Wir sprechen darüber, wie sich unser Verhältnis zu Bindung verändert hat. Wir schätzen Freiheit, Wahlmöglichkeiten und die Möglichkeit, uns immer wieder neu zu entscheiden – und erleben gleichzeitig eine Gesellschaft, in der Einsamkeit und Vereinzelung reale Erfahrungen sind. Das eine gegen das andere auszuspielen, wäre allerdings zu einfach.
Also fragen wir weiter: Muss eine Gemeinschaft eigentlich zu mir passen? Oder lebt sie gerade davon, dass sie einer Vision folgt, die grösser ist als meine eigenen Bedürfnisse? Wir suchen den Sweetspot zwischen beidem und vergleichen dabei Erfahrungen aus freikirchlichen und reformierten Kontexten: Beide sind milieusensibel und zugleich visionsgetrieben – aber auf überraschend unterschiedliche Weise.
Und noch etwas ist diesmal anders: Halleluja und Stossgebet machen Pause. Stattdessen reagieren wir auf zwei Rückmeldungen von euch zur letzten Folge. Ob das so bleiben soll? Sagt uns, was ihr lieber hört: mehr Community-Reaktionen – oder Halleluja und Stossgebet zurück!






4 Kommentare zu „Du brauchst keine Kirche“
Hallo, Ihr beiden,
das war eine herausragende Folge Eures Gesprächs, das ich seit ca. einem Jahr verfolge und auf das ich mich jede Woche freue! Ich teile euer beider Erfahrungen – aufgewachsen und sehr eng geführt in der methodistischen Kirche (genauso wie Manu selber Kindergottesdienst gehalten usw.), habe ich während meines Studiums andernorts nichts vermißt und bin dann erst mit 30 Jahren in die Ev. Landeskirche Hessen-Nassau in Frankfurt wieder eingetreten. Seit 92 lebe ich jetzt in Sachsen und war immer sehr erstaunt über die Liturgie sächsischer Hauptgottesdienste …. Die Sächsische Landeskirche mit ihrer Bekenntnisinitiative (Lackmustest: Ist Homosexualität für Dich eine Gräuelsünde? Nächstenliebe gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund bitte nur in eng gesteckten Grenzen) ist mir innerlich sehr fremd geblieben. Ich gehe aber trotzdem gerne in den 11 Uhr (!!) Gottesdienst in der Frauenkirche, weil dort Predigt und Kirchenmusik auf wirklich hohem Niveau stattfindet. Aber ein Gefühl von Gemeinsamkeit – wir alle bauen gemeinsam am Reich Gottes und trachten nach seiner Gerechtigkeit – stellt sich da nicht ein – eher schon bei den Omas gegen Rechts, wo ich aktiv dabei bin. Es fehlt uns als Kirche eine gemeinsame Vision, was möglicherweise auch daran liegt, dass (noch) niemand hierzulande aus vollem Herzen beten kann: Ja, Herr Jesus komm!
Jetzt noch eine Rückmeldung zu Stoßgebet und Halleluja: Fand ich manchmal zu lang, hat aber dazu geführt, dass man glaubt, euch ganz gut kennengelernt zu haben – was sehr schön ist! Trotzdem bin ich mal für eine Pause und für Community-Rückmeldungen – wenn diese denn von Belang sind.
Jetzt hätte ich noch einen Themenvorschlag. Vermutlich habt ihr das Thema im Laufe der vergangenen nahezu 300 Folgen längst abgehakt – dann sagt mir einfach, welche Folge ich dazu anhören soll.
Also: Von allen Personen in der Bibel ist es ja überraschenderweise ausgerechnet Jesus, der am meisten von der Hölle spricht. Hat er an die Hölle geglaubt? Oder lassen die Evangelisten das Jesus nur im Nachhinein sagen und er selbst hat das nie gesagt? Dagegen sprechen aber auch manche seiner Gleichnisse (Unkraut, Fischernetze, Hochzeitsfest, Talenten, Schafe und Böcke …) Heutzutage wird ja eher die Hölle darin gesehen, dass Menschengemachtes auf die Menschen selbst zurückfällt und ihnen das Leben zur Hölle zu machen verspricht. (Klima, KI usw).
Ich persönlich brauche die Vorstellung von der göttlichen Gerechtigkeit (ist das die Hölle?) als etwas Grundlegendes, um die Güte, Gerechtigkeit Gottes angesichts der vielen Menschen, die Böses zu erleiden haben, zu verteidigen. Ihr auch?
Herzliche Grüße von Sigrid aus Dresden
Liebe Sigrid,
zu den von dir genannten Themen Hölle, Gerechtigkeit und Allversöhnung kann ich dir den Theologen Martin Thoms sehr empfehlen.
