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Wortklaubereien: gesetzliche Impfpflicht

Endlich! Einer hat den Mut, ein Land geht voran, eine Gesellschaft wird zum Testgelände. Bravo!

Ältere mögen sich erinnern. An das Geschrei bei der Einführung der Gurtenpflicht in Autos: seit 1974 Einbaupflicht bei Neuwagen, seit 1976 obligatorisch in Deutschland, seit 1980 via Volksabstimmung in der Schweiz. Welche Einschränkung persönlicher Freiheit! Welche Angst vor Fesselung! Doch welche Senkung der Todesrate! Oder an das Theater bei der Einführung der Helmpflicht: in Deutschland seit 1976 für Motorräder und 1978 für Mopeds, in der Schweiz seit 1981, in Österreich seit 1985. Welche Einschränkung persönlicher Freiheit! Welche Angst, sich nie wieder als Easy-Rider zu erleben! Doch welche Senkung der Todesrate!

Nun endlich! Der österreichische Kanzler will 2022 die gesetzliche Impfpflicht wiedereinführen. Ja, wieder! Es gab sie lange, in Deutschland seit 1874. Sie war selbstverständlich. Im Impfschein meiner Mutter steht 1928: Durch die Impfung ist der gesetzlichen Pflicht genügt. Es gab noch Pocken und Kinderlähmung, deren Opfer waren zu sehen. Meine eigenen Bescheinigungen gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Pocken datieren von 1956. Sie waren gesetzlich vorgeschrieben und wurden Schutzimpfungen genannt: mein eigener Schutz vor anderen und der Schutz anderer vor mir. Welche Freiheit, sich ohne Gefährdung zu bewegen!

Der österreichische Kanzler bekennt sich dazu, dass Volksgesundheit, wie das früher hiess, eine politische Aufgabe ist und nicht ins private Belieben gestellt werden darf. Bravo! Sein Mut wird wieder viel Geschrei und Theater auslösen. Hoffentlich wird dabei sichtbar und einsichtig, dass die Freiheit des Einzelnen ohne dessen Verantwortung für alle nichts wert ist. Bis hin zur politischen Weisheit, dass gelegentlich der Mensch vor sich selbst geschützt werden muss: seiner und aller Freiheit zuliebe.

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3 Kommentare zu „Wortklaubereien: gesetzliche Impfpflicht“

  1. Andreas Schneiter

    Lieber Matthias,
    Zu deiner „Wortklauberei“ kann ich nur sagen: Bravo! Könntest du sie vielleicht auch einer oder mehreren Tageszeitungen als Leserbrief zukommen lassen? Deine Gedanken verdienen es, einen weiteren Leser*innen-Kreise zu erreichen.

  2. Christine Mösch

    Es gibt zwei Unterschiede zwischen den aufgeführten Beispielen und Corona. Der erste ist das Virus selbst und der zweite die Art bzw. Technologie der medikamentösen Behandlung.

    Pocken, Kinderlähmung, Diphterie, Keuchhusten und Tetanus wie aufgezählt sind keine mutierenden Viren und ergo ausrottbar. Das Corona-Virus hingegen mutiert und kann deshalb nicht ausgerottet werden. «Wir müssten lernen mit dem Virus zu leben» ist hie und da von Fachleuten zu lesen und zu hören. Tun wir schon lange, denn Corona-Viren sind nicht neu.

    Am 13. November 21 veröffentlichte die von der EMA (Europäische Arzneimittelagentur) zur Erfassung zugelassener Arzneimittel im Europäischen Wirtschaftsraum eingerichtete Datenbank ENDRA (Endra Vigilance) foglende Zahlen zu den Covid-19-Impfstoffen:
    Nebenwirkungen 1’163’356
    Todesfälle nach Impfung 30’551
    Vergleich: Nebenwirkungen oder Todesfälle durch Helm- oder Gurtenobligatorium gleich 0.

    Gibraltar: Am 22.11.21 Impfquote 97% / Inzidenz 1056
    Alle Weihnachtsanlässe abgesagt, alles dicht.
    Schweden: mit der grössten natürlichen Durchseuchungsquote schneidet mit Abstand am besten ab.

    Von Impfdurchbrüchen (Klardeutsch: Impfversagen) wie mit dieser neuen Impf-Technologie hörte man bisher nie etwas. Müsste man nicht zwingend zuerst ehrlich und transparent das «Projekt mRNA- und Vector-Impfstoffe» evaluieren, anstatt auf Teufel komm raus mehr vom selben zu machen und alle zur Projektteilnahme zwingen zu wollen?
    Gibt das nur mir zu denken?

    1. Die Zahlen der ENDRA kenne ich nicht, lasse sie deshalb einfach so stehen. Ihre Argumente, dass die bisher bekannten Pandemien nicht von mutierenden Viren ausgelöst wurden, ist sehr einleuchtend. Dennoch bin ich der Meinung, dass es legitim und auch nicht überflüssig ist, sich gegen einen gefährlichen Erreger zu wehren zu versuchen. Immerhin haben die Impfungen einiges gebracht, auch wenn sie nicht alle Hoffnungen erfüllt haben. Von mir aus gesehen, sind sie dennoch berechtigt und haben vor allem dafür gesorgt, dass nicht die ganze Bevölkerung aufs Mal erkrankte (ja, die sonstigen Massnahmen waren auch hilfreich) und das Spitalpersonal völlig überforderten. Die Anzahl jener, die an den Folgen von Covid-19 verstorben sind oder unter sehr schweren Verläufen noch lange leiden, ist jedenfalls deutlich höher als die Zahl jener, die Nebenwirkungen unterschiedlichen Grades wegen der Impfung zu erleiden haben/hatten.

      Wenn ich auf ein übergeordnetes Umfeld schwenken darf: Ich bin 66 und versuche, mir selbst und den andern gegenüber grosszügiger zu sein, Fehler zuzugestehen, versöhnlich zu bleiben, wenn etwas nicht so gut gelingt, wie man es gerne gehabt hätte. Ich betrachte es als (m)eine Errungenschaft, es mir und andern nicht zu verübeln, wenn etwas grundsätzlich Hilfreiches auch Schattenseiten aufweist. So bin und bleibe ich der Forschung dankbar für das, was sie uns anbieten kann, und versuche, mich in diesem sehr anspruchsvollen Themenkreis so verantwortungsvoll wie möglich zu bewegen. Wohl wissend, dass nicht alles rundum gelingen kann und wird. Aber geht uns das im spirituellen Kontext nicht genau gleich?

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