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Johannes Hartl: Eden Culture

In unserer neuen Staffel – Bücher mit Impact – unterhalten wir uns über Bücher zu den Themen Religion, Spiritualität und christlicher Glaube, die eine grosse Reichweite erreicht haben und viele Menschen prägen.

In der ersten Folge besprechen wir Johannes Hartls «Eden Culture», das eigentlich zu aktuell ist, um diesen Status schon behaupten zu können. Das Buch ist aber kaum zu übersehen: Es rangiert in der Spiegel Bestseller-Liste und liegt in vielen Buchläden prominent auf. Sogar in der «ZEIT» wurde «Eden Culture» besprochen.

Bietet das Buch zeitgemässe Orientierung für Christinnen und Säkulare in unserer Gegenwart? Oder ist es ein hoffnungslos retourgewandtes Projekt, das sich aufgeschlossen gibt?

Wir freuen uns auf eure Leseerfahrungen und Einschätzungen!

… und hier noch der Link zum Blogbeitrag von Manuel, der das Gespräch zu Hartls «Eden Culture» vertieft.

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6 Kommentare zu „Johannes Hartl: Eden Culture“

  1. Hallo, Danke für die lehrreiche Buchbesprechung. Ich muss jetzt das Buch nicht mehr lesen..;). Es gibt natürlich tausend Hinweise in täglichen Erleben, dass Verbundenheit, Sinn und Schönheit auch in der Absicht unseres Schöpfers waren. Sie waren es tatsächlich. „Er sah alles an und es war sehr gut.“ Die drei Schlüsselbegriffe waren immer schon bei uns Schwerpunkte. Etwas soll nicht nur funktionieren. Es darf/soll auch schön sein.

  2. Johannes Hartl

    Vielen Dank für diese im besten Sinne des Wortes „achtsame“ und sorgfältige Rezension. Mir gefällt sehr die Haltung des Hinhörens und Nachspürens, die mir von einer grundsätzlichen Hermeneutik des Wohlwollens geprägt erscheint und deshalb auch schon vom Ansatz her etwas Positives bringt. Auf ein paar Punkte möchte ich eingehen:
    (1) Eure Kritik an meiner Kritik an der postmodernen Philosophie findet auf ganz sympathische Weise gleich ihre parallele Manifestation in Eurer Kritik an meinem Schreibduktus. Ihr fändet einen subjektiveren, nur vom eigenen Erleben oder „aus den Phänomenen“ sich ableitenden Anfahrtsweg stimmiger. Das individuelle Gewordensein der Perspektive als hermeneutischer Schlüssel und vielleicht gar als theoretische Bescheidenheit. Genau darin seht Ihr ja offenbar den philosophischen Mehrwert des Konstruktivismus. Selbstverständlich überzeichne und polemisiere ich, wenn ich diesem vorwerfe, damit den grundsätzlich anvisierten Horizont einer tatsächlichen Wahrheit preiszugeben. Doch Ihr habt mich natürlich durchschaut, wenn Ihr mutmaßt, ich wolle mehr als nur über meine Erlebnisse berichten. Ja, ich will tatsächlich überzeugen oder zumindest streitbare Thesen ins Feld führen. Eher Autobiographisches gibt es von mir ja bereits, hier betrete ich tatsächlich das Genre des Sachbuchs. Von daher wollte ich tatsächlich das, was Euch nicht so anspricht: für ganz spezifische Antworten auf Problemstellungen werben. Deshalb ja auch die relativ breite Literaturliste. (Und zum Thema der frühkindlichen Bindung zeige ich mich gerne streitbar. Ich zitiere hier nicht nur ein paar Studien, sondern stelle den Forschungsstand dar. Ich hab in diesem Punkt mit so guten Experten gearbeitet und mich so tief reingegraben, dass ich diese Zuversicht aufbringe. Es geht bei Grossmann allein zum Beispiel um Hunderte von Studien über mehrere Jahrzehnte.)
    (2) Daran schließt sich die Frage an, ob ich im Schreibprozess etwas gelernt habe. Das Buch ist eine Zusammenfassung eines inneren, jahrelangen Denkwegs, bei dem ich nicht nur etwas gelernt habe, sondern an vielen Stellen zutiefst Korrektur und Erschütterung erlebt habe. Das betrifft allem voran das Kapitel „Verbundenheit“, in dem ich vieles etwas durch die Blume berichte, was aus der unmittelbaren Betroffenheit heraus zu berichten für mich viel zu verletzlich gewesen wäre… Der zweite fundamentale Lernprozess aber betrifft:
    (3) Die Kritik, ich würde die Postmoderne „bashen“ und den Konstruktivismus nicht in seinem genuinen Anliegen würdigen. Ich gestehe: das ist im Buch sehr kurz gekommen. Und das ist tatsächlich dem Wunsch nach Kürze geschuldet (den Ihr ja auch ausdrücklich teilt). Da musste ich wirklich überzeichnen, um noch thesenhaft zu bleiben und kein philosophiegeschichtliches Buch zu schreiben, sondern einen Punkt zu machen. Das Lustige ist: ich selbst komme philosophisch absolut vom Konstruktivismus und von der Postmoderne. Ich habe beides mindestens 10 Jahre meiner philosophischen Lebenszeit heftigst verteidigt. (Wer das nicht glaubt, lese meine Dissertation „Metaphorische Theologie“, die noch relativ viel antirealistischen Geist atmet.) Hier kam es in meinem Leben aber tatsächlich zu so etwas wie einer Umkehr. Allerdings nicht zurück zu Plato (das ist ein Missverständnis), sondern zu einem ganzheitlichen „realism with a human face“, der auch metaphysische Fragen zulässt. Von daher ist es nicht wahr, dass ich zeitgenössische Philosophie nicht rezipieren würde. Die philosophischen Autoren, die ich am meisten zitiere, sind allesamt zeitgenössisch: Han, Ulrich, Scruton, Boghossian, Nagel, Taylor. Und auch Balthasar und Rosa sind zeitgenössische Denker, die letztlich philosophisch argumentieren.
    (4) Etwas traurig war ich über das allerletzte Fazit: das Buch sei etwas für Leute, die sich darin versichern wollen, dass Konservativismus sexy und die Welt auf dem falschen Weg sei. Weder empfinde ich das Wort „konservativ“ als passend für das, was ich da sage und wie ich es sage, noch atmet das Buch den apologetischen, fast schon reaktionären Spirit, der durch diese Formulierung insinuiert wird. Auf meiner Buchtour – und auch in Interviews etc. – treffe ich unglaublich viele Menschen, die weder konservativ noch religiös sind, die diese Inhalte aber sehr erreichen. Mir scheint auch, dass die messbare Reichweite des Buches bereits Anlass zu der Vermutung gibt, hier werde nicht nur eine bestimmte Szene bedient.
    Das aber nur als kleine Einwände, grundsätzlich habt Ihr meine Intention und wesentliche Kernaussagen gut erfasst und die Art und Weise, wie Ihr das getan hat, finde ich wohltuend. DANKE! Herzliche Grüße!

