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Wortklauberei: abolitio nominis

Wenn ich könnte, hätte ich gerade eben grosse Lust, eine Prägung der alten Römer wieder einzuführen: die abolitio nominis. Ein Kaiser erlangte, wenn er gestorben war und der Senat ihm die Apotheose zubilligte, römischem Kaiserkult entsprechend den Rang einer Gottheit. Es gab aber tatsächlich auch Fälle von offiziellem Verschwindenlassen des Namens. Caligula und Nero, Domitian und Commodus wurden so von ihren Nachfolgern für Willkür und Grausamkeit bestraft. Ihre Büsten wurden umgearbeitet, ihre Münzen eingeschmolzen, ihre Inschriften übermalt. Es gab sogar Fälle, wo das blosse Aussprechen ihres Namens unter Strafe stand.

Später nannte man dies auch damnatio memoriae. Eines Tyrannen sollte nicht mehr gedacht werden! Erinnerung an ihn war tabu, und so stand er hinfort unsichtbar auf einem Undenkmal. Hätten wir diese abolitio und damnatio heute, sie enthöben uns des Streits, ob man Denkmale eines narzisstischen Autokraten von einst herunterreissen darf oder nicht. Es schüfe aber auch die Möglichkeit, statt Geld für den Bau neuer Denkmale zu budgetieren, heute einer Bibliothek, einer Universität, eines Flughafens, es für jene vorzusehen, die unter seiner Autokratie gelitten haben.

Vergessen ist die beste Antwort auf Narzissten. Wie wäre es, wenn Medien, statt sich täglich neu zu empören, dieses sehr wirksame Mittel bereits zu Lebzeiten von Autokraten einsetzten? Berichte, in denen der Name weggeschwärzt, Bilder, auf denen der Kopf weggerastert, Clips, in denen der Titel weggepiepst wäre? Keine Zensur, nein, aber kein Name, keine Öffentlichkeit, kein Kult des Pilgerns und Gedenkens!

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