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The Chosen: Was für ein Jesusbild vermittelt diese Serie?

Zugleich zieht die Serie immer wieder auch Kritik auf sich. Einige finden das hier von Jesus gezeichnete Bild zu nett, zu harmlos und zu menschlich. Und andere stören sich daran, dass die Darstellung offensichtlich von einem evangelikalen Bibelverständnis geprägt ist.

Andi und Thorsten tauschen sich in dieser Folge aus über ihre eigenen Erfahrungen mit der Serie. Wo gelingt der Versuch, biblische Erzählungen mit fiktiven Hintergrundgeschichten zu verknüpfen? Was macht den hier gezeigten Jesus für viele so ansprechend, ja anrührend? Und wo stösst das Konzept einer bibeltreuen Umsetzung der Evangelienstoffe in einem Serienformat an Grenzen? Wo ignoriert «The Chosen» den heutigen Stand der wissenschaftlichen Jesusforschung? Wo zeigt sie ein irreführendes Bild der Geschichte? Wie geht die Serie um mit dem problematischen Erbe des traditionellen Christentums, der feindseigen Abgrenzung vom Judentum und der Marginalisierung von starken Frauenfiguren?

Wie sollen schliesslich Kirche und Theologie damit umgehen, dass eine Jesus-Serie bald von einer Milliarde Menschen gesehen sein wird? Soll sie das Phänomen möglichst weiterhin ignorieren? Müsste die kritische Auseinandersetzung deutlicher werden? Oder lassen sich Chancen und Grenzen eines solchen Projektes gleichermassen betonen?

17 Gedanken zu „The Chosen: Was für ein Jesusbild vermittelt diese Serie?“

  1. The Chosen (Die Auserwählten) – Schon der Titel geht in die falsche Richtung, denn die Gewohnheit der Menschen im Kreislauf des zeitgeistlichen Reformismus seit Mensch erstem und bisher einzigen GEISTIGEN Evolutionssprung (die “Vertreibung aus dem Paradies”) eine heuchlerisch-verlogene Schuld- und Sündenbocksuche zu betreiben, ist somit als Vorurteil wettbewerbsbedingt-konfus manifestiert!?

    Jesus hat die Botschaft zur Entwicklung des ganzheitlich-ebenbildlichen Wesens Mensch propagiert!!!

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  2. “Nichts tun ist besser, als mit viel Mühe nichts schaffen” (Laotse) – Im Kreislauf der Reinkarnationen/Wiedergeburten, erleben wir, aus gutem Grund der Vernunft, immer wieder den “Kleinen Tod”, der noch nicht der absolute Tod / die Gnade Gottes am Jüngsten Tag und vielleicht Jüngsten Gericht ist – Es werden uns stets die “Arbeitspeicher” zur Bewusstseinsentwicklung gelöscht, aber eben noch nicht die “Festplatten”, die im/dem “Unterbewusstsein” bleiben, denn wenn wir auf diese Erfahrungen des jeweils vorherigen Lebens zurückgreifen könnten, dann wäre die Entwicklung zum ganzheitlich-ebenbildlichen Wesen Mensch sicher zu einfach, oder zu “billig”, also …!?

    Es stellt sich mir derzeit die Frage: Hat Jesus in (s)einer Depression nur den Kreislauf des Lebens aufgegeben, oder auch das Projekt Mensch?

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  3. Vielen Dank für diese Folge! Ich hab mich schon länger darauf gefreut, weil ihr das Thema auf Insta bereits angekündigt habt. Ich selber habe die Serie erst vor kurzem entdeckt und dann durchgesuchtet. Fand es enorm spannend, wie der damalige Alltag und die verschiedenen (möglichen) Verknüpfungen dargestellt werden. Kann eure Kritik einerseits nachvollziehen. Fand es aber beim Hören fast schon lustig, wie ihr in eure eigene Falle tappt: Ihr kritisiert, dass die Macher*innen zu sehr an ihrer Überzeugung kleben und stellt dann eure eigene Überzeugung dagegen, ohne zu merken, dass keine*r von uns mit Fug und Recht weiß, was und wie es ganz genau damals ablief. Wir sprechen hier über die Verfilmung eines Buches (über das sich ohnehin schon alle uneins sind). Nur weil ihr das Beispiel selber bringt: Die Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ kann das Buch auch nicht in seiner Komplexität abbilden. Wie sollte das eine Verfilmung (auch mit noch so guten Ratgeber*innen) der Jesus-Geschichte schaffen?! Macht weiter so. Ich finde euer Fazit am Ende total hilfreich!
    Ich selber versuche mit meiner Arbeit immer wieder die Botschaft Jesu für den heutigen Menschen alltagstauglich zu übersetzen. Das schafft die Serie, finde ich, unbedingt! Für die Alltagsrelevanz von Glaube sind „theologische Spitzfindigkeiten“ (wussten die damals von Anfang an, dass Jesus der Messias war oder nicht) oft leider auch nicht hilfreich. Weil das „Reich Gottes“ (was auch immer genau das sein soll), das die Synoptiker im Fokus hatten, auch in unserer Zeit erst mal alltagstauglich übersetzt und erlebbar gemacht werden muss. Dein Vergleich mit dem vegetarischen Gericht (ich bin seit Ewigkeiten vegetarisch unterwegs) hinkt, meines Erachtens. Bei Gott ist alles möglich (oder etwa nicht?) da geht auch, dass ein Gericht, in das Fleisch untergemischt wurde, trotzdem vegetarisch ist 😉

