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Wortklaubereien: deutlich gemacht, dass

Nun geht sie. Viele Jahre hat sie ihrem Volk (sehr) deutlich gemacht, dass dies und das irgendwie ist oder sein wird. Deutlichmachen war ihr Job. So deutlich hat sie vieles gemacht, dass nach ihrem Abgang die grosse Vernebelung droht. Dieser politische Lieblingsausdruck, nicht nur von ihr sondern von vielen, Kolportierenden zumal, liest sich wie ein An­g­lizismus von to make clear oder to show. Warum aber nicht klären oder zeigen, allenfalls ver­deutli­chen? Warum drei Wörter statt eines? Wa­rum so umständlich?

Ich vermute mal, der umständliche Ausdruck gehört in die Rhetorik poli­ti­scher und diplomatischer Vernebelung und sagt eigentlich das Gegenteil vom Gesagten: Da es nicht geht, nichts zu sagen, antwortlos vor die Pres­­­se zu treten oder die Stimmbürgerschaft im Ungewissen zu lassen, wie schwach wäre das denn? sagt man lieber etwas, das eigentlich nichts ist oder bestenfalls eine vage Ankündigung. Man nimmt Stellung, ohne Ross und Reiter nennen, Nägel mit Köpfen machen, Klartext reden zu müssen. Man hat sich Aufschub und Luft verschafft. Man kann zur Ta­gesordnung zurück. Die hohe Kunst, allein mit der Ankündigung Zu­frie­den­heit auszulösen, ja, mit dem Nachdruck sehr Autorität und Wil­lens­kraft zu beweisen, um unmittelbar danach die Unterlage zu schlies­sen, sich zu erheben und lächelnd die Bühne zu verlassen, hat das kom­munika­ti­ve Beruhigungsritual vieler Jahre geprägt.

Mag sein, dass ich mit meinem Verdacht manchmal falsch liege. Ihn aber zu haben, halte ich für demokratische Bürgerpflicht: Was der Rabbi aus Nazaret von jedem fordert, dass ein Ja ein Ja sei und ein Nein ein Nein, hingegen jedes weitere Wort vom Übel wäre (Mt 5,37), ist auch von Ge­wählten und Leitenden zu fordern. Wahrheit ist, wenn Ross und Reiter genannt werden (Ex 15,21). Das muss mal deutlich ge­macht wer­den!

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