Weshalb nicht beides angehen: Gesellschaftliche Missstände beheben und menschliches Leben schützen!? Würde mich freuen eine Antwort auf meine Fragen von Dir, Evelyne, zu bekommen. Danke für Deinen Beitrag!

        1. Evelyne Baumberger

          Hey David, danke für deinen Kommentar! Ich gehe kurz auf die Argumente ein (habe morgen eine Ethik-Prüfung zu genau dem Thema und deswegen kann ich das grad so aus dem Ärmel schütteln):
          – Philosophisch gibt es zum Argument mit der individuellen DNA und dem Lebensbeginn bei Befruchtung den Einwand, dass sich die befruchtete Eizelle in der ersten Woche nochmals teilen könnte und Zwillinge/Mehrlinge entstehen können, damit ist es nicht EIN Individuum (was das Leben natürlich nicht weniger wertvoll machen würde, aber das Argument mit der Einzigartigkeit unterläuft).
          – Die 12 Wochen sind tatsächlich mehr oder weniger arbiträr, doch viele Abbrüche finden ohnehin früher statt, deswegen macht es m. E. wenig Sinn, über diese Zahl zu diskutieren. 3/4 der Abbrüche werden bis zur 8. Woche vorgenommen, mehr als 95% vor der 12. Wer nicht mehr schwanger sein möchte, will das baldmöglichst – das spricht m. E. auch dafür, dass diese Personen sich der Tragweite ihrer Entscheidung für das werdende Leben durchaus bewusst sind.
          – Auch die Position mit dem moralischen Risiko kann ich sehr gut verstehen, und auch diese Position legt nahe, dass Schwangerschaftsabbrüche möglichst zu verhindern seien. Das ist auch meine Sichtweise – ich bin nicht der Ansicht, dass es dabei um blosse Gesundheitsversorgung geht, sondern dass damit tatsächlich eine Entscheidung getroffen wird, die weitreichende ethische Implikationen hat.
          Unsere Ansichten liegen also relativ nahe, denke ich. Und trotzdem bin ich vehement dafür, dass diese Entscheidung in einem gesetzlich geregelten Rahmen legitim und medizinisch und psychologisch so sicher und zugänglich wie möglich sein sollte.

          Schreibe dazu noch an einem Artikel, der morgen hier erscheinen soll. Liebi Grüess!

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