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Wortklauberei: Impfzwang

Bürgerpflicht ist ein achtbares Wort aus dem Wortschatz der Demokratie. Es korrespondiert dem Bürgerrecht, ohne das eine nicht das andere. Ge­nerationen haben dafür gekämpft, und immer noch zeigt die Riege gries­grämiger Greise weltweit, wie es sich lebt, wenn Bür­gerbewusstsein nichts gilt. So gibt es in der Demokratie die Frei­heit nicht an sich, son­dern nur als verbriefte Freiheitsrechte in Korrespon­denz mit festgelegten Solidar­pflich­ten.

Wie schnell sich derlei verkehrt, zeigt das inzwischen geläufige Wort Impfzwang, eine Neubildung, die diffamiert und manipuliert: Wer in die­sem Jahr als Politikerin oder Politiker gewählt werden will, kann nicht für Impfzwang sein, versteht sich von selbst. Das de­mo­kratisch richtige Wort wäre «Impfpflicht» in Korrespondenz zum Ge­sund­heitsrecht: Als Bürger ha­be ich ein Recht auf Gesundheit und des­halb eine Pflicht, mich im Seu­chenfall aus Verantwortung für alle impfen zu lassen. Impfpflicht ist auch nichts neues: Bei Pocken, Masern, Kinderläh­mung bestand sie, bei an­de­ren besteht sie. Ohne Gelbfieberimpfung kann ich einige Länder nicht bereisen.

Ebenso verkehrt ist die Behauptung, die wiedererlangte Bewegungsfrei­heit Geimpfter sei ein Privileg. Verbriefte Freiheitsrechte sind keine Son­derrechte, aber verweigerte Solidarpflicht straft sich selbst. Wäre es an­ders, wür­de Dummheit belohnt und Bürgerbewusstsein bestraft.

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3 Kommentare zu „Wortklauberei: Impfzwang“

  1. Christine Mösch

    Interessante Gedanken, welche zum Denken anregen. Im Text haben dies bei mir „Verantwortung für alle / Solidarpflicht / Bürgerbewusstsein / Recht auf Gesundheit“ ausgelöst. Begriffe, welche wohl nicht nur Impfbefürworter, sondern auch Impfkritiker, oder Impfstoffkritiker, als auch Impfgegner bejahen würden. Die Gründe aller sind sehr unterschiedlich. Nichts ist so schwarz-weiss wie es oft erscheint.

    Es gibt Ungeimpfte, welche sehr vorsichtig und verantwortungsbewusst leben, möglichst alle Risiken auszuschliessen versuchen, sich an sämtliche Massnahmen gehalten haben und zur Zeit bewusst auf Reisen verzichten. Auf der anderen Seite gibt es Geimpfte, welche jede Vorsicht fallen lassen, das Risiko eingehen neue Varianten aus den Ferien nach Hause zu bringen und anderes mehr. Auf welche Gruppe die obgenannten Begriffe wohl eher zutreffen?

    Recht auf Gesundheit fordern alle! Sehr viele der Impfkritischen zweifeln an der Sicherheit der neuen Impftechnologie, welche als sicher angepriesen und intensiv beworben wird. Was man von ihnen mit absoluter Sicherheit sagen kann, ist, dass sie so sicher sind, dass die Hersteller selber keinerlei Haftung für ihr Produkt übernehmen und Milliarden damit verdienen. Dies erscheint längst nicht allen vertrauenswürdig. Wie sicher diese genbasierten Impfungen wirklich sind, wissen wir in 5, 10 oder 15 Jahren, ggf. endgültig auch erst in 1-2 Generationen. Was am Computer funktioniert, funktioniert nicht zwangsläufig in der Realität auch.

    Wenn Impfung für alle Pflicht sein soll, dann wäre es meines Erachtens auch Pflicht unterschiedliche Technologien anzubieten, damit jeder für sich selber eine Risikoabschätzung betreffend seiner eigenen körperlichen Unversehrheit machen kann. Ein Impfstoff mit herkömmlicher Technologie (erst noch ein Schweizerprodukt) ist bereits zur Kontrolle angemeldet. Ich denke, wir tun besser damit abzuwarten als uns jetzt gegenseitig aufzureiben.

    Ohne das Virus und mögliche schwere Verläufe in Abrede zu stellen, frage ich mich manchmal, ob das Corona-Virus oder dessen Folge-Virus namens Spaltung grösseren Schaden anrichtet. Noch nie gab es etwas, was die ganze Gesellschaft, Familien, Paarbeziehungen, Freundschaften derart zerrissen hat. Die Krankheiten Angst- und Panikverbreitung, Argwohn, Rechthaberei, Lieblosigkeit bis hin zu Hass beunruhigen mich mindestens so sehr. Zudem sind sie allesamt Immunsystem schwächend. Wenn es dagegen eine Demo gäbe, würde ich hingehen.

    1. Verena Thalmann

      Liebe Christine Mösch
      Ganz herzlichen Dank für Ihre sachliche, verständnisvoll ausgeführte Stellungsnahme zum Artikel „Impfzwang“.
      Hinter dieser Haltung kann ich voll stehen und hoffe von Herzen, dass diese Seite der Krise in ihrem Gesamtkontext noch von Vielen bewusst werden kann.
      Lieben Gruss Verena Thalmann

    2. Liebe Christine
      Deinen besonnenen Worten schliesse ich mich gerne an. Wir brauchen BrückenbauerInnen und nicht neue Fronten. Kürzlich einen Berufskollegen besucht: Er selbstverständlich geimpft, seine Frau ebenso selbstverständlich nicht geimpft. Gestern ein Ehepaar getroffen: Sie, Pharmakologin, geimpft, er, Geschäftsinhaber, nicht geimpft. Der Riss geht quer durch Ehen, Familien, Vereine. Macht die Kirche bei dieser Spaltung aktiv mit? Die, die jetzt Öl ins Feuer werfen und mit radikaler Rethorik einteilen in richtig und falsch, machen die Pandemie, die uns alle ein Stück weit bedroht, zum zwischenmenschlichen Konflikt. Sehe ich auch so: Was da kaputt geht und – mitunter vorsätzlich – kaputt gemacht wird, davon werden wir uns weniger schnell erholen als von der C-19-Problematik.
      FG – Ohne Klarname (Sorry, aber so weit sind wir)

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