Less noise – more conversation.
Lesedauer: 2 Minuten

Skills für Postevangelikale 1: Gefühle als Kompass

Gefühle haben bei vielen Evangelikalen keinen leichten Stand: Sie sind immer höchstens zweitrangig gegenüber dem Intellekt, rationalen Argumenten und dem geschriebenen und gesprochenen Wort. „Das Herz ist ein trotziges und verzagtes Ding“ (das steht sogar in der Bibel), oder „Gefühle können täuschen“, wird gesagt.

Gefühle prägen uns extrem – wie wir die Wirklichkeit erleben, wie wir denken, wie wir uns, andere und Gott sehen. Gefühle wahrzunehmen, kann helfen, reflektierter zu werden und besser auf sich und andere einzugehen. Ich stelle mir Gefühle wie einen Kompass vor: Sie deuten auf Bedürfnisse, die erfüllt oder nicht erfüllt sind.

Anstatt Gefühle „im Griff zu haben“, ist es deswegen hilfreich, sie erst mal einfach anzunehmen und verstehen zu lernen. Es gibt auch keine guten oder schlechten Gefühle – höchstens angenehme und unangenehme. Aber Gefühle SIND einfach mal da, und sie erzählen uns mehr über uns und in welchem Setting wir uns gerade befinden.

Im Video erzähle ich ein persönliches Beispiel aus meiner #Dekonstruktion.

Die Gedanken im Video beruhen auf dem Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. In einem Basiskurs der „Empathie Initiative Zürich“ habe ich es kennengelernt und geübt. Ich erkenne in diesem Mindset einige Fähigkeiten und Prinzipien, die gerade für #Postevangelikale viel Potenzial haben. In der neuen Videoserie (das ist Teil 1) erzähle ich mehr darüber.

What do you think of this post?
  • OMG! (1)
  • Karma-Boost (5)
  • Deep (6)
  • Boring (0)
  • Fake-News (4)

10 Kommentare zu „Skills für Postevangelikale 1: Gefühle als Kompass“

  1. Hallo Evelyne
    Danke mal wieder für deine Offenheit und deine Tipps: Das hört sich für mich alles sehr „therapeutisch“ und deshalb um so wichtiger, notwendiger an…
    Selber habe ich das in meiner kurzen „evangelikalen“ Phase so um 15 auch leider erlebt und es hat auch mich wohl bis heute geprägt…

    Vielen Dank und weiter so!

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Roland, danke für den ermutigenden Kommentar! Als ich deinen Namen gesehen habe, dachte ich grad: „Ah, Roland, er fordert mich sicher wieder (berechtigterweise) heraus, dabei hab ich grad eh schon einen intensiven Tag gehabt.“ Da freue ich mich jetzt umso mehr, ist es ein Lob und eine Bestätigung meiner Wahrnehmung! 🙂 Danke vielmals. Heb en schöne Obig!

  2. Hallo Evelyne,
    Ich teile deine Erfahrungen, solange es um negativ gewertete Gefühle geht (Zweifel, Angst, Traurigkeit, …). Da gilt es zu überwinden, mit dem Wort, dem Verstand etc., denn diese sind fleischlich oder vom Teufel.
    Bei den guten Gefühlen hiess/heisst es im Allgemeinen: die sind vom Heiligen Geist. Diese durften/dürfen sein.
    Da ich wegen meiner Geschichte mehr traurige als freudige Gefühle hatte, fühlte ich mich immer als Aussenseiterin (halt nicht gesegnet)….
    Diese starke Wertung der Gefühle finde ich herausfordernd.
    Marie-Therese

    1. Evelyne Baumberger

      Liebe Marie-Therese, danke für den persönlichen Kommentar. Du schreibst teilweise in der Gegenwartsform – wie geht es dir heute damit?

  3. Gefühle und Körperwahrnehmung sind für mich tatsächlich als Kompass kaum überzubewerten. Gerade auch in Gesprächssituationen, in Gruppen, aber auch mit Kindern, wo Gefühle oft viel schneller da sind als Worte. Gefühle zu benennen ist eine hohe Kunst, die nie genug geübt werden kann. Da gilt es auch, spielerisch auszuprobieren.

  4. Daniela Boelsterli

    Liebe Evelyne. Danke für deine Gedanken. Sie berühren mich. Für mich ist es wichtig geworden, meine Gefühle wahrzunehmen, aber sie nicht überzubewerten. Ich BIN nicht meine Gefühle. Ich distanziere mich immer wieder von ihnen und erlebe das als sehr befreiend.

  5. Manfred Reichelt

    Gefühle sind unsere (An-) triebe. Auch die unterdrückten. Die machen, weil sie immer noch Antrieb sind, krank. Man sollte also seine Gefühle kennen. Aber nicht jeder Antrieb ist schon per se gut. Was uns nämlich antreibt, beruht auf den Vorstellungen von der Welt und uns selbst, die wir uns (meistens unbewusst) angeeignet haben. Diese Vorstellungen gilt es zu erkennen, wenn wir uns von negativen Antrieben und Frustrationen befreien wollen. Ich will es an einem Beispiel verdeutlichen: Immer wieder kommt es vor, dass Vögel gegen eine Glasscheibe fliegen. Sie können ihr Muster, das sie antreibt, das zu tun, nicht ändern, obwohl es nötig wäre. Wir können aber unsere Muster ändern, indem wir unsere Sicht auf die Welt und uns selbst ändern. Wie man positiv seine Gefühle ändert, ist z.B. auf meinem Blog zu lesen: https://manfredreichelt.wordpress.com/2018/07/14/uebung-macht-den-meister/

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.