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«Grosser Gott wir loben dich»

Dieses Lied geht an den wenigsten vorbei: «Grosser Gott wir loben dich» gehört zu den verbreitetsten Kirchenliedern überhaupt. Ursprünglich geht es auf den lateinischen Hymnus «Te Deum» zurück, ein Gotteslob aus dem 4. Jahrhundert. Seit dem 19. Jahrhundert wird es in fast allen Konfessionen gesungen, ist in Übersetzungen um die ganze Welt gegangen – und hat eine Reihe von musikalischen und textlichen Überarbeitungen erfahren.

Von den Deutschen Christen wurde es im zweiten Weltkrieg nationalsozialistisch umgedeutet. Der Schweizer Pfarrer Karl von Greyerz hat dem Lied nach dem Krieg dann einen pazifistischen, sozialistischen und anti-kapitalistischen Text gegeben.

Manuel und Stephan können ihre Faszination für dieses Lied nur schwer verbergen. In einer kurzlebigen, sich rasant verändernden Welt steht ein Hymnus, der seit über 1600 Jahren von Christen gesungen wird und uns fast mit der ganzen Kirchengeschichte verbindet, irgendwie quer in der Landschaft. Die hymnische, erhabene Melodie trägt dazu bei, dass dieses Lied bei vielen Gänsehaut auslöst. Vernebeln solche Gefühle aber den Text, und können sie auch für niedere Motive missbraucht werden?

Über diese und andere Fragen diskutieren Stephan und Manuel in dieser Folge…

Hier gehts zur Spotify-Playlist dieser Staffel, auf der du alle besprochenen Lieder anhören kannst…

… und hier ist der Text zu «Grosser Gott wir loben dich»:

1.
Großer Gott, wir loben dich;
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.

2.
Alles, was dich preisen kann,
Cherubim und Seraphinen
stimmen dir ein Loblied an;
alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh
„Heilig, heilig, heilig“ zu.

3.
Heilig, Herr Gott Zebaoth!
Heilig, Herr der Himmelsheere!
Starker Helfer in der Not!
Himmel, Erde, Luft und Meere
sind erfüllt von deinem Ruhm;
alles ist dein Eigentum.

4.
Der Apostel heilger Chor,
der Propheten hehre Menge
schickt zu deinem Thron empor
neue Lob- und Dankgesänge;
der Blutzeugen lichte Schar
lobt und preist dich immerdar.

5.
Dich, Gott Vater auf dem Thron,
loben Große, loben Kleine.
Deinem eingebornen Sohn
singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heilgen Geist,
der uns seinen Trost erweist.

6.
Du, des Vaters ewger Sohn,
hast die Menschheit angenommen,
bist vom hohen Himmelsthron
zu uns auf die Welt gekommen,
hast uns Gottes Gnad gebracht,
von der Sünd uns frei gemacht.

7.
Durch dich steht das Himmelstor
allen, welche glauben, offen;
du stellst uns dem Vater vor,
wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht,
wenn der letzte Tag anbricht.

8.
Herr, steh deinen Dienern bei,
welche dich in Demut bitten.
Kauftest durch dein Blut uns frei,
hast den Tod für uns gelitten;
nimm uns nach vollbrachtem Lauf
zu dir in den Himmel auf.

9.
Sieh dein Volk in Gnaden an.
Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit es auf der rechten Bahn,
dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit,
nimm es auf in Ewigkeit.

10.
Alle Tage wollen wir
dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir
Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett aus Sünden, rett aus Tod,
sei uns gnädig, Herre Gott!

11.
Herr, erbarm, erbarme dich.
Lass uns deine Güte schauen;
deine Treue zeige sich,
wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein:
Lass uns nicht verloren sein.

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4 Kommentare zu „«Grosser Gott wir loben dich»“

  1. Hi,

    hier der kurze Fakten-Check:
    „Schwerter zu Pflugscharen“, steht es in Micha oder Jesaja?
    Ganz einfach, beides stimmt. 😄
    Micha 4,3 fließt später wörtlich in Jesaja 2,4 ein.
    Um euch jetzt aber wieder etwas durcheinander zu bringen:
    Joel 4,10 dreht den verheißungsvollen Aufruf zum Frieden um und formuliert „macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße“.

    Danke für eure Arbeit und liebe Grüße aus Münster
    Benni

  2. @OZEANISCHES_GEFÜHL: Über uns Teutonen brach dieses ozeanische Gefühl zuletzt herein bei dem zu Ehren der Bundeskanzlerin Angela Merkel am 2. Dezember 2021 veranstalteten Großen Zapfenstreich.
    Die Playlist: 1. Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hildegard Knef), 2. Großer Gott, wir loben Dich 3. Du hast den Farbfilm vergessen (Nina Hagen) —— So sind wir halt.

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