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Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: Wir bitten um Entschuldigung

Wenn ich in der S-Bahn sitze und es Probleme gibt mit dem Weiterkommen, freue ich mich über rasche Informationen. Die Transportunternehmen machen das inzwischen richtig gut. Zu gut sind sie aber oft, wenn am Schluss der Durchsage der Satz kommt: Wir bitten um Entschuldigung! Er stimmt fast nie. Richtig wäre fast immer: Wir bitten Sie um Verständnis!

Entschuldigen muss ich mich nur, wenn Schuld vorliegt und ich ursächlich an ihr beteiligt bin. Hat sich jemand auf die Schienen gelegt, um zu sterben, dann hat die Bahn keine Schuld, und entschuldigen könnte sich nur der Tote. Hat aber ein Gleisbauunternehmen eine Kabelrolle liegen gelassen, und der Zug musste eine Vollbremsung hinlegen, so ist die Bahn beteiligt und muss sich für mangelnde Kontrolle entschuldigen.

Ich finde den Unterschied wichtig, weil ich meine, Schuld und Verständnis seien zu wichtige Faktoren für gelingendes Zusammenleben, als dass man unüberlegt von ihnen sprechen sollte. Eine Welt ohne Sinn für Schuld kann man ebenso wenig wollen wie eine ohne Sinn für Verständnis. Wer sich selbst schon mal bewusst entschuldigt oder etwas tief verstanden hat, weiss, wie teuer das ist. Leichtfertig geht das nie. Und auch das noch: Das Sie gehört in den Satz, wenn er an der Zeit ist.

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2 Kommentare zu „Wortklauberei: Wir bitten um Entschuldigung“

  1. Der Vergleich mit der Bahn funktioniert nicht wirklich.

    Die Mitarbeitenden der Bahn sind (immer noch) stolz auf ihren Beruf. Sie geben tagtäglich ihr Bestes damit die Kunden sicher und rechtzeitig ans Ziel kommen. Sie fühlen sich persönlich verantwortlich und darum bitten sie oft um Entschuldigung (und Verständnis).

    Seit ich verheiratet bin, habe ich gelernt, auch für Dinge um Entschuldigung zu bitten, für die ich nur indirekt (wenn überhaupt) verantwortlich bin. Der Pantoffelheld in mir sagt: “Dann ist wieder Ruhe und ich werde in Ruhe gelassen.” Der Ehemann sagt: “Meine Frau fühlt sich verletzt. Auch wenn es überhaupt keine Absicht war, zeige ich ihr, dass ich sie und ihre Gefühle wahrgenommen habe.

    P.S. Ich arbeite seit Jahren bei der Bahn 😉

  2. Thomas Grossenbacher

    Ich muss mich nicht entschuldigen, weil das gar nicht geht. Ich kann und will um Entschuldigung bitten. Der forensische Akt geht nur über Bitten und Bekommen. Er ist nicht von mir als dem Schuldigen zu bewältigen, sondern allein in der Bitte mit der ich mich dem/der von mir Verletzten ausliefere und hoffentlich Ent-schuldigung erfahre. Garantiert ist das nicht und schon gar nicht läuft das automatisch.”Tschuldigung” macht es sich zu einfach, es ist schon fast so, wenn ich jemandem, dem ich auf den Fuss getreten bin, “hoppla” sagen würde. Darum geht nur: “das tut mir leid, bitte entschuldige”

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