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Wortklaubereien: Angebot

Dabei hätten sie sich beraten lassen, viel Zeit und Geld investiert, Herz­­blut vergossen, doch nun würde auch dieses Angebot zu wenig ge­­­fragt und wieder gestrichen. Es wäre manchmal schon zum Verzwei­feln, und ja, die Mienen der Pfarrerin und des Pflegers sprachen Bände. Sie wol­l­ten es richtig machen und waren engagiert im Leeren unterwegs.

Ist es aber Aufgabe von Kirche, Angebote zu machen, frage ich mich, funk­tioniert sie wie eine Firma oder eine Dienstleisterin, und ist ihre Mis­sion, Nachfragen mit Produkten zu befriedi­gen? Wenn nicht An­ge­bote, was macht Kirche? Ätzend beharre ich darauf, er­stens, dass sie nicht etwas macht, sondern etwas ist, und zweitens, dass sie nicht für Nach­fra­gende produziert, sondern mit Fragenden lebt, um mit ihnen Gele­gen­hei­ten, ganz Mensch zu sein, zu gestalten.

Das Paradigma des Markts aus Angebot und Nachfrage ist heute abso­lut dominant. Es konditioniert alle Lebensvollzüge, und dies schein­bar alter­na­tivlos. Mindestens zwei Bereiche passen aber nicht ins Sche­ma: Re­li­gion und Kultur. Diese beiden machen ihrem Wesen nach keine An­gebo­te, sondern ge­stalten Gelegenheiten. Typisch für sie ist Kon­­tin­genz. Sie sind unvorhersehbar und begegnen plötzlich. Sie ereig­nen sich im Augen­blick. Ihre Wahrheit steckt im brennenden Dornbusch, im Säu­seln eines Lüftleins, im Schrei am Kreuz, im weggerollten Stein eines Höh­len­grabs. Keiner kann derlei machen, und alle sehnen sich danach. Die hei­li­ge Weile dieser Wahrheiten, für die ich bereit bin, kann mein Mensch­sein ganz werden lassen. Religion und Kultur gestalten heilige Weilen der Wahrheit. Sie sind nicht machbar, käuflich, bezahlbar, aber so wert­voll wie das Leben selbst.

Klar, wie alles, sind auch Religion und Kultur kommerzialisierbar und mehr oder weniger käuflich. Das kann auch lange gut gehen. Nur, sobald es um Wahrheit geht und also um ihr Wesen und ihre Mission, verstum­men käuflich gewordene Religion und Kultur. Sie haben sich selbst verlo­ren und funktionieren nur noch in einem dominanten Paradigma, das von ganz anderen Kräften bestimmt wird.

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1 Kommentar zu „Wortklaubereien: Angebot“

  1. Christine Mösch

    Kirche machen zu wollen scheint mir die Versuchung seit Beginn des organisierten Christentums zu sein, genährt durch hierarchische Strukturen. Das Gesetz der Anziehung von Ursache und Wirkung?
    Angebote sind mit Erwartungen seitens des Anbieters verbunden. Kaum jemand will ge- oder missbraucht werden um Erwartungen erfüllen zu müssen, sondern jeder Mensch will als Person gemeint sein, was nur in gelebter Begegnung und Beziehung auf Augenhöhe erfahrbar ist.
    Wir könnten bei Jesus abkupfern wie das geht, denn er lebte als Mensch mit den Menschen.
    Danke für diesen leidenschaftlichen Text.

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