Dein digitales Lagerfeuer
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Dreissig Minuten für ein anderes Amerika

Montagnacht, 02:14 Uhr MEZ. Aus einem Football Spielfeld wird eine Shwobühne, für eine halbe Stunde. Die Halftime Show des Super Bowl ist eines der am meisten gesehenen Musik-Events weltweit.

Von einer musikalischen Einlage mit Marchingband zu einer Show der Superstars entwickelte sich die Halbzeitpause des wichtigsten Footballspiels der Saison kontinuierlich bis zum Mega-Event. Ein musikalisches Spektakel, jedes Jahr von einem anderen Superstar performt und inszeniert, darunter bisher Michael Jackson, Madonna, Paul McCartney, Beyoncé und weitere.

Showbusiness

Nichts an diesem Event, von der Berichterstattung bis hin zu Halftime Show, scheint nicht bewusst als Statement inszeniert zu sein. Weder die Entscheidung darüber, wer die Rolle des Host einer fünfstündigen Vorberichterstattung übernimmt, noch welcher musikalische Akt für die Halftime-Show gebucht wird, die über 200 Millionen Menschen weltweit verfolgen.

In der Berichterstattung zum Spiel von NBC, dieser Sender hatte dieses Jahr die Rechte an der Übertragung, ist das Expert:innen-Team besonders divers besetzt.

Die NFL, also die National Football League, stand schon oft in der Kritik wegen mangelnder Diversität, Rassismus und Diskriminierung. Die Wahl einer BPoC und Frau als Haupthost ist eine Überraschung, wirkt jedoch kalkuliert und berechnend.

Für die musikalische Einlage wurde in diesem Jahr der puerto-ricanisch-amerikanische Sänger Bad Bunny ausgewählt. Bad Bunny ist derzeit der erfolgreichste Popkünstler der Welt mit über 20 Milliarden Streams seiner Songs im Jahr 2025, kürzlich erhielt er den Grammy für das Album des Jahres.

Nicht nur auf dem Spielfeld und vor der Kamera, auch und besonders mit der Musik, während dieses Super Bowls, wird Diversität gefeiert und inszeniert.

Nichts für jeden

Donald Trump äusserte sich schon zuvor dazu und nannte Bad Bunny eine «schreckliche Wahl». Die konservative Organisation Turning Point USA hat, auch in Gedenken an Charlie Kirk, eine Gegenveranstaltung mit Trump-Anhänger Kid Rock und anderen Musiker:innen auf die Bühne gebracht.

Der NFL-Chef Roger Goddell erklärte in dieser Woche, Bad Bunny sei einer der größten Künstler der Welt. Das sei ein Grund, warum sie sich für ihn entschieden hätten.

Was Bad Bunny präsentierte, war eine Hommage an seine Heimat Puerto Rico und die Latino-Kultur. Und ein deutliches Zeichen gegen die Dominanzpolitik Donald Trumps.

Als Bad Bunny «God Bless America» sagt, zählt er alle Länder des amerikanischen Kontinents auf. Sie alle gehören dazu und sind ein Teil des Ganzen. Bad Bunny setzt damit ein lautes Zeichen für eine Gemeinschaft, die nicht nur von Homogenität geprägt ist. «Make Amerika great again» – da gehören alle dazu.

Bad Bunny ruft uns mit seiner Performance ins Gedächtnis, dass Amerika mehr ist als die USA oder gar die weisse und männliche USA. «Make America great again» bedeutet im Kontext dieser Show die Grösse und Vielfalt als Einheit und Verbundensein.

Berechnungen

Besonders die Halftime-Show, aber auch die Berichterstattung von NBC werden Thema in den Medien sein. Natürlich auch die alternative Halftime-Show.

Vielleicht bleibt auch dadurch bei mir ein Beigeschmack zurück. Weil sich mir die Frage stellt, aus welchen Gründen hier welche Entscheidungen getroffen wurden.

Gleichzeitig setzen Halftime-Shows, wie die von Bad Bunny, und divers besetzte Expert:innenrunden für die Zuschauer:innen wichtige Zeichen von Inklusion und Integration. In einem Amerika, das innerlich gespalten ist und sich nach aussen immer stärker abgrenzt, ist dies von hohem Wert. Vielleicht ist das berechnende Element dahinter dann auch egal.

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