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Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: elitär

Ist schon gut, was du da geschrieben hast, aber auch etwas eli­tär. Mit die­ser Doppelbotschaft stehe ich immer wieder mal im Regen. Ho­­­nig ums Maul und eine Schelle auf der Backe. Ärger vergällt Freu­de. Die Frage bleibt, inwiefern elitär denn negativ ist.

Einmal sah ich eine Dokumentation über die Subkultur von Bettlern in New York. Sie zeigte grosse Unterschiede auf zwischen solchen, die wis­­sen, wie sie schnell zu Dollars kommen, und anderen, die meistens leer ausgehen. Es ge­be auch unter ihnen eine Elite. Da spitzte ich die Oh­ren, denn so verwendet hatte ich das Wort kaum je gehört.

Es kommt vom lateinischen eligere für auslesen und ist übers französi­sche élire für auserwählen ins Deutsche gelangt. Auslese als Prädikat von Qualitätsweinen ist positiv besetzt: Es gibt eine Elite unter Weinen. Aus­erwählte hingegen sind eher negativ besetzt: Sie werden als arro­gan­te Minderheit empfunden, wenn es um Religion geht, gar als Sekte. Während der Französischen Revolution war élite der soziologische Be­griff für solche, die ihre gesellschaftliche Bedeutung nicht geerbt hatten wie beim Adel, sondern durch eigene Anstrengung erarbeitet.

So allerdings ist elitär ein beschreibendes Attribut, das weder urteilt noch ständisch oder intellektuell reserviert ist: Unter Bettlern gibt es eine Elite wie unter Bauern, Metzgern, Händlern, Soldaten. Die Tatsa­che, dass je­mand Professor ist, reicht nicht, ihn zur Elite zu zählen. Am wenigsten ge­nügt, männlich zu sein! Elitär heisst, auf irgendeinem Gebiet zu den Be­­sten zu zählen. Genau so blüht eine Gesellschaft: mit ihren Eliten auf al­len Gebieten, und brain drain lässt sie welken. Welkt Kirche deshalb?

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1 Kommentar zu „Wortklauberei: elitär“

  1. Jürgen Friedrich

    ‘Wortklauberei’ bietet weitaus mehr, wenn bedacht wird, wie sehr in Wörtern Geist umgeschlagen wird. Dieser Reim bringt es auf den Punkt:

    Am Anfang war das Wort,
    haargenau so heißt es,
    weil jedes Wort ist Ort
    und Wohnsitz reinen Geistes.

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