Less noise – more conversation.

«This Little Light of Mine»

Das Lied, das sich Manuel und Stephan für die heutige Episode vornehmen, kennen wohl viele noch aus der Sonntagsschule oder aus dem Religionsunterricht. «This Little Light of Mine» ist uns als Kinderlied im Gedächtnis – es ist aber, wie die Diskussion zeigt, alles andere als harmlos. Vielmehr spielt es auf den radikalen Zuspruch Jesu an: «Ihr seid das Licht der Welt» (vgl. Matthäus 5,14-16).
Die beiden «Ausgeglaubt»-Hosts finden darin zwei Motive auf eine sehr gesunde Art und Weise integriert: Zum einen ein klares Sendungsbewusstsein, eine fröhliche Gewissheit, dass in den Teilhabern der Jesusbewegung etwas entfacht wurde, was dieser Welt gut tut. Zum anderen eine wohltuende Bescheidenheit, die nicht meint, das Schicksal der ganzen Menschheit tragen zu müssen, sondern sich mit der Weitergabe des «kleinen Lichtes» begnügt, das uns gegeben wurde.
Diese Beobachtungen führen Manuel und Stephan dazu, zwei Extreme des christlichen Selbstverständnisses zu diskutieren: Hier der übersteigerte Missionseifer, der sämtliche alltäglichen Begegnungen mit einer theologischen Letztgültigkeit auflädt und zu potenziellen Bekehrungsgesprächen macht – dort die Selbstvergleichgültigung einer Kirche, die nur noch verdoppelt und nachspricht, was jede halbwegs anständige Partei auch sagt, und die sich selbst nicht mehr sicher ist, ob sie dieser Welt noch irgendetwas Substanzielles zu sagen hat.
Wie aber finden wir durch Ernüchterungen und Dekonstruktionen hindurch zu einer «zweiten Naivität» des Glaubens? Wie finden wir den goldenen Mittelweg zwischen schrillen Bekehrungsbemühungen und resigniertem Schweigen? Was gibt uns selbst die Gewissheit, dieser Welt noch etwas zu sagen haben?

 

Hier geht’s zur Spotify-Playlist dieser Staffel, auf der du alle besprochenen Lieder anhören kannst…

… und hier ist der Text zu «This Little Light of Mine»:

 

This little light of mine
I′m gonna let it shine
Let it shine, let it shine, let it shine

For you and me
Let it shine for you and me
Let it shine, let it shine, let it shine

Everywhere I go
I′m gonna let it shine
Let it shine, let it shine, let it shine

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3 Kommentare zu „«This Little Light of Mine»“

  1. „Überzeugen durch Zeuge sein“, finde ich total gut. Glaube wird am Leben erhalten durch das Gebet. Chapeau! Starke Sendung!

  2. … (m)eine Antwort jenseits der beiden diskutierten Extreme des christlichen Selbstverständnisses und jenseits von „Ernüchterungen und Dekonstruktionen“:
    (1) Freude an Gott (nicht, wie im Beitrag gesagt, „an der Gnade“), also das heißt: FREUDE an Gott und zugleich Freude an GOTT: Ich soll DIESES Licht unter den Scheffel stellen wollen? Woher sollte ein solcher Wille kommen und wozu!
    (1a) Dass die Frage, was es heute noch mit Gott auf sich haben kann, eine Frage danach, was es heute noch mit Freude auf sich haben kann, sein könnte, halte ich in dieser Welt nicht für ausgeschlossen. Wenn es stimmt, dass Gott jedem Menschen gegenwärtig ist, dann steht mit der Rede „Ihr seid das Licht der Welt“ zugleich die Rede von Freude auf dem Spiel.
    (2) Die historische Tatsache, dass Jesus unter Pontius Pilatus brutal – Pardon! – das Licht ausgeblasen wurde, dieses brutale Faktum will und soll als solche allernächst von der Kirche zur Kenntnis genommen werden. Das wäre vielleicht ein erster Schritt auf dem Weg zu einer heilsamen (Selbst-)Immunisierung gegen jegliche Spielarten von virulentem christlichen Fundamentalismus und falsch verstandenem Missionseifer.
    (2a) Dass eine Kirche, die um Gottes Willen a-politisch ist und gegen die – Pardon! – ‚Licht-Ausbläser‘ dieser Welt für die ‚ausgelöschten Dochte‘ nicht schreit, „This Little Light of Mine“ singen darf, versteht sich nicht von selbst.
    (3) Wenn es nicht der Name Gottes selbst ist, der „uns selbst die Gewissheit [gibt], dieser Welt noch etwas zu sagen“ zu haben, … – ja, mein lieber Herr Gesangsverein, welche Kraft soll denn dann die Leuchtkraft des „Little Light of Mine“ wirken?
    (3a) Der Name Gottes: Schall und Rauch statt Wort und Feuer? Im ersten Fall wäre der Name Gottes jedenfalls nicht die Orientierung christlichen Lebens.
    (4) In diesem Sinne kann, darf oder soll dann auch im Namen Gottes an die 1. Bitte des Vaterunser erinnert werden.

  3. Judith Burkhardt

    Hier ein kleiner Text, zu dem mich eure Folge inspiriert hat. Halt auf Schweizerdeutsch, aber ich hoffe, man versteht es 🙂

    Mis chline Liechtli isch chum es lodernds Füür, wo me wiit ume cha gseh. Ich glaub, mis Liechtli isch au kei grossi Oschterkerze – aber für es Rechaudkerzli dehei bi mir ufem Tisch längts ab und zue. Aber mängisch gits Täg, do längts halt nur für es Zündhölzli (Streichholz) und mängisch bricht au das ab. Aber ich will nid ufhöre und will mindestens es neus Zündhölzli us dr Schachtle näh. Mit mehrmals probiere und chli liebevoller Vorsicht het sich no immer e Kerze lo azünde.
    Gott, danke gosch au du sorgfältig mit mir um, haltisch mi liebevoll i dire Hand – so lang bis die Flamme wieder ufflackeret.

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