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Wortklauberei: durchregieren

Da hat also eine die Wahlen in Moldawien gewonnen wie vorher schon ein an­de­rer in den U.S.A., doch leider kann weder sie noch er durchre­gie­­ren, denn da ist ja noch die andere Kammer, die von der Op­position do­mi­niert wird. Zu dumm!

Demokratisch gestimmter Phantasie kann diese Wortbildung nicht ent­sprun­gen sein. Gewaltenteilung erscheint als Behinderung, Kompromiss und Konsens werden zu ärgerlichen Begleiterscheinungen der Politik. Wie schön wäre die Macht, wie vielversprechend und wirkungsvoll, wä­ren da nicht diese checks & balances. Durchregieren klingt wie durch­grei­­fen, durchziehen und durchsetzen, wie Augen zu und durch. Es wird virilen, brachialen, heroischen Vorstellungen von absoluter Macht ent­sprun­­gen sein, dem Wunsch, wie ein Herakles mit Keule, Köcher und Bo­­gen auftreten und den Stall des Augias ausmisten zu können. Der Mist ist in diesem Fall demokratisch, mindestens aber links.

Glück für die Demokratie, dass weder die moldawische Dame noch der amerikanische Herr selbst vom Durchregieren redet. Das machen Medi­en, die Volkes Stimme sein wollen und nur zu gerne in real time zeigen würden, wie der ersehnte Herkules zwei ganze Flüsse durch den Stall leitet und die ganze politische Alltagskacke fortspült.

Der Starke ist am mächtigsten allein. Dem bei Despoten beliebten Satz, ge­sprochen von des deutschen Schillers Schweizer Tell, immerhin, muss auch in der urdemokratischen Schweiz gelegentlich politisch und publizi­stisch widersprochen werden.

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