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Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: Wellenbrecher

Bravo! Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat ein deutsches Wort zum Wort des Jahres erkoren, das es sogar gibt. Anglizismen und Neologismen haben 2021 für einmal das Nachsehen. Sorry!

Wellenbrecher ist ein schönes Wort. Sofort sehe ich riesige Felsbrocken vor mir oder gigantische Betonteile, die an offenen Küsten Wellen brechen. Ebenso schnell tauchen Schiffe auf, die in schwerer See mit gewaltigen Brechern kämpfen. Einmal war ich auf einem solchen Boot, das Berge hinauffuhr, um plötzlich in Täler hinabzugleiten, neben denen sich neue Höhen türmten. Unverzurrtes flog herum, bereitgestellte Kübel füllten sich, der Kapitän hatte zu tun. Wie schön, dass er seinen Beruf beherrschte, und klar: Einmal reicht!

Erstaunlich, dass ein Wort das Rennen gemacht hat, das eine Metapher ist. Wie oft wird beklagt, Menschen hätten den Sinn für sprachliche Bilder verloren, und Schreibende sollten sie vermeiden. Wellen, die gerade an unser Leben anbranden, sind nicht nass und salzig, nicht allein an Küsten zu erleben, nicht in Siebenerreihen minutenschnell zu erkennen. Und doch verstehen alle, was gemeint ist: Das Nieerlebte, eine weltweite Seuche, fördert Bildverstehen, wie schön!

Noch erstaunlicher, dass die Metapher eine Hoffnung enthält. Gefunden ist der Brecher ja noch nicht, aber erhofft wird er von allen. Wie oft wird bedauert, Menschen hätten die Hoffnung auf ganz Grosses verloren und gäben sich mit kleinen Ablenkungen vom Unvermeidlichen zufrieden. Und doch teilen alle diese gemeinsame Hoffnung, denn einmal reicht! Das Nieerhoffte, ein weltweites Ende pandemischer Wellen, fördert eine Hoffnungsmetapher zutage, wie schön!

Bravo! Der Wellenbrecher möge in aller Munde bleiben, bis sie wirklich gebrochen sind. Ohne gefragt zu sein, schlage ich hiermit bereits das Wort des Jahres 2022 vor: Eisbrecher. Zwischen den Wellen hat sich Packeis gebildet. Die Pandemie hat gesellschaftliches Leben zunehmend vereisen lassen. Die Kommunikation ist ohne Metaphern eisig geworden. Wir werden Eisbrecher brauchen. Der aus christlicher Tradition heisst Versöhnung, auch eine Hoffnungsmetapher.

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3 Kommentare zu „Wortklauberei: Wellenbrecher“

  1. Jürgen Friedrich

    Die ‚Wortklauberei‘ greift zu kurz mit dem Anpicken einzelner Vokabeln. Immerhin ‚pickt‘ sie in die richtige Richtung. Denn Wörter – Träger der Sprache – sind das Bindemittel von menschlichem Wirken und Streben schlechthin. Aber das Wort „Klimaschutz“ ist eine Krücke. Sag selbst! Was ist am Klima zu schützen?

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