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Lesedauer: 5 Minuten

7 Hacks fürs Home Office

Seit ich vor über vier Jahren meinen Vollzeitjob an den Nagel gehängt habe, um Theologie zu studieren, bin ich Home-Office-Profi. Die Freiheit, Studium und Arbeit selbstbestimmt zu managen, würde ich ungern wieder hergeben. Doch sie hat auch Schattenseiten: Keine motivierende Arbeitsatmosphäre, wenig Termine, welche den Alltag strukturieren, und dennoch ein hoher Leistungsdruck.

Jetzt wird zu Hause arbeiten wegen Corona für alle, die können, wieder Pflicht. Wie überlebt man Home Office einigermassen gut? Im Folgenden ein paar Learnings über Zeit, Druck und Freiheit. Und noch eine Vorbemerkung: Es ist eine emotional anstrengende, zähe Zeit. Meine RefLab-Kollegin Leela Sutter würde sagen: “Lieb sein zu dir ist wichtig, und imfall jetzt erst recht.” Deswegen sind die folgenden Hacks mehr als Überlebenshilfe denn als streberhafte Selbstdisziplinierung gemeint.

1. Schenk dir ein Morgenritual

Das Schwierigste am Home Office ist das Aufstehen am Morgen. Wenn man keinen Bus oder Zug erwischen muss, drückt man gerne den „Schlummern”-Knopf. Mir hilft es, eine feste Zeit zu haben, als Grenze, spätestens jetzt aufzustehen. Und ein Morgenritual, auf das ich mich freue. Wie das auch immer aussehen mag: Kaffee, eine Meditation, während eine Kerze brennt, ein Yoga-Flow. Es wäre gelogen, zu behaupten, das klappe jeden Tag. Bei weitem nicht. Aber ein schönes Morgenritual ist allemal ein besserer Einstieg, als direkt vom Bett an die Arbeit zu gehen.

Wichtig: Unbedingt vom Pijama in andere Kleidung wechseln (können auch Jogginghosen sein). Dann fühlt sich das Home Office schon viel weniger gammelig an. Besonders, wenn man in einer WG lebt und das Schlafzimmer zugleich das Büro ist.

2. Bring Rhythmus in den Tag

Eine gute Planung bringt Struktur in den Tag. Dazu eignet sich die Agenda, ein Wochenplan auf Papier, oder ein digitales Tool wie Trello. Eine gute Planung richtet sich aber vor allem auch nach meinem Rhythmus und geht nicht einfach die To-Dos durch. Ich weiss zum Beispiel, dass ich in der ersten Stunde nach dem Mittag nicht kreativ bin und mich mässig gut konzentrieren kann. So plane ich für diese Zeit Tasks wie die Beantwortung von simplen E-Mails, das Öffnen der Post, Ausfüllen eines Online-Formulars etc. ein. Grössere Blöcke konzentrierten Arbeitens, etwa die Recherche für ein Referat oder das Lesen eines komplexeren Textes, sind bei mir jeweils in der zweiten Hälfte von Vor- und Nachmittag dran.

Es gibt Frauen, die auch gute Erfahrungen damit machen, die Arbeit soweit möglich ihrem Monatsrhythmus anzupassen: In manchen Zyklusphasen ist man kreativer, in manchen ist man extravertierter und geht voller Kraft neue Projekte an, in anderen gelingen einem strategische und komplexere Tätigkeiten besser.

Rhythmus in den Tag bringen ist übrigens auch auf einer anderen Ebene schön: Was man nämlich in normalen Zeiten nicht kann, ist, in der Kaffeepause durchs Büro zu tanzen.

3. Bäumchen pflanzen

Das Smartphone muss während der Arbeit weg. Ebenso Ablenkungen wie sinnloses Surfen und Social Media. Die App „Forest” (für Smartphone und Browser) ist für mich eine enorme Erleichterung: In der App pflanzt man einen hübschen digitalen Baum und legt eine Zeitdauer fest, in der er wachsen soll. Dann darf man keine anderen Apps mehr benutzen, sonst verdorrt das Pflänzchen. In der Browser-Version lassen sich Seiten festlegen, die während des Baumwachstums gesperrt sein sollen. Nach der abgelaufenen Zeit wächst im digitalen Gärtchen ein bunter, neuer Baum – und man kann eine Kaffee-Pause machen oder WhatsApp checken.

Andere arbeiten nach dem Pomodoro-Prinzip: 25 Minuten Arbeit, 5 Minuten Pause, das ganze viermal. Dann eine längere Pause, Fenster öffnen, sich bewegen. Es hilft auch hier, zu wissen, in welchem Rhythmus man gut arbeitet: Manche Aufgaben brauchen nun mal 90 Minuten volle Konzentration, bei anderen funktioniert die 25-Minuten-Tranche.

4. „Eat the frog“ und Erfolge feiern

Steht etwas an, was ich am liebsten noch wochenlang rausschieben würde? Tasks, die zu tun sind, aber nerven, erledige ich lieber früher als später. Dann sind sie weg. “Eat the Frog”, heisst das Prinzip. Klingt schlimm, fühlt sich nachher aber richtig gut an.

In der App Trello lässt sich die „Erledigt“-Liste so einstellen, dass jedesmal Konfetti über den Bildschirm fliegen, wenn ein Task dorthin verschoben wird. Bei mir löst das auch nach Monaten, in denen ich das so eingestellt habe, noch ein Belohnungsgefühl aus.

5. Mindestens einmal pro Tag raus

Ein Vorteil von Home Office ist, dass man Jogging- oder Yoga-Breaks in den Tag einbauen kann (zum Beispiel mit unseren Holy Embodied-Videos!). Aber auch einfach mal um den Block spazieren, zum Beispiel nach dem Mittagessen mit einem Kaffee in der Hand, tut unheimlich gut: Frische Luft atmen, Vögel hören, den “Gratis-zum-Mitnehmen”-Stapel vor dem Nachbarshaus durchstöbern, kurz einkaufen gehen.

6. Freunde treffen, digital

Manchmal kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen. Mir ging es an Silvester so: Nachdem ich vor Weihnachten meine Kontakte total runtergefahren hatte, damit ich meine Eltern guten Gewissens sehen konnte, waren nach Weihnachten dummerweise meine engsten Freunde in Isolation. Im Laufe des Silvesterabends haben wir per Zoom angestossen. Ich war überrascht, wie gut mir das tat, und möchte gerne häufiger ein Zoom-Feierabendbier oder auch eine Zoom-Kafipause machen.

7. Erlaub dir Kurzferien und Cheat days

Nicht jeden Tag schafft man alle geplanten Aufgaben. Doch alle paar Wochen gibt es einen Tag, an dem nicht nur das der Fall ist, sondern man sogar schon früher fertig ist. Ich schenke mir dann „Kurzferien“: Ich gehe raus und geniesse das Wetter oder mache sonst etwas, was ich mir sonst im Alltag nicht gönne.

Und es gibt auch Tage, in denen man trotz aller Selbstdisziplin nicht in die Gänge kommt. Stunden vor dem Computer sitzt, ohne etwas zustande zu bringen. Wenn es irgendwie möglich ist, verbuche ich das als „Cheat day“ („cheat“: mogeln), gebe auf und verwende die Zeit für etwas, was mir wirklich gut tut. Denn Arbeit ist nicht alles. Diese Zeit einigermassen gesund im Kopf zu überleben, ist wichtiger.

Foto: Unsplash

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