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Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: funktioniert

Das funktioniert, lobt die Moderatorin im Radio. Dabei redet sie aber nicht von einem Computerprogramm oder Schutzkonzept, sondern bespricht den Plot eines Romans oder die Titelfolge einer Jazz-CD. Das irritiert.

Vom Programm und Konzept erwartet man, dass es funktioniert. Wenn ich den Schalter drücke, will ich Licht haben, und wenn Abstand versprochen ist, will ich im Theater entsprechend sitzen. Funktion ist eine pflichtgemässe Verrichtung, und was funktioniert, erledigt eine gestellte Aufgabe planmässig. Wie es sein soll, so tritt es ein.

Aber Literatur und Musik, Kultur und Religion? Nein, sie gehen nicht auf in Programmierung und Konzeption, auch nicht in der Lauge anschliessender Deutungen. Ihre Schöpfungen umfassen, wenn sie nicht billig gefallen wollen, immer auch Dysfunktionales. Religion und Kultur entstehen sogar nur in den Spalten und Brachen funktionierender Systeme. Sie sind, genauer besehen, immer liminal, marginal, subversiv. Es muss im Leben mehr als alles geben, rufen sie denen zu, die sich in mechanischem Funktionieren erschöpfen.

Die arbeitsteilige Gesellschaft wird gesteuert durch Funktionalität. Jemand programmiert und konzipiert. Dem wird nach Debatte und Referendum gefolgt. Unterbrechungen sind möglichst rasch zu beheben. Gut so! So funktionieren wir. Alle haben darin je ihre Funktion. Eine greift in die andere. Fallen viele aus, bricht das System zusammen.

«L’homme machine» von 1748 ist das Skandalbuch von La Mettrie, dem Materialisten und Atheisten aus der Bretagne, der sogar den Mensch als Apparat verstand, von seinen Hirnfunktionen gesteuert. Im blühenden Alter von 41 Jahren verstarb er völlig dysfunktional nach dem Verzehr, lese ich, einer zu grossen getrüffelten Pastete vom Fasan. Das hat nicht funktioniert!

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