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Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: Dystopie

Ein Topos feiert Urständ und darf in keiner sich avantgardistisch fühlen­den Kultursendung fehlen: die Dystopie. Dabei droht die alte Topogra­phie des Geistes unübersichtlich zu werden, zumal das Wort den An­schein erweckt, et­was Neues zu bezeichnen.

Ist Topos ein Ort, so sind Utopie & Pantopie in gedanklicher Hinsicht die Orte Nir­gend­wo & Überall, während Eutopie & Kakotopie in werten­der Hin­­­­sicht die Orte Schönhausen & Schlimmplatz sind, Orthotopie & Dys­­topie aber in funktionaler Hinsicht die Orte Wohlstand & Misstand. Topo­lo­gisch sind also nicht Utopie & Dystopie der Gegensatz, und weder kann man, wie man hört, eine Utopie verwirklichen, denn sie ist eine ge­dankliche Übung, die besserer Erkenntnis dient, noch kann man mit einer Dys­topie ver­stö­ren, denn sie macht nur das Missliche sichtbar, das man längst sehen kann, aber meist nicht sehen will.

Dass Missliches wirklich ist und täglich geschieht, steht mir täglich vor Augen, wenn ich sie nur aufmache: Der SUV zum Beispiel, der Falsches und zu viel davon verbrennt, hoch ist wie eine Kutsche, aber ohne Ross, bullig wie ein Panzer, aber ohne Krieg, der in keine Parklücke passt und vor dem Kiosk das Trottoir versperrt, ist dystopisch. Die Utopie einer Welt ohne SUVs freilich könnte dazu führen, einfach besteigbare, hand­lich zu bewegende, energiearme, aggressionslose und narzissmusbe­frei­te Fortbewegungsmittel zu entwickeln. Am liebsten eutopisch und panto­pisch.

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