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Wortklauberei: gleichsam

Akademiker schmücken gediegene Vorlesungen gern mit dem Adverb gleichsam. Schon als jungem Studenten stach es mir unangenehm ins Ohr. Ein wohlklingender Schnörkel ohne Bedeutung, wie mir schien, ein elegantes Füllsel aus Verlegenheit.

Inzwischen glaube ich, dass es sich um das deutsche Gegenstück zum lateinischen quasi handelt. In Zeiten, da fast niemand mehr Latein lernt und Radiosprecher der Virus sagen oder das Antiobiotika, zudem Misstrauen gegenüber Wissenschaften und Eliten grassiert, ist der öffentlichkeitsbewusste Akademiker auf die Landessprache umgestiegen, um sich volksnah zu geben. Leider gelingt ihm das nicht, denn gleichsam ist quasi der Kolibri unter Spatzen. Man kennt ihn so wenig wie einst quasi. Niemand sonst redet so. Viel populärer ist die andere Übersetzung von quasi, nämlich sozusagen. Sie ist bei manchen quasi die Taube in der Altstadt.

Rhetorisch gilt übrigens, dass eine echte Metapher kein wie oder gleichsam oder sozusagen braucht: Sie ist die Rose im Garten galanter causerie, die Nachtigall in der akademischen Rede, der Trüffel im Humus der Wissenschaft. Gleichsam!

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