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Lesedauer: 4 Minuten

Wichtiger als Rosen und Schokolade

Es ist Valentinstag. Ich bin Single und eigentlich ist es mir ziemlich egal. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich irgendwie über den Kommerz aufregen zu müssen. Die Rosen und die Pralinen vermisse ich nicht. Aber etwas Anderes schwirrt durch meine Gedanken. Ich habe da vor einiger Zeit einen Tweet gesehen, der mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist:

Die Idee eines Kuschelakkus gefällt mir irgendwie. Wohltuende Berührungen tun gut, sie füllen etwas auf, geben mir die Energie, die ich brauche, um gut durch den Alltag zu kommen. Sie sind genauso ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken. Und sie müssen auch nicht nur von einer Partnerin oder einem Partner aufgeladen werden. Gerade in der Familie oder bei Haustieren kann man diese Akkus gut aufladen.

Manchmal können das Kinder besser als wir, sie strecken ihre Hände aus, fordern den Körperkontakt ein. Sie spüren, wie sehr sie ihn brauchen. Sie rennen auf die offenen Arme ihrer Eltern zu. Ein Bild voller Zuversicht, Vertrauen, Liebe und Zuneigung. Aber sie schrecken auch zurück, wenn sie nicht genau wissen, ob sie einer Person vertrauen können.

Und manchmal habe ich das Gefühl, dass es mir auch heute noch so geht. Dass die Arme zu verschränken sicherer ist, als zuzugeben, dass man etwas braucht. Etwas das man nicht einfach so in einem Laden kaufen kann. Und so entscheidet sich man halt doch für Schokolade und Blumen …

Manchmal denke ich als Single, dass das nur mir so geht. Wenn der Kuschelakku immer mehr gegen Null geht. Aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher … Aber was tue ich, wenn der Akku sich dem roten Spektrum nähert?

Manchmal ist genau das der einzige Grund, wieso ich am Sonnag in die Kirche gehe. Es ist einer dieser Orte für mich, wo ich den Kuschelakku aufladen kann. Wo mich Menschen, denen ich vertraue, in den Arm nehmen. Einfach so, weil sie sich freuen, mich zu sehen.

Der Familienvater, der mich brüderlich umarmt und fast zerquetscht. Die Urgrossmutter, die ihre Hand auf meinen Arm legt und mir liebevoll über die Wange streichelt. Meine Freundinnen, die mir zur Begrüssung eine Umarmung schenken und zur Verabschiedung gleich noch zwei. Die Kids, die aus dem Kinderprogramm kommen und mir in die Arme fliegen. Solche Orte sind für mich wie Himmel auf Erden.

Nicht jeder Mensch braucht gleich viel Berührung und nicht jedem Mensch fällt es einfach, zu vertrauen. Aber wir brauchen es alle. Und vielleicht weisst du gerade nicht, wo du diesen Kuschelakku aufladen könntest. Aber vielleicht kannst du ja mit einer einfachen Frage anfangen, gestellt an jemanden dem du vertraust. Gerade dort wo du gerade bist.

“Könntest du mich umarmen?”

Wer weiss, ob dein Gegenüber nicht genau das Gleiche braucht. Und dann ladet ihr euch einfach gemeinsam auf. Solange wie es sich gut anfühlt.

Es ist Valentinstag.

Und ja, die Schokolade oder die Blumen können ein Ausdruck von Liebe und Zuneigung sein. Aber um die Einsamkeit zu lindern, die wir doch alle immer wieder spüren, brauchen wir noch etwas Anderes. Menschen die uns anschauen, ihre Arme öffnen und die mit einer Berührung uns ein bisschen Liebe und Geborgenheit schenken.

Und vielleicht könnte der Valentinstag ein Tag sein, wo wir auf einander Acht geben. Nachfragen: Wie viele Prozent hat dein Kuschelakku gerade? Egal ob Single, vergeben, jung oder alt. Und einander einfach ein bisschen menschliche Nähe schenken. Aber immer auch auf die Grenzen der anderen achten, O.K.?

Es ist Valentinstag.

Und vielleicht wird dir gerade bewusst, wie leer dein Akku eigentlich ist. Dann ist es auch in Ordnung einfach mal traurig und leer zu sein. Vielleicht ist der Schmerz heute einfach stärker als alles Andere. Das ist auch O.K.. Es geht mir hier nicht darum irgendwie künstlich gute Stimmung zu verbreiten. Morgen ist auch noch ein Tag. Fühle dich trotzdem virtuell umarmt!

Es ist Valentinstag.

Und so werde ich diesen Valentinstag einen Familiengottesdienst leiten. Denn auch als Single gehöre ich zu einer grösseren Gemeinschaft, zu einer grösseren Familie. Ich werde meine Arme weit aufmachen, so dass ich alle umarmen kann. Und meine verschränkten Arme öffnen, verletzlich sein, so dass ich mich umarmen lassen kann.

Kuschelakku — lädt—-

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