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Planet A: Die Klimakolumne. Staunen – die Fähigkeit der Pessimist:innen

Über die Natur staunen

Ich spaziere am Waldrand entlang und staune über den raschelnden Herbst. Ich staune bei jedem Jahreszeitenwechsel – doch einzig die melancholische Herbststimmung lässt mich darüber nachdenken, warum ich eigentlich staune.

Fehltritte der Evolution

Wenn man durch die Geschichte unseres Planeten blättert, entdeckt man so einiges, worüber man staunen kann. Wäre die Evolution nur um einen Millimeter verrutscht, wären wir heute in einer ganz anderen Welt gelandet. Hätte sich der Urhund – der Vorfahre der Delfine – dazu entschieden, fliegen zu lernen, dann würden sich heute Rentner:innen um den besten Fensterplatz prügeln, während sie in riesigen Kreuzflugzeugen tagelang über dem Atlantik kreisen, um Delfine zu sichten.

Wäre der erste bezahnte Fisch aufgrund mangelnder Dentalhygiene frühzeitig verstorben, dann hätte kein späteres Lebewesen je beissen gelernt. Wir könnten nur Dinge essen, die man nicht kauen muss. Das bedeutet: schleimige Hafersuppe statt knusprige Pizza, Pürierstab statt Grillzange; und wer Pommes möchte, muss zu McDonalds.

Der pessimistische Blick in den Rückspiegel

Wenn ich staune, dann schaue ich pessimistisch in den Rückspiegel der Weltgeschichte: Ich sehe, was in der Vergangenheit alles hätte schief gehen können und staune darüber, wie viel Glück wir hatten. Zum Glück hatte die erste Cyanobakterie eine gesunde Psyche: Wäre sie vor rund drei Milliarden Jahren an der Einsamkeit eines kaum belebten Planeten gestorben, dann gäbe es keinen Sauerstoff auf der Erde. Hätten die Vulkane nicht mit ihren Wutausbrüchen die Atmosphäre aufgemischt, dann hätte der Sauerstoff nie vom Wasser in die Luft gelangen können und kein Lebewesen hätte sich je auf das Festland getraut.

Staunen vs. Glauben?

Manchmal staune ich so fest, dass ich dabei anfange, an Gott zu glauben. Doch sobald ich das tue, gibt’s eigentlich nichts mehr, worüber ich staunen kann. Es ist ja nicht erstaunlich, dass ein allmächtiges Wesen genug Fingerspitzengefühl hat, um diesen komplexen evolutionären Prozess zu gestalten.

Mit weniger Staunen und mehr Glauben spaziere ich weiter. Da kommt mir eine Familie mit fünf Kindern entgegen – zwei Kinder weinen, drei Kinder lachen, weil die anderen weinen, und alle fünf tragen die Spuren des Herbstwaldes auf ihren Kleidern. Plötzlich spüre ich, dass ich wieder zu staunen beginne. Ich staune über Gott. Nicht darüber, wie er diesen Planeten gemacht hat, sondern dass er ihn gemacht hat. Es ist dasselbe Staunen, mit dem ich mich frage, warum sich Eltern so etwas wohl antun.

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