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Der Kunstvlog [1]: Fragmente der Liebe

In ihrem Kunstvlog wählt Johanna einen subjektiven Zugang, folgt persönlichen Sehvorlieben, verweilt, wenn sie etwas anzieht, und lässt beiseite, was sie nicht ansprechend findet. Eine Kernfrage, die sie sich stellt, lautet: «Was macht Kunst mit mir? Was macht sie mit uns?»

Die erste Ausgabe ihres Kunstvlogs zeigt Fragmente einer Sprache der Liebe. Die südkoreanische Künstlerin Jung Lee inszenierte diese als Neonschriften in Landschaften rund um Seoul. Seufzer und Liebesschwüre zeugen von innerem Aufgewühltsein und einem Seelenzustand der Bedürftigkeit und des existenziellen Angewiesenseins auf ein Gegenüber. Der Titel der Serie lautet «Aporia». Dies bedeutet auf Griechisch «in eine Sackgasse geraten».

Liebe kann manchmal stranden, ohne Echo bleiben, umso intensiver aber wird das Werben um das «Du». Eine strukturelle Nähe wird spürbar zwischen Liebesfloskeln und Gebeten. Eine Inspirationsquelle für Jung Lee ist das Buch «Fragmente einer Sprache der Liebe» von Roland Barthes. Dieser thematisierte das Dilemma der Liebe. Es besteht darin, dass der oder die Geliebte zu einer Art Mysterium erhoben wird, als Objekt der Liebe mit süssen Worten bedacht und schliesslich mit der Liebe selbst gleichgesetzt wird.

«Die süssen Worte, die sich in der Luft wiederholen und die niemanden zwischen dir und mir erreichen können, scheinen auf ironische Weise die Einsamkeit und das Leid der Menschen in der heutigen Gesellschaft zu offenbaren», heisst es im Galerietext. Jung Lee leitet uns an, einen Schritt zurück zu treten und über unser eigenes Gefühlsleben nachzudenken.

Das Filmen in der Zürcher Galerie Christophe Guye hat Johanna Spass gemacht. Sie war zwischendurch so versunken, dass sie beinahe auf einer Mappe mit Kunstwerken getapert wäre. Danke an die Galerie Christophe Guye für die Geduld und die Kooperation.

Johanna Di Blasi ist eine österreichische Kunsthistorikerin, Kunstkritikerin und Mitarbeiterin des RefLab. Beiträge von ihr erschienen u.a. in «Die Zeit», «Frankfurter Rundschau» und «Berliner Morgenpost». Im transcript-Verlag veröffentlichte sie 2019 ihre Museumsstudie «Das Humboldt Lab», in der sie künstlerische Interventionen in kolonialen Sammlungen untersucht.

Fotografien im Video © Jung Lee / Courtesy of Christophe Guye Galerie

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