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Kopftuch und Kruzifix – wie viel Religion verträgt die Schule?

Stephan sendet diese Woche noch immer sonnengebräunt und tiefenentspannt aus dem Strandurlaub – mit Unterwasserbegegnungen, die ihn ehrfürchtig werden lassen. Manuel hingegen verliert Zuhause den Überblick über seine ADHS-Termine, aber nicht über das, was in der Schweiz gerade Wellen schlägt: In Eschenbach SG wollte eine junge muslimische Frau Primarlehrerin werden. Weil sie ein Kopftuch trägt, hat die Gemeinde nach Elternprotesten auf die Anstellung verzichtet.

Für Stephan und Manuel Anlass zur Frage: Was bedeutet es eigentlich, wenn öffentliche Schulen «religiös neutral» sein sollen? Gilt das für Kopftuch und Kreuzkette gleichermassen? Und schützt ein pauschales Verbot sichtbarer Religion tatsächlich den Schulfrieden – oder bräuchte es vielmehr mehr Offenheit, Austausch und Vertrauen in die Urteilskraft junger Menschen?

Eine Folge über Religionsfreiheit, über die Unmöglichkeit weltanschaulicher Neutralität – und über die Frage, ob man Spiritualität wirklich an der Türschwelle zum Klassenzimmer abgeben kann.

5 Gedanken zu „Kopftuch und Kruzifix – wie viel Religion verträgt die Schule?“

  1. “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

    Religion ist der/die/das … des nun “freiheitlichen” Wettbewerbs um …!?

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  2. Hallo zämme

    Danke euch für eine weitere Sendung,d ie zum Nachdenken anregt.
    Was mich allgemein an der Debatte ums “Kopftuch” stört – und was ich gerade in einer christlich-theologischer Diskussion vermisst habe – ist ein Einbezug des Habits der Nonnen oder Diakonissinnen. Natürlich sind das in der Zwischenzeit nur noch wenige Frauen, die sich so offensichtlich erkennbar christlich kleiden. Aber das wäre doch die zu vergleichende Ebende, nicht das Kruzifix um den Hals.
    Zu den “Göz Bunçuk”, dem alevitischen Schwert oder der Hand der Fatima um den Hals habe ich noch nie eine wirklich Kontroverse gehört…

    Wisst ihr dazu mehr? Wieviele Frauen im Habit unterrichten noch in der Schweiz? An öffentlichen Schulen? Gibt es da ebenfalls Vorstösse?
    Grundsätzlich finde ich den Ansatz, die eigene Gesinnung/Religion/ Anschauung offenzulegen, den hilfreichsten Ansatz, weil nur so die (immer vorhandene) Färbung anerkannt und transparent gemacht wird. Und: auch Atheismus ist eine Form von Glauben, nur eben keine “religiöse”

    Gut gemacht und weiter so!

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    • Danke liebe Katharine für die Ergänzung und die spannende Beobachtung – nein, ich weiss dazu nicht mehr als du, aber die Wahrnehmung ist sicher berechtigt: früher waren konfessionelle Schulen ja noch viel verbreiteter, da haben Frauen im Namen des christlichen Glaubens ihr Haupt verhüllt… in der Debatte um die muslimischen Kopftücher habe ich davon nie etwas gelesen… schon auch bezeichnend, irgendwie.

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  3. Ich war auch als ich noch Christ war lange für eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Aber da waren doch schon zunehmend spannkräfte in mir, denn es ist natürlich nicht bis ins letzte aufzudröseln.

    Ich sage jetzt: “getrennt so weit wie möglich”. Mit Grau Bereichen wie militärseelsorge, Reli Unterricht und spirituelle Krankenhäuser.

    Letzte Konsequenz ist doch oft was für Idioten 😉

    Mein letzter Link in der Zwei-Reiche-Theorie in meinem Buch war, zu sagen, fördrnswert ist eine religiosität, die eben eine solche Zwei-Reiche-Lehre fördert – ein aktiver, dynamischer Prozess nach vorn!

    Das “so weit wie möglich” würde ich nicht abwerten. Es entspricht etwa einem Richter im Sinne der Aufklärung, der sich seines Befangen Seins bewusst ist, und nach allen Kräften versucht so weit wie möglich neutral zu sein. Auch wenn er ein Parteibuch hat.

    Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meinem Reli Lehrer gemacht, den ich in der siebten gymi hatte und auf den ich in der elften fos in einer anderen Stadt wieder gestoßen bin. Ganz wesentlich, um meinen Fundamentalismus zu überwinden.

    Denn tatsächlich: ob Türkei, USA oder Frankreich – strikte Laizismen machen Flanken und Räume auf für fundamentalismen und parallelgesellschaften. Weil man nicht lernt, über rel zu reflektieren und sie teils auch mal fruchtbar zu machen. Aber hierzu gehört auch zu sehen, wenn liberale religiöse das zu locker und easy sehen mit der Religion. Religion ist immer Spiel mit dem Feuer.

    Wie so vieles.
    Aber manchmal müssen wir reingehen.
    Wer kann Ambivalenz?

    (Ich sehe vieles an vielen Strömungen des Islam kritisch inklusive der Quelltexte. Das häufige Geschmuse der Linksliberalen gefällt mir als einer der ihren nicht. Es gibt massive Probleme, und ich weiß nicht, wie und auf welcher Bühne wir sie ansprechen können ohne die Rechten aufzuwerten. Dass uns das gelingt, halte ich für wesentlich.)

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  4. Letztendlich sollte Schule sehr viel Religion vertragen, wenn sie denn richtig und nicht systemrational im Sinne der wettbewerbsbedingt-konfusen “freiheitlichen” Symptomatik zu materialistischer “Absicherung” interpretiert würde, damit wir Toleranz und Verständnis von ZWEIFELSFREIER Eindeutigkeit und EBENSO wirklicher Wahrhaftigkeit haben, für unsere Bewusstseinsentwicklung, anstatt Bewusstseinsbetäubung in einer manipulativ-schwankenden Welt- und “Werteordnung”.

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