Less noise – more conversation.
Less noise – more conversation.
Lesedauer: 4 Minuten

Echte versus vermeintliche Freiheit

Es ist ja nicht so, dass Holy Embodied irgendwo ein Buch mit Antworten auf die grossen Fragen hätte. Wenn ich also nach der echten Freiheit frage, habe ich noch keine Antwort. Sondern ich begebe mich mit dir, liebe Leser:in, auf eine Erkundung in Echtzeit. Lasse die glasklare Aufmerksamkeit hören, was ist Klarheit, was ist lediglich die Kakophonie konditionierter Gedanken?

(K)eine Impfung

Nun habe ich mich lange nicht impfen lassen. Weil da kein «Ja» aus meinem Körper kam, weil ich auch den Sinn nicht sehe. Das Argument der Solidarität leuchtet mir nicht ein, ich kann das Virus dennoch herumtragen – und mein Immunsystem ist zusammen mit meiner Hexenapotheke tiptop, ich war seit Jahren nicht mehr erkältet. Die Chance, dass ich wegen Corona im Spital lande, ist extrem klein – da sind die Chancen als Velofahrerin in Züri wegen eines Verkehrsunfalls dort zu landen um ein Vielfaches grösser. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, ich meinte also zu wissen, dass ich mich nicht werde impfen lassen. Vorerst. Doch da war ein Mü Offenheit da, meine Meinung zu ändern, sollte ich aus der Klarheit was anderes hören.

Und so fand ich mich vorletzte Woche im lustigen Impfzentrum wieder, wo man mir stantepede und sehr effizient den Impfstoff gespritzt hatte. Mein Impffrölein war überraschenderweise ganz meiner Meinung und wir haben ein bisschen über die Strategien gelästert. Die ganze Zeit stellte ich quasi in den Äther die Frage: Stimmt das so? Ist das richtig? Die Antwort blieb ein eher leises Ja. Aso guet.

Freiheit aufgeben?

Darum frage ich mich und meine impfskeptischen Freunde: Habe ich damit meine Freiheit aufgegeben? Oder vielleicht doch eher genau aus echter Freiheit entschieden?

Mir scheint, der Unterschied liegt tief in unserem Innern: Fühle ich mich als Opfer des Systems, das mich zwingt, mich bestimmten Regeln zu unterwerfen, um im Gegenzug bestimmte Dinge tun zu können – ja, das fühlt sich nicht sehr frei an. Oder empfinde ich mich als selbstbestimmter Teil eines Systems (dem ich mich immer auch entziehen kann, sollte ich das wollen – mit der Konsequenz, dass ich dann eventuell im Wald und ohne Pensionskasse lebe, nödwahr), als mündige Person, die entscheiden kann: Was möchte ich hier – ist mir der Restaurantbesuch die nötige Impfung wert oder nicht? Fühlt sich frei an, findi.

Logisch hätten wir es gern so wie früher: Wir konnten ohne Maske im Tram umejoggle oder einfach so in Restaurants rein. Doch die Dinge haben sich geändert, da kann ich mich noch so darüber aufregen und es unfair oder doof finden. Bloss weil etwas mal so war, heisst das na lang nöd, dass es so bleibt. Umstände – individuell oder kollektiv – ändern sich ständig. Unsere Illusion davon, wie es ist, ist genau das: Illusion.

Echte Freiheit braucht eine grosse Portion Mut und Beweglichkeit.

Genau darum mag ich yogainspirierte Bewegung so sehr: Ich erlebe im Körper, wie es sich anfühlt, an einem verspannten Ort etwas mehr Platz zu schaffen. Etwas mehr Freiheit. Ob und wie sich diese Freiheit einstellt, unterliegt jedoch nicht meiner Kontrolle. Mein Wille kann da nichts tun. Hence, the courage.

Freiheit nicht delegieren

Natürlich ist es viel einfacher, die Frage nach der Freiheit abzudelegieren. An ein System, an Umstände, an andere. Ist bloss etwas unfrei.

Mich hat es recht schockiert, als mein Nachbar während des zweiten Lockdowns sagte: «Wir sind nicht frei, wenn wir nicht in Bars können.» Wirklich, daran hängst du deine Freiheit? Krass. Ist das dann nicht ähnlich, wie wenn ich mir das neuste Smartphone zum Gott mache? Oder die Zahl auf meinem Bankkonto? Frei nach Martin Luther, der sagte: «Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.»

Mein Herz hängt ganz bestimmt nicht an geöffneten Bars, Smartphones oder Geld.

