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Wortklaubereien: Diskriminierung

Ein Wort fliesst dieser Partei derzeit flüssig durch die Feder und mit absichtsvollem Geifer auch über die Lippen: Diskriminierung. Nun also diskriminiert für einmal nicht das hinterlistige Europa die lautere Schweiz, sondern der machtgierige Bundesrat seine harmlosen Bürger. Man ahnt, wie mit diesem Wort Emotionen aufgewirbelt werden, und verwendet es am besten ohne Erklärung, was es bedeutet, und so auch gegen dessen Sinn: Der Bundesrat spaltet die Bevölkerung in «gute» Geimpfte und «böse» Ungeimpfte. Mit der Zertifikatspflicht diskriminiert der Bundesrat unzählige Menschen. Wer sich nicht impfen lassen will oder kann, wird vom sozialen Leben ausgeschlossen. Wer sich nicht impfen lässt, wird geächtet. Daran zerbrechen Familien und Freundschaften. Spaltung und Ausschluss, Ächtung und Zerbruch: Die Windmaschinen des Schmierentheaters laufen schon in Punkt 1 von 6 auf hohen Touren.

Dabei hat sich die Weltgemeinschaft der Völker eine Definition des Begriffs gegeben, die für ihre Mitglieder, falls sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte achten, seit 1949 ethisch auch verbindlich ist: Demnach ist Diskriminierung ein Verhalten, das auf einer Unterscheidung basiert, die aufgrund natürlicher oder sozialer Kategorien getroffen wird, die weder zu den individuellen Fähigkeiten oder Verdiensten noch zum konkreten Verhalten der individuellen Person in Beziehung stehen. Ich kann also nur wegen etwas diskriminiert werden, für das ich nichts kann! Hautfarbe zum Beispiel, Herkunft, Sprache, Sexualverhalten, Behinderung, Armut usw. Wofür ich aber etwas kann, zum Beispiel mich impfen zu lassen, um mich und andere vor einer Krankheit mit hoher Todesrate zu schützen, oder, solange keine gesetzliche Impfpflicht besteht, die Impfung zu verweigern, dafür kann ich nicht diskriminiert werden.

Ein Gesetz, das der Bekämpfung einer Seuche dient, kann keine Diskriminierung sein, solange ich die Möglichkeit habe, die Seuche durch Impfung selbst auch zu bekämpfen! Hingegen ist die willkürliche Verwendung, die diese Partei vom Begriff Diskriminierung macht, nichts anderes als Demagogie. Das zeigt sich auch darin, dass es dieselbe Partei war, die eben ein Ende der Diskriminierung von Lesben und Schwulen abgelehnt hat.

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1 Kommentar zu „Wortklaubereien: Diskriminierung“

  1. Christine Mösch

    Die Sprache scheint sich auch bei diesem Thema verändert zu haben, denn …
    interessant finde ich, dass selbst der Europarat in der Resolution 2361 vom 27.1.2021 zu den Covid-19-Impfstoffen und -Impfung nebst der Wortwahl «nicht unter Druck setzen» in Paragraph 7.3.2. «sicherstellen, dass niemand diskriminiert wird» (discriminated against) gewählt hat.
    Diese Resolution spricht gegen eine Impfpflicht.
    Beruhigend finde ich, dass der Europarat keine parteipolitischen Entscheidungen trifft.

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