Er war sowohl für eine Folge im Podcast Geist.Zeit (von Andreas Loos und Thorsten Dietz) als auch im Podcast Movecast (von Martin Benz) zu Gast und hat dort ausführlich referiert, was ich persönlich sehr spannend fand !
Des Weiteren kann ich dir die Vorträge „GOTTES LIEBE UND GOTTES GERICHT: WIE PASST DAS ZUSAMMEN?“ und „GIBT ES EINEN STRAFENDEN GOTT?“ von Siegfried Zimmer bei Worthaus (sehr) empfehlen, wenn dich das Thema weiter interessiert. Mir haben diese Vorträge ungeahnte Perspektiven auf dieses wichtige Thema eröffnet.
Vielleicht ist ja was für dich dabei, herzliche Grüße, Miriam
Liebe Miriam,
Danke dir für deine freundlichen Hinweise! Ich kenne beides, sowohl die Folge mit Martin Thoms, als auch den Vortrag von Siegfried Zimmer (den höre ich mir aber noch mal an) und mir haben beide nicht genügt. Zu gewiss und Gottes dunkle Seite ausblendend. Gott – und auch Jesus selbst – sind keineswegs immer nur lieb. Sie können beide zuschlagen und zwar ohne Notwendigkeit (Hiob, verdorrte Feigenbau usw.). Das erleben Menschen und natürlich auch Christ*innen ja täglich. Das Vertrauen, dass Gott am Ende das letzte Wort haben wird und dass es gerecht sein wird- darauf hoffe ich natürlich trotzdem. Es ist eine Frage des Glaubens an Seine Verheißungen.
Viele Grüße, Sigrid
Hi, ihr beiden. Ihr stellt eine Frage, die ich mir auch schon länger stelle und eigentlich mit ja beantworten würde (obwohl ich nur sehr selten in Gottesdienste gehe).
Ich bin ähnlich wie Manu sozialisiert… allerdings nicht vom Elternhaus her,aber ich war und bin sehr glücklich, dass ich als junge Frau den Glauben entdeckt habe. Und den auch in vorwiegend aber nicht nur freikirchlichen Kontexten gemeinsam mit anderen gelebt habe. Ich habe so viel daran geliebt und darin gefunden und es war sehr lange ein krasser Schmerz, als ich bemerkte, mein Haltung, die sich pro-queer und mit einer Hoffnung auf Allversöhnung entwickelte, zu einem Riesenproblem wurde, das nicht zu vereinbaren war. Ich war dann später in einer schönen kleine Landeskirche, in der das kein Problem war. Berufsbedingt gehe ich selten hin, aber rotzdem haben mich beide Richtungen geprägt, und ich wäre jetzt nicht die, (die ohne Kirche klarkommt) wenn ich nicht diese Erfahrungen gehabt hätte.
Brauche ich also Kirche?
Ich würde sagen, im Moment nicht unbedingt. Manchmal würde ich es mögen, bin aber auch in der Lage, sie zu ersetzen. Ich kann einem gewachsenen sturmerprobten Glauben, Ehemann, FreundInnen, Hauskreis ein gutes Leben kreieren und habe alles. Aber das kann sich ja auch sehr schnell ändern. Und vielleicht würde ich dann sehr von der Geborgenheit in Gottesdiensten „profitieren“. Mein jüngeres Ich hat aber Kirche gebraucht.
Die wichtigere Frage, finde ich: Braucht unsere Gesellschaft in unserer Zeit Kirche? Welche Menschen brauchen Kirche? Da würde ich sagen: Unbedingt! Genau die, die nicht so ein Repertoir wie ich zur Verfügung haben. Und das dürften sehr viele sein.
Die Frage – Wer braucht Kirche wirklich?
-Menschen mit Lasten brauchen freundliche Menschen, die mittragen.
-Menschen, die Gott oder Antworten von Gott oder Leute zum gemeinsam Glauben Leben suchen, brauchen Räume, Gesprächspartner, Input.
-Menschen, die angefeindet, ausgegrenzt oder diskriminiert werden, brauchen Schutz und oft eine neue Heimat.
-Menschen, die aktivistisch sind, freuen sich über Resonanz, Gleich- oder Ähnlichgesinnte und Unterstützung.
Und insgesamt: Menschen brauchen dritte Orte. (also abseits von zuhause und der Arbeit) an denen man sich treffen, lachen, weinen, echt sein, austauschen, was zusammen machen ect. kann. Und je krasser sich diese Welt entwickelt umso mehr. Und zwar barrierefrei und kostenlos. Darin können viele Kirchen/ Gemeinden richtig super sein.
Es gibt noch einen Podcast, der mich vor kurzem sehr gefreut hat, und zwar von Schöner Glauben mit dem verwandten und leicht provokanten Thema „Braucht es eine christliche Antifa?“. Es gibt auf jeden Fall gar nicht so kleine Schnittmengen bei euren Podcasts 🙂
Liebe Grüße aus BaWü, Caro