    1. Stephan Juette

      Lieber Johannes Hartl, vielen Dank für die grosszügige und feine Art des Umgangs mit unserer Kritik! Zum vierten Punkt gebe ich gerne zu, dass ich dort zugespitzt habe und sicherlich nicht der ganzen Leser:innenschaft gerecht geworden bin. Zu 1 & 3: Es ist natürlich immer leicht, in einer Rezension ein anderes Buch zu fordern. Dein Buch ist eben das Resultat deines jahrelangen Denkweges, das diesen in eine für viele Menschen nachvollziehbare Form bringen musste. Bezüglich Konstruktivismus liegen wir wohl wirklich weit auseinander. Ich hänge daran, weil (!) ich darin eine wichtige denkerische Ressource gegen eine unreflektierte Beliebigkeit erkenne. Ich bin darin also gerade nicht postmodern, sondern einer (klassischen) Moderne verpflichtet 😉
      Ich würde mich sehr freuen, wenn sich einmal die Gelegenheit ergeben sollte auch miteinander über diese Themen zu sprechen. Herzlicher Gruss, Stephan

    2. Nur zum 4. Punkt: Ich kann schon verstehen, dass es dich stört, dass dein Buch als konservativ bezeichnet wird – wer will das schon, wenn man sich eigentlich selbst als philosophisch freidenkend wahrgenommen wissen will. Aber es hilft nichts sich in Kommentarspalten dagegen aufzulehnen, wenn es als ein solches, eben reaktionär-konservatives Buch aufgefasst wird. Da müsstest du schon was anderes schreiben, um einen anderen Eindruck zu hinterlassen… Es ist ja schon auffällig, dass Eden Culture sich genau in dieser frommen, konservativen Blase verfängt und die ist ja auch recht groß und reicht dann sogar für eine Spiegel Platzierung. Dass ein Auszug bei „tichyseinblick“ zitiert wird, spricht Bände…
      Eine positive Aufnahme außerhalb dieser konservativen Ecke habe ich bislang nicht wahrgenommen – aber ich lasse mich gern eines besseren belehren!

      1. Johannes Hartl

        Nein, hier widerspreche ich energisch. Das Buch erreicht bei weitem nicht nur die fromm-konservative „Blase“, ich stelle sogar die Frage, ob diese allein tatsächlich für eine Spiegel-Platzierung #9 im Sachbuch Hardcover reichen würde. Es gab mehrere positive oder zumindest wohlwollend-Interessierte Besprechungen, die komplett außerhalb besagter Szene stattfanden. Auch in Amazon Rezensionen ist deutlich spürbar, dass hier Leute aus komplett verschiedenem Background positiv bewerten. Und nur weil man das Buch auch hinsichtlich konservativer Werte lesen kann, muss ich mich nicht unter dem Label „konservativ“ für mein Anliegen wiederfinden. Denn ich kritisiere ja einen Status-Quo und werbe für eine dezidiert andere Zukunft. Das ist etwas per definitionem anderes als bloßer Konservativismus. Wenn dann ist es so konservativ wie FFF konservativ ist…

  3. Danke für euren Dialog in den Kommentaren Stephan und Johannes! Ich sitze grad an einem Aufsatz zu „Constructivism & Critical Realism“. Da gibt mir euer Beitrag einen tollen Aufhänger in der Einleitung zum Nachweis der Relevanz des Themas. Weiter so! 😉

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