Less noise – more conversation.
Less noise – more conversation.
Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: sich abgearbeitet am

In seinem letzten Buch habe Christoph Schlingensief sich ab­ge­ar­bei­tet am Ka­tho­li­zismus, meint die Professorin im Radio. Es geht ums Sterben. Mich schau­­dert bei diesem Ausdruck! Bilder steigen in mir auf, wie einer, der bald gehen muss, wut­ent­brannt einschlägt auf einen gesichtslosen Po­panz, bis bei­de kaputt zu­­sammenklappen. Eine Aufgabenliste kann ich abarbeiten, einen Aktenberg, auch einen Berg Schulden. Auch mich, meinen Körper, sogar meine See­le kann ich abarbeiten mit jahrelangem Schuften, kann abgearbei­tet endlich in Rente gehen. Aber den Katholi­zis­mus?

Das Objekt verschiebt sich hier von realen Objekten, die jetzt nur noch Me­dium sind, auf das eigene Subjekt. Zwei neue Wör­ter umrahmen das alte. Der geläufige Ausdruck wird reflexiv. Was einst Schweiss kostete, ist nun Hirnarbeit geworden.

Ich kenne Schlingensiefs Buch. Was er sucht, eindrücklich und vorbild­lich, ist Versöhnung. Am Ende seines Lebens kehrt er an dessen Anfang zurück. Erlebnisse mit Eltern und mit Kirche werden wach. Zer­schla­gen wird nichts, aber an­ver­wandelt. Sein katholischer Glaube ist da, aber er setzt sich erwach­sen mit ihm auseinander. Er re­flektiert, re­bel­liert, kon­stru­iert. Er ist poetisch tätig, aber nicht destruktiv. Kirche ist nicht Feindin wie für viele Halbintellektuelle, sondern Quelle von Inspira­tion.

Überlassen wir Arbeit echten Arbeiterinnen und Arbeitern! Falsche soll­ten lernen, das einfühlsam für sich zu reflektieren, statt sich grobklot­zig und ohne selbst dabei zu schwitzen an Anderen abzuarbeiten.

What do you think of this post?
  • OMG! (0)
  • Karma-Boost (2)
  • Deep (2)
  • Boring (0)
  • Fake-News (0)

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.