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    • Hallo Eva,
      ich kann deine Kritik nicht nachvollziehen. Es wurde doch mehrmals gesagt, dass keiner so genau weiß, wie es damals wirklich war und dass „The Chosen“ auf gelungene Art und Weise daran scheitert, Jesus zu rekonstruieren.
      Herzliche Grüße !

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    • Liebe Eva, vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich finde die Beobachtung sehr hilfreich und wichtig, wie schwer die alltagstaugliche Übersetzung von dichten Texten in unsere Zeit ist. In der Tat, Reich Gottes, Menschenwerdung etc., das versteht sich ja wahrlich nicht von selbst. Teilweise leistet die Serie hier auch wirklich Grosses, Dinge zu zeigen, fühlbar zu machen, und nicht nur durch Worte zu traktieren. und ja, das ist eine bleibende Herausforderung für uns alle. Auch das kann man bei The Chosen lernen.
      In der historischen Frage kann ich Dir nicht so folgen. Es ist ja nicht so, dass wir einfach eine andere Meinung haben in Dingen, wo keiner Ahnung hat. Es gibt einfach 200 Jahre Forschung und dabei inzwischen sehr viel Konsens in Grundfragen, eben: Reich Gottes als zentrale öffentliche Botschaft des historischen Jesus. Das ist nicht nur der Konsens der wissenschaftlichen Exegese, grundsätzlich erkennen das ja selbst die Jesusbücher des Papstes an. Ich bin auch für eine “hohe Christologie”, wie es spitzfindig genannt wird, aber eben nicht so, dass wir alles mögliche historische Wissen über den Weg Jesu ignorieren. Bei solchen Fragen geht es mir nicht um meine Meinung, sondern um das Ergebnis von vielen Debatten, wo es am Ende um Beobachtungen und Argumente geht. Liebe Grüsse, Thorsten

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  4. Kann man einem evangelikalen Filmemacher vorwerfen, dass er das bedient, was der evangelikale (und der fromme katholische) Mainstream sehen will, nämlich eine Harmonisierung der Synoptiker mit der sogenannten johanneischen Schule? Natürlich sind die mitschreibenden Johannes und Matthäus in der Serie albern, aber das glauben nun mal die allermeisten Christen, die regelmäßig in die Kirche gehen. Diese Fiktion sei den Machern genau wie die erfundenen Geschichten bei The Chosen doch gestattet.

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    • Hallo Alex aus Cloppenburg,
      es wurde nur heraus gearbeitet, dass die synoptischen Evangelien und das Johannesevangelium nicht gleichzeitig erzählt werden können, weil die Reich-Gottes-Botschaft dabei ihre Pointe verliert bzw. davon übertrumpft wird, dass Jesus von Anfang an der Auferstandene ist.
      Liebe Grüße !

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      • Die meisten Gläubigen machen seit 2000 Jahren nichts anderes, als die Jesus Geschichten aus den Synoptikern und aus Johannes gleichzeitig zu erzählen. Die theologisch und historisch Aufgeklärten erzählen ihren Kindern in der Regel viel seltener Jesus Geschichten als die Frommen.

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  5. Mir hat diese Folge sehr gut gefallen, ich habe viel Neues dazu gelernt, vielen Dank 🙂

    In Staffel 4 Folge 7 (ca. Minute 53 – 55) sagt Jesus, dass das Leid von Martha und Maria, die 4 Tage lang dachten, ihr Bruder Lazarus wäre tot, „nötig“ gewesen wäre, damit den Jüngern die Herrlichkeit Gottes offenbar wird (durch die Wiederbelebung des Lazarus). Das ist das einzige Mal, dass mich etwas an der Serie wirklich gestört hat. Ich hadere mit der Art und Weise, wie das Leid hier rechtfertigt / erklärt wird.

    Viele Grüße !

