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Unveränderlichkeit: Ist Gott zuverlässig?

»Man fragt sich, wie jemand, der die Bibel liest, auf die Idee kommen kann, der biblische Gott sei überzeitlich, unveränderlich und unwandelbar. Nichts scheint dem biblischen Zeugnis mehr zu widersprechen als diese Aussage« (Armin Kreiner: Gott im Leid? Zur Theodizee-Relevanz der Rede vom leidenden Gott, 215).

Der renommierte katholische Theologe Armin Kreiner spricht hier eine eigentümliche Spannung an: Auf der einen Seite hat sich die Überzeugung der absoluten Unveränderlichkeit Gottes tief ins religiöse Bewusstsein der Menschen eingeschrieben.

»Gott verändert sich nie!«, das weiß irgendwie jeder (sogar diejenigen, die gar nicht mehr an Gott glauben).

Auf der anderen Seite kommt uns im Zeugnis der Bibel ein Gott entgegen, der als Teilhaber der Geschichte Israels und der Gemeinde nicht nur einen äußerst beweglichen, flexiblen, anpassungsfähigen Eindruck macht, sondern der sogar ausdrücklich etwas werden kann, was er vorher nicht war – nämlich ein Mensch in Fleisch und Blut, oder noch konkreter: ein Zimmermann aus Nazareth (vgl. Joh 1,14).

Vielleicht stehen diese beiden Eindrücke aber nicht ganz unversöhnlich gegeneinander.

In den biblischen Überlieferungen wird nämlich nicht von der Unveränderlichkeit Gottes gesprochen, sondern vielmehr von der unerschütterlichen Treue Gottes zu den Menschen (vgl. etwa Maleachi 3,6; oder Psalm 102,28-29).

Im Unterschied zur »Unveränderlichkeit« ist »Treue« aber kein philosophisch-absolutes Konzept, sondern ein Beziehungsbegriff: Treu ist, wer durch dick und dünn zum anderen steht – und sich darum auch als kompromisslos vertrauenswürdig erweist.

Im Begriff der Treue ist also beides enthalten: Ein Moment der Unveränderlichkeit – Gott ist nicht wankelmütig, flatterhaft oder unberechenbar, sondern unbedingt zuverlässig und beständig –, aber eben auch ein Moment der Veränderlichkeit: Gott ist nicht statisch, unbeteiligt, sondern zutiefst bewegt vom Schicksal seiner Geschöpfe. Dabei stehen diese beiden Momente nicht nur konfliktfrei nebeneinander: sie bedingen sich sogar gegenseitig: 

Gott ist in mancherlei Hinsicht veränderlich, gerade weil (!) er sich in anderer Hinsicht niemals verändert – und spezifischer: Gott lässt sich in seiner Geschichte mit den Menschen bewegen und zu Anpassungen und Veränderungen hinreißen, gerade weil (!) er in seiner Liebe zum Menschen absolut unerschütterlich ist.

Die Logik, die hinter dem Grundsatz der Unveränderlichkeit Gottes Jahrtausende lang stand, muss darum überholt werden: Seit der Zeit des griechischen Philosophen Platon wurde jede Veränderung in Gott abgelehnt, weil Gott sich weder zum Besseren noch zum Schlechteren verändern kann (im ersten Fall wäre er dann ja vorher nicht vollkommen gewesen, im letzteren Fall wäre er danach nicht mehr vollkommen). Im Blick auf den Gott der Bibel tritt nun eine dritte Möglichkeit vor Augen:

Gott kann sich verändern als Ausdruck seiner selbst: Er geht veränderlich auf den Menschen ein und beweist gerade damit sein unveränderlich liebendes Wesen.

 

Dieser Beitrag ist einer von mehreren theologischen Exkursen, die im Büchlein «Gott hat keinen Plan für dein Leben… Aber 1’000 Möglichkeiten, mit dir ans Ziel zu kommen» eingestreut sind. Das ist keine theologische Abhandlung für Fachkreise, sondern ein kurzes, mit vielen Geschichten und reichlich Humor gespicktes Buch für jedermann/jedefrau. Es macht Mut, in einer komplexen Welt nicht an der Vielzahl von Möglichkeiten zu verzweifeln und auch nicht nach dem einen (!) Willen Gottes zu suchen, sondern zuversichtlich nach vorne zu scheitern…: Bestellbar direkt beim Verlag und überall wo’s Bücher gibt.

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1 Kommentar zu „Unveränderlichkeit: Ist Gott zuverlässig?“

  1. Jürgen Friedrich

    Die behauptete ‚Unveränderlichkeit Gottes‘ bedarf der Erläuterung im Sinne Schillers, nämlich „nichts ist so beständig wie der kontinuierliche Wandel“.

    Noch anschaulicher wird das durch die „Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott“, denn kein Mensch gleicht exakt einem anderen. Also ist „auch Gott stets anders“.

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