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Wortklauberei: zielführend

Eine Massnahme sei zielführend, höre ich. Die das sagen, set­zen vor­aus, dass das Ziel bekannt und anerkannt ist, doch häufig habe ich den Eindruck, dieser Neologismus diene vor al­lem dazu, das Ziel nicht zu nen­nen oder den Leuten un­dis­ku­tiert unterzujubeln.

Hidden Agenda nennen das Strategie und Diplomatie, jene Agenda, von der man natürlich nie sagen wird, dass es sie gibt, also redet man von ziel­führend, was wie das Gegenstück von ziellos wirkt und blindlings zu­frieden stellt. Keiner fragt mehr. So kann es paradoxerweise zielführend sein, das Wort zielfüh­rend zu verwenden.

Was angeordnet wird, führe zum Ziel, diese For­mulierung unterstellt auch, dass es in jedem Fall um ein Ziel oder mindestens um das Ziel geht. Wirtschaft und Politik agieren selbstverständlich nicht planlos. Wie oft aber deckt später eine Untersuchung nach zahllosen Sitzungen auf, dass entweder kein eindeutiges Ziel verfolgt oder aber ein irreführendes ge­nannt worden war. Am Ende ist zielführend sprachlich parallel zu irre­führend entstanden?

Zielgerecht unter Nennung des Ziels und zweckmässig unter Offenle­gung des Zwecks sind jedenfalls die einer Demokratie mit zivilbürger­li­cher Aufmerksamkeit entsprechenden Wörter. Wie mir zielführend aber oft begegnet, ist es ein vernebelndes Wort, das vor allem einen Zweck verfolgt: Seinen Benutzer als Führer zu preisen.

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