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  6. Das ist eine wunderbare Folge, vielen Dank! Dafür, dass Ihr Euch die viele Zeit genommen habt, um die Serie ganz zu sehen. Dafür, dass Ihr sie so genau analysiert habt. Dafür, dass Ihr in Eurem Urteil fair und differenziert bleibt. Dafür, dass Ihr aber auch eine präzise, biblisch begründete Kritik vorbringt. Und dafür, dass Ihr am Schluss die Frage nach einem Jesusbild für uns heute stellt. Das alles hat mir wirklich sehr geholfen, die wichtigste Jesusbild-Produktion der Gegenwart besser zu verstehen.

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  7. Jeder von euch, kann im Kreislauf der Wiedergeburten/Reinkarnationen wie Jesus werden, bzw. auch darüber hinaus, zum Teil des ganzheitlich-ebenbildlichen Wesens Mensch!

    Jesus war noch nicht perfekt, also nicht in der möglichen ganzen Kraft des Geistes der “Gott” ist, wohl auch weil er als Mensch ebenso auf den Empfang der Seele für das ganzheitlich-ebenbildliche Wesen angewiesen war/ist – Matthäus 21,18-22 ist in diesem Zusammenhang DER Hinweis den es zu verstehen gilt, aber auch Jesaja 55,8-11!!!

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  8. Auf Empfehlung dieses Podcasts habe ich amazon prime eingerichtet und mir die ersten Folgen von “chosen” angesehen. Weil die Erzählweise so langweilig ist, habe ich dann auch noch zwei Folgen von “Lucifer” gesehen. Die Geschichte zu Lucifer ist schon ein rechter Schmarrn, aber was man uns da über den Messias, den Sohn Gottes weismachen will, ist eigentlich eine Beleidigung an Gott. Sein Sohn wird als kartoffelsacktragender Schrat eingeführt und grundlos fröhlich grinsend. Jesus ist kein Märchen wie die Gebrüder Grimm sie erzählen oder wie die Geschichten von John R. Tolkin. Wenn Gott schon menschlich geworden ist, dann doch wohl so, dass die Menschen ihn auch wahrnehmen: Groß, schlank, mit hellen Kleid, eher hellem Haar und ansprechenden Gesichtszügen. Zweifel an den Motiven der Macher sind angebracht.

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  9. Ja, ich habe mir THE CHOSEN in der ganzen Länge geschenkt und danke für die kritische Diskussion, Würdigung und das Fazit, dass ich, du, wir alle nur in Würde an der Erzählung der Geschichten scheitern können. Der wichtigste Wechsel in der Erzählung für mich ist, dass endlich mal aus Sicht derjenigen erzählt wird, die ihm gefolgt sind. Deshalb ist der englische Titel auch so schön doppeldeutig: “THE” im Plural ist der Aufhänger. Leben ist idealerweise ein sich “hochscheitern” oder “emporscheitern”, ein sich ständig neu oder anders erfinden, ein abbauen von inneren Gefängnissen, ein …
    In Demut beziehend mit mir und anderen sein. Dafür ist dieses mediale Ereignis ein Weg, das bewusste Leben gäbe auch gegnügend Möglichkeiten, in jedem Moment.

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  10. Lieber Andi, lieber Torsten,
    Ein kurzer, spontaner Kommentar zu einem Beitrag zum Chosen. Schön, wie ansteckend. Eure Begeisterung ist für das in Film gelungenen Serien Projekt.
    Bei eurem ausführlichen Kritik im Mittelteil hätte ich aber gern mit diskutiert und hätte da doch einige Einwände. Natürlich ist mein Theologiestudium schon eine Weile her und ihr seid da auf jeden Fall viel besser informiert und ab to Date als ich aber in meinem Gemeinde Alltag und auch in meinem eigenen Glaubensleben ist halt Johannische, Theologie und synoptische Evangelien nicht so schön feinen säuberlich getrennt, wie das Theologen vielleicht gerne hätten.
    Mein Glaube ist geprägt von Johannes UND den Synoptikern. Und so ist halt mein Jesus auch zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch, unvermischt und um getrennt – mit all den Widersprüchen, die das mit sich bringt.
    Ich kann sehr gut damit leben und finde das sogar bereichernd. Offensichtlich haben doch auch die Schöpfe des Kanons es wichtig gefunden, dass beide Seiten der Geschichte in einem Buch zusammen sind halt nicht vermischt, aber auch nicht getrennt.
    Vielleicht möchtet ihr jetzt gerne erwidern, dass ich eure Kritik nicht wirklich verstanden habe, habe ich vielleicht auch nicht wirklich.
    Aber auf jeden Fall danke für euren immer wieder geistreichen Blog, den ich mit viel Vergnügen und Bereicherung höre.
    Mit ganz herzlichen Grüssen
    Samuel

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  11. Ich habe erst angefangen The Chosen zu schauen um zu prüfen, ob ich mir Jugendliche damit was machen kann….eure Einordnung dazu finde ich sehr hilfreich.
    Und hast du noch weiter geschaut, Andi?
    Ich starte jetzt bei Staffel 2. 😄

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