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Der Kunstvlog [10]: Überall Cyborgs und Chimären – Venedig Biennale 2022

Im 10. Kunstvlog – einer Special Edition in doppelter Länge – werfe ich Blicke auf die 59. Kunstbiennale in Venedig. Ich begegne Cyborgs, Chimären und Zentauren und werde schliesslich selbst zum Cyborg.

Die 59. Biennale ist noch einmal eine Feier von Hybridität, Ambivalenz, von kulturellen, sexuellen und anderen Mischungsverhältnissen. Angesichts identitärer Spaltungstendenzen und Problematisierungen von kulturellen Überschreitungen (Stichwort: «kulturelle Appropriation») wirkt das fast wie eine Feier von etwas, das vielleicht im Schwinden begriffen ist.

Was für manche futuristisch wirken mag, ist noch einmal eine Hommage an eine Zeit, die vielleicht hinter uns liegt.

Theoretisch knüpft die italienische Chefkuratorin Cecilia Alemani mit ihrer Biennale zehn Jahre nach der ökofeministischen documenta 13 von Carolyn Christov-Bakargiev an cyber- und posthumanistisches Gedankengut an: Ideen der spielerischen und emanzipatorischen Grenzauflösung zwischen Mensch und Tier, Mensch und Maschine oder auch realen und fiktiven Körpern. Leitfigur ist der Cyborg, im Anschluss an das «Cyborg Manifesto» der US-amerikanischen Feministin Donna Haraway (1985 erschienen in der «Socialist Review»).

Bei aller Inklusivität der Cyborg-Biennale gibt es aber auch Ausschlüsse: Der weisse Mann muss diesmal (weitgehend) draussen bleiben, was manche auch schon wieder einseitig finden.

Ich habe die Biennale genossen, auch weil ich nach den vielen Corona-Monaten Nachholbedarf hatte. Ich habe mir allerdings beim Massenevent einen kleinen Cyborg eingefangen, den Coronavirus. Die Symptome aber verliefen mild.

Die Kunstbiennale in Venedig hat noch bis 27. November geöffnet.

Der New Yorker Künstler Noah Fischer verarbeitete seine Eindrücke der Biennale vor dem Hintergrund von Krieg und Krisen als originelles Graphic Novel für das Magazin «Hyperallergic«.

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2 Kommentare zu „Der Kunstvlog [10]: Überall Cyborgs und Chimären – Venedig Biennale 2022“

  1. Ist schon ok, als alter weisser Mann verstehe ich eh nur Bahnhof. Ich ticke analog mit ein bisschen digital gemischt. 😊

  2. Johanna Di Blasi

    Dass sie lauter Frauen in der Hauptausstellung der Biennale zeigt, wird von der Biennale-Chefin nicht eigens thematisiert und inhaltlich motiviert. Es ist halt so. Das sorgt bei männlichen Künstlern, gerade älteren weissen Männern, schon für Frust, so weit ich das mitbekomme. Klar, für viele schwinden die Chancen, auf dieser wichtigen Plattform jemals aufzutauchen. Ich selbst betrachte Kunst nicht nach Gender. Ich mag den Satz der wundervollen Eva Hesse, die seinerzeit nicht ins Frauen-Ghetto («Frauenkunst») gesteckt werden wollte: «Kunst betrifft die Essenz, die Seele, das Zentrum. Egal ob sie von einer Frau, einem Mann oder einer Kakerlake gemacht wurde.» Ich empfehle Kunstinteressierten auch den documenta-Podcast meines Kollegen Johann Hinrich Claussen – augenöffnend – hab nirgends sonst so konzise Analyse gefunden (für mich war die Tonqualität kein Problem).

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