Und so scheint mir: Wenn ich mein frei sein daran messe, ob ich ins Restaurant gehen kann oder nicht – dann ist das eine billige Chilbiversion von Freiheit. Und doch hängen wir Freiheit, aber auch Sicherheit, Liebe, Wert, so gern an Umstände oder Personen. Geld. Partnerschaften. Status. Job. Weil das kann unser zimli begrenztes Ich erkennen, verstehen, einordnen. The real deal entzieht sich all dem und ist herzlich wenig beeindruckt von externem Shit. Ja, noch nicht einmal davon, ob ich im Gefängnis sitze oder nicht.

Echte Freiheit ist einfach, unveränderlich, unantastbar, ewig. Und daran, ja daran hänge ich mein Herz nur zu gerne.

 

Photo by DESIGNECOLOGIST on Unsplash

What do you think of this post?
  • OMG! (3)
  • Karma-Boost (3)
  • Deep (4)
  • Boring (1)
  • Fake-News (3)

4 Kommentare zu „Echte versus vermeintliche Freiheit“

  1. Hallo

    irgendwie habe ich jetzt verpasst was es jetzt mit der Impfung und der Freiheit zu tun hat, also jetzt bei Dir, nicht bei bei den endlich wieder in die Ferien oder in die Bar Könnenden.

    1. Ich schliesse mich Michael Schweri an. Wo genau liegt jetzt beim Impfen die Freiheit im Unterschied zum Nichtimpfen? So schüchtern ahne ich, dass Freiheit eigentlich nichts mit physischer Beweglichkeit oder der Menge an Möglichkeiten, aus denen ich wählen kann, zu tun hat. Man kann auch frei sein in einer Zelle (bspw. Nelson Mandela). Heisst das, dass impfen oder nichtimpfen und pandemiegegebene Massnahmen / Einschränkungen eigentlich nicht mit Freiheit in Verbindung gebracht werden sollten? Sind das einfach Einschränkung der persönlichen Mobilität auf der Basis gegebener Umstände/Gefährdungslagen?

      1. Genau: Freiheit hat nichts mit Impfen oder Nicht-Impfen zu tun. Beides ist eine Entscheidung aus Freiheit. Für mich hat das nun dazu geführt, mich impfen zu lassen. Hätte aber genauso gut zum Gegenteil führen können! Freiheit heisst, es gibt keine Regeln, die ich zu befolgen habe, damit ich frei bin. Freiheit ist.

  2. Teil 1: Ich lese eine Bekehrungsgeschichte mit Zuspruch für die richte Wahrnehmung und den richtigen Entscheid durch die Betreuungsperson. Nur wird diesmal nach dem JA nicht gebetet, sondern gespritzt. Und zwar unwiderruflich.

    Teil 2: Ein anregender Beitrag zum Thema Freiheit.
    Ein positives Bauchgefühl kann bereits aufgrund des Gedankens an Entlastung und soziale Erleichterung ausgelöst werden. Nur schon der Gedanke daran, durch eine Um-Entscheidung von Freunden, Mitarbeitenden, der Gesellschaft nicht mehr in Frage gestellt zu werden, löst positive Gefühle und Erleichterung aus, denn wir sind alle irgendwie Schafe, Herdentiere, brauchen soziale Kontakte, Zugehörigkeit, Nähe und immer wieder auch Zustimmung. Das haben wir alle schon erlebt.

    Was ist Freiheit? Durch die Politik auferlegte Einschränkungen für Ungeimpfte braucht vor allem kreativere Lösungen. Wahre Freundschaft zerbricht nicht am Impf-Thema und sucht gemeinsam nach kreativen Lösungen. Bleiben werden die echten Freunde. Vielleicht eine Wahrheit, die zu grösserer innerer Freiheit beiträgt, obwohl weder schmerzfrei und noch freiwillig.

    Zurück zur Bekehrungsgeschichte: Aus welchem Grund bekehrt man sich? Was hat sie ggf. mit Angst zu tun? Was macht einem Angst, wovor genau und weshalb? Wenn ich Angst und Freiheit gepaart anschaue, dann würde weniger Angst mehr Freiheit bedeuten. Seit Corona ist Angst in der Gesellschaft omnipräsent, die kollektive Angst vor dem Tod wird verstärkt, geschürt, es berührt die individuellen Ängste eines jeden und Angst wird schlussendlich zum Pandemietreiber. (Letzteres bestätigt die grösste amerikanische Studie, veröffentlicht durch die CDC)

    Insofern wäre das Virus viel mehr als nur eine Einladung zur Spritze, sondern eine Einladung zu grösserer, echter Freiheit.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.