Less noise – more conversation.
Less noise – more conversation.
Lesedauer: < 1 Minute

Wortklauberei: zum jetzigen Zeitpunkt

Warum nur höre ich immer öfter die aufgeblasene Phrase zum jetzigen Zeitpunkt statt des einfachen Adverbs jetzt? Drei Wörter statt eines einzigen und zwanzig Buchstaben statt deren fünf. Warum so viel Aufwand? Warum Tautologie und Pleonasmus? Jetzt ist bereits der Zeitpunkt.

Meine Vermutung ist, dass aufgeblasen daherkommt, was in Wahrheit inhaltsleer, kleinkariert und verunsichert dasteht. Kaisers neue Kleider! Statt ehrlich zuzugeben, dass er es nicht weiss, sagt der Politiker, er könne zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben. Im Pleonasmus plustert sich eigentlich Fehlendes zu blendender Wichtigkeit.

In Andersens Märchen mag niemand, am wenigsten der Kaiser, zugeben, dass er die teuren neuen Kleider gar nicht sehen kann. Nur der könne das, der nicht dumm sei, hatten die gewitzten Weber gesagt. Erst als während eines Umzugs ein Kind lachend ausrief, der Kaiser sei ja nackt, flog die Sache auf. Für einmal war das Verhalten der Erwachsenen kindisch und das Verhältnis dieses Kinds zu Wahrheit erwachsen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre mehr davon so unterhaltsam wie ehrlich.

Selig, wer jeglicher Art blendender Pleonasmen mit Lust die Luft rauslässt!

What do you think of this post?
  • OMG! (2)
  • Karma-Boost (4)
  • Deep (2)
  • Boring (2)
  • Fake-News (1)

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.