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Wortklauberei: Sans-Papiers

Das Wort ist schon länger in Gebrauch. Es gibt die ohne und die mit.

Ich erinnere mich an eine Szene im Jahr 2005 auf dem riesigen Busparkplatz vor der Grossen Mauer im Norden von Beijing. Riesig war auch die Toilettenanlage. Wer hinein wollte, musste draussen so viel Klopapier abrollen, wie er drinnen zu benutzen gedachte. Manche gingen mit hinein, andere ohne. Dieses erstaunliche Verfahren riss mich zu der Bemerkung hin, nun verstünde ich endlich, wer Sans-Papiers seien. Unterdessen ist das Gelächter verklungen und die Bezeichnung offiziell geworden: Es sind Migrantinnen und Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus.

Die bürokratische Nomenklatur ist so wenig zum Lachen geeignet wie die Automodelle Qashqai oder Touareg: Es handelt sich um Menschen! Autofirmen missbrauchen exotische Stammesnamen, und Bürokratie reduziert sehr verschiedene Menschen auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner. Hinter Blech und Papier verbergen sich nun Zahlen statt Seelen, Nutzen statt Würde. Verkauf und Abwehr sind Leitmotive, nicht Verstehen und Humanität.

So blöd der Witz von 2005 auch war, so wahr ist er: Wer ohne Papier ins System eintritt, hockt bald einmal tief in der Scheisse. Ohne ist man ein Nichts, mit einer systemischen Nummer. Den Avec-Papiers dürfte endlich mal eine bessere Bezeichnung einfallen.

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