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Lesedauer: 2 Minuten

Wortklauberei: apokalyptisch

Zugegeben, es ist mir seit meiner Kindheit eine eigentlich verbotene, eine diebische Freu­de, im Wald oder am Strand einen grossen Stein vor­sich­tig zu ­lupfen und zuzusehen, was alles sich darunter verbirgt und nun bewegt: Würmer, Asseln, Mu­scheln, Schnecken, Ameisen, ganze Bau­ten mit Gängen und Kammern. Welt in Panik, eiliges Gewusel. Ein Fest!

Früher, noch bestallt und beauftragt, habe ich mit diesem Bild erklärt, was Apokalypse heisst: Aufdeckung, Freilegung, Entblössung.

Heute, nach einem Jahr in Rente und Isolation, empfinde ich das als echten Ge­winn aus der Pandemie: Das Virus führt uns täglich vor Augen, was apokalyptisch bedeutet. Es deckt ohne jedes Ansehen der Person und ohne jeden Respekt vor Stand und Verdienst radikal alles auf. Es macht vor gar nichts halt, ignoriert jedes Geklüngel und Gemauschel, offenbart die Gier von Kriegsgewinnlern ebenso unbarmherzig wie die Naivität von Ma­­chern. Es legt geheime Strukturen frei und entblösst die wahren Absich­ten selbsternannter Retter und Erlöser, zeigt, welche Werte das Sagen haben.

Kein Enthüllungsjournalismus hat je so schnell so viel ans Licht geholt. Ein Fest!

Nein, apokalyptisch ist nicht erst die Strafe, auch in der Bibel nicht, son­dern die Offenlegung der Wahrheit. Und ja, dafür braucht es keinen star­ken Mann, ein unsichtbares Virus tut es auch. Nein, auch in der Bibel ist nicht Untergang das Ziel der Apokalypse, sondern Neubeginn. Und ja, das alte Leben kommt nicht zurück, dafür ein neues für alle, die in der Wahrheit sind. Das andere Fest!

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