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Bruce Wilkinson: Das Gebet des Jabez

Die pfingstlich-charismatische Szene wurde Anfang der 2000er Jahre förmlich überrollt von einem Gebet-des-Jabez-Hype. Das kleine Büchlein des evangelikalen Theologen Bruce Wilkinson hat die Aufmerksamkeit vieler Millionen Menschen auf ein unscheinbares Gebet mitten in den Geschlechtsregistern des ersten Chronikbuches gelenkt.

Manuel und Stephan diskutieren in dieser Folge über die theologischen Schwachstellen des Buches – und über ihre eigenen persönlichen Erfahrungen und theologischen Einschätzungen zum Thema Gebet. Eine spannende Folge zu einem Buch, das theologisch doch eher dünne Bretter bohrt…

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14 Kommentare zu „Bruce Wilkinson: Das Gebet des Jabez“

  1. Spannende Folge! Ich bin ebenfalls überzeugt, dass ein nahezu magisches Verständnis, wie es das besprochene Buch nahelegt dem Leben entsrpricht und auch nicht einem angemessenen Verständnis der Bibel.
    Zugleich bleibt die von Euch diskutierte Spannung, wie bei aller Differenzierung ein kindliches Vertrauen ins Gebet lebbar ist. Ich konnte mich mit vielem, was ihr andiskutiert habt identifizieren.
    Einerseits glaube ich, dass Gott Gebete hört und erhört und dass er auch heilend eingreifen kann. Andererseits habe ich es in über 20 Jahren Tätigkeit als Pfarrer einige Male sehr schmerzhaft erlebt, dass Menschen nach langer schmerzhafter Krankheit gestorben sind, obwohl viele für diese Personen gebetet haben.

    1. Manuel Schmid

      Danke Uwe für die Rückmeldung und die ehrliche eigene Positionierung – das ist die Spannung, in der auch ich das Gebet theologisch und praktisch wahrnehme…

  2. Roland Portmann

    Wow, tolle Folge: über Exegese zum Gebet; gerade das Gebet ist bei mir bzw unserer Gemeinde hoch im Trend; gerade im Angesicht des Krieges trauen viele Menschen dem Gebet enorm viel zu; die Menschen fordern von uns Kirchen Friedensgebete und auch meine Konfis trauen Gebeten enor viel zu… hat mich zuerst völlig erstaunt und auch ein bisschen überfodert… eure „Systematisierung“ lass ich mal zum Diskutieren in meinen Unti einfliessen…

  3. Alex aus Cloppenburg

    Ihr Lieben,
    sich kritisch mit dem Biblizismus auseinanderzusetzen, ist gut und richtig.
    Dass das Buch Amos für die „Schwerter zu Pflugscharen“ bekannt sein soll, ist mir neu.
    Kenne es nur aus Jes 2,4 und Mi 4,3.

    1. Manuel Schmid

      🙈🙈🙈 Danke Alex für den Hinweis… Ja, da wird deutlich, dass wir beide doch eher die Systematiker als die Alttestamentler sind…

  4. Albrecht Wörz

    Gebet, ein schwieriges Thema für mich. Gott ist allwissend, und ich bin es nicht. Wie kann ich jetzt Gott vorschlagen, was er nun tun soll? Ich bete sehr unspezifisch. Ich nenne ihm Personennamen oder Organisationen oder auch Sachverhalte (zB den Krieg in der Ukraine) mit der generellen Bitte um seine Barmherzigkeit, seinen Segen, sein Wohltun, wie auch immer das auch aussehen mag. Manchmal fühle ich mich gedrängt einen Namen in meine Liste aufnehmen zu sollen ohne zu wissen warum um später dann zu erfahren dass diese Person gerade da eine herausfordernde Zeit durchlebt hatte. Was ich da natürlich ganz wenig erlebe ist, sind konkrete Gebetserhörungen, welche ich dann durch eine Kerbe in meiner Bibel markieren kann.
    Gibt es irgendwo das Diagramm des Stephan zu kaufen? Ich hätte Interesse. Ich mag solche Diagramme, die mir schwieriges Terrain aufteilen in eine schöne Landkarte.

  5. Das war eine starke Sendung. Das Büchlein kenne ich auch vom herumliegen und überflugsweise Lesen. Es hat mich aber damals nicht so sehr angesprochen. Ich bin überzeugt, dass es beim Beten kein richtig oder falsch gibt, sondern es einfach tun.

  6. Barbara Göttler

    Herzlichen Dank für diese Folge, die mir sehr geholfen hat, einiges über das Gebet (sowie auch über das Auslegen von biblischen Texten) besser einzuordnen.
    Befinde mich seit längerem in einem intensiven Dekonstruktions ( z.T. auch schon wieder Rekonstruktionsprozess) und erlebe eure Podcasts, die ehrlichen Auseinandersetzung mit Fragen rund um den Glauben allgemein stets sehr wertvoll! Danke!
    Auch zum Thema Gebet habe ich viel dekonstruiert, was ich vielleicht vor 10 – 20 Jahren noch eher so im Stile des Verfassers vom Buch «Gebet des Jabez» geglaubt und versucht hatte zu leben. Unser 2. Sohn wurde vor 12 ½ Jahren mit einer schweren Körperbehinderung geboren. Die Heilungsprämissen der evangelikalen Kreise, wo ich mich damals bewegt, habe ich schon länger nicht mehr. Etwas, was mich im Zhsg. mit Gebet aber tiefer als zuvor berührt sind die Psalmen, diese Möglichkeit, das Herz auszuschütten mit allem, was da drin brodelt oder jubelt, dieses Aufgehobensein inmitten der Stürme und der Schönheiten des Lebens. Und ja, das «Vater unser» !!
    Eine weitere Erfahrung, die mir /uns immer wieder geschah und die ich nicht wirklich rationell erklären kann: Während all den vielen schlimmen Notfallgeschichten, die wir mit unserem behinderten Sohn erlebten, habe ich mir die Gewohnheit angeeignet, im ganzen Schock-Adrenalin-Verzweiflungszustand sms zu verschicken an Freunde und Verwandte, von denen ich wusste, dass sie beten würden. Da war – eine kurze Zeit nach dem Verschicken der sms – ausnahmslos immer ein tiefer, in dieser Situation unerklärlicher Friede, der kam und sich auf mich legte wie ein schützender Mantel.
    Auch in den Zeiten, in denen ich nicht mehr recht wusste, wie fest ich an die Wirkung von Gebet glaube – und ohne, dass ich in diesen verzweifelten Stunden (es ging zu viel drüber und drunter) an einen möglichen Nutzen dieser sms bzw. der Gebetsunterstützung von Freunden hätte denken können (und es so psychologisch vielleicht nachvollziehbar gewesen wäre).

    1. Manuel Schmid

      Liebe Barbara, herzlichen Dank für deine ehrliche und bewegende Rückmeldung auf den Jabez-Podcast! Es ist eine Freude, dich unter unseren Hörerinnen zu wissen!

  7. Liebe beide: Herzlichen Dank für Eure interessanten und authentischen Reflexionen zum komplexen, aber sehr wichtigen Thema Gebet.

    Ich selbst schwanke noch in meiner Meinung. Einerseits finde ich ein magisches Gebetsverständnis ziemlich infantil und unrealistisch; andererseits habe ich doch auch einige kleine verblüffende Erlebnisse mit eigenem Gebet gehabt, die nicht wirklich in mein „erwachsenes“ Gottesbild passen.

    Übrigens ein vielleicht etwas crazy Gedanke: Ihr scheint (wie wohl die meisten) davon auszugehen, dass Gottes Heilsplan die Wirklichkeit „lückenlos“ abdeckt, indem diese determiniert oder reaktiv gestaltet wird. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass Gott zwar eine übergeordnete Makrostrategie verfolgt, aber vieles, was uns tagtäglich widerfährt, aus seiner Sicht neutral ist bzw. er dazu indifferent eingestellt ist. Und genau in diesem nicht direkt Heilsplan-relevanten Bereich könnte es möglich sein, dass unser Gebet Gott als Anregung dient, aktiv zu werden…

  8. Während der Adolszenz hat das Jabezgebet mir sehr geholfen. Nur schon der Gedanke, dass Gott wirken kann.
    Ich glaube Gott wirkt in mir im Gebet etwas psychotherapeutisch. Mein Denken, meine Wahrnehmung verändert sich noch während dem Gebet. Ich erhalte andere Blickwinkel, neues Denken.
    Ich bitte nicht für ganz konkrete Dinge, wie ich es gerne hätte. Meine Gedanken sind so klein und Gott kann viel mehr bewirken als meine Vorstellungskraft. Ich erzähle Gott meine Sorgen und bin mir gewiss, dass Gott wirkt.
    Dadurch schenkt mir Gott Gelassenheit im Gebet.

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