Prägend ist für Kierkegaard eine Kindheit im Schatten von Strenge, Verlust und Tod, die Erfahrung tiefer innerer Zerrissenheit und ein Leben, das immer wieder an den Ordnungen seiner Zeit anstösst. Gerade daraus wächst bei Kierkegaard die Überzeugung, dass Wahrheit nicht in abstrakten Systemen liegt, sondern nur dort Gewicht bekommt, wo sie durch die eigene Existenz hindurchgegangen ist.
Die Folge zeigt, warum Kierkegaard den grossen Denkgebäuden seiner Zeit mit Misstrauen begegnet. Gegen Hegel, Schelling und auch Kant hält er fest, dass sich das Leben nicht widerspruchsfrei ordnen lässt. Menschen erfahren ihre Wirklichkeit nicht als logisches Ganzes, sondern als Zumutung, als Kontingenz, als Schuldzusammenhang, als Angst und als Suche nach Halt. Philosophie darf diese Erfahrung nicht glätten. Sie muss sich ihr aussetzen.
Dabei sprechen Manuel und Peter auch über Kierkegaards frühe Verlusterfahrungen, seine Distanz zur bürgerlichen Welt Kopenhagens, seine Enttäuschung über die grossen Denker seiner Zeit und über die aufgelöste Verlobung mit Regine Olsen, die für sein Werk eine Schlüsselfunktion bekommt. So entsteht das Bild eines Autors, der nicht bloss über Existenz nachdenkt, sondern sie literarisch und philosophisch durchleidet.
Eine Folge über einen Denker, der bis heute provoziert, weil er jede bequeme Trennung von Leben und Denken sprengt — und weil er darauf besteht, dass Erkenntnis nur dort beginnt, wo sie den Einzelnen wirklich angeht.








1 Kommentar zu „Kierkegaard (Teil 1): Philosophie mit offenen Wunden“
Endlich wieder ein philisophiegschichtlicher Podcast! Mit den Rezensionen treibt ihr nicht gleichermassen Philosophie wie bei dem Wegen und Weichen unseres Denkens.Nur so wird dessen und eure Existenz zu einer philosophischen. Bitte in der Philosophiegeschichte die Philosophinnen nicht vergessen: Mary Wollstonecraft, Harriet Taylor Mill, Ada Lovelace, George Eliot usw.
Wenn gem. Kierkegaard die Existenz die Philosophie beeinflusst dürft ihr nicht bei rein männlichen Protagonisten und deren Perspektiven stehen